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Daten & Datenbanken · KI & Machine Learning

Daten mit künstlicher Intelligenz (KI) / Machine Learning (ML) auswerten

Du lernst, wann Machine Learning für eine Geschäftsfrage sinnvoll ist, wie du ein einfaches Modell trainierst und ehrlich bewertest, und wo die Risiken liegen.

Anspruchsvoll Anspruchsvoll ca. 28 Std. SelbststudiumDigitales Business: 3. Lehrjahr · üK-Wahlpflicht
#Machine Learning#KI#Klassifikation#Regression#scikit-learn#Trainings- und Testdaten#Overfitting#Konfusionsmatrix#Bias#Azure ML

Überblick

Worum geht es?

Machine Learning findet Muster in historischen Daten und nutzt sie für Vorhersagen, z.B. welche Kunden wahrscheinlich kündigen. Du ordnest Fragestellungen als Klassifikation, Regression oder Clustering ein, bereitest Daten auf und trainierst Modelle mit scikit-learn oder Azure ML. Dabei lernst du, warum ein Modell mit 90 % Genauigkeit trotzdem nutzlos sein kann, wie du Overfitting erkennst und wie Bias in den Daten zu unfairen Entscheidungen führt. Ausserdem setzt du KI-Assistenten für die Analyse ein, ohne ihnen blind zu vertrauen.

Wofür brauchst du das?

Viele Schweizer Unternehmen testen KI-Anwendungen, aber nur wenige Mitarbeitende können beurteilen, ob ein Modell wirklich etwas taugt. Als Entwickler/in digitales Business bist du die Person, die zwischen Fachabteilung und Data Scientists vermittelt, Erwartungen realistisch einordnet und Risiken früh erkennt. Das Modul baut auf 375, 377 und 378 auf.

Das solltest du schon können

  • Mittelwert, Streuung, Korrelation und Prozentrechnung sicher anwenden (Modul 375)
  • Daten profilen und bereinigen, fehlende Werte bewusst behandeln (Modul 378)
  • Einfache Python-Skripte mit pandas schreiben und ausführen (Modul 325)
  • Grundsätze des revDSG kennen (Modul 231)

Typische Tools & Technologien

Python mit pandas und scikit-learnJupyter Notebook / Google ColabAzure Machine Learning (AutoML, Designer)Power BI (Key Influencers)Microsoft Copilot / ChatGPT als Analyse-Assistentmatplotlib / seaborn

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Eine Geschäftsfrage als ML-Problem einordnen oder bewusst ohne ML lösen

    Kompetenz A

    Du erkennst, ob eine Frage eine Kategorie vorhersagt (Klassifikation), eine Zahl (Regression) oder Gruppen sucht (Clustering). Ebenso wichtig: Du erkennst, wenn eine einfache Regel oder eine Auswertung reicht und ML nur Aufwand bringt.

    Situation

    Ein regionaler Internetanbieter mit 38'000 Abokunden hat drei Ideen: 1. vorhersagen, wer in den nächsten 3 Monaten kündigt, 2. den Umsatz des nächsten Quartals schätzen, 3. Kunden mit offenen Rechnungen über 60 Tage automatisch mahnen.

    Deine Aufgabe

    Ordne jede Idee ein und begründe, wo ML sinnvoll ist.

    Gutes Ergebnis

    1. Klassifikation (kündigt ja / nein), ML sinnvoll, da viele Einflussfaktoren. 2. Regression bzw. Zeitreihenprognose, sinnvoll, wenn genug historische Daten vorhanden sind. 3. Kein ML nötig: eine feste Regel 'offen > 60 Tage' reicht und ist nachvollziehbarer.

    überwachtes LernenKlassifikationRegressionClusteringZielvariableregelbasiert vs. ML
  2. 2

    Merkmale (Features) und Zielvariable für das Training vorbereiten

    Kompetenz B

    Du wählst Merkmale aus, die zum Zeitpunkt der Vorhersage bekannt sind, wandelst Text-Kategorien in Zahlen um und behandelst fehlende Werte. Besonders achtest du auf Data Leakage: Merkmale, die das Ergebnis schon verraten, machen ein Modell im Test scheinbar perfekt und in der Praxis wertlos.

    Situation

    Für die Kündigungsprognose des Internetanbieters liefert die IT eine Tabelle mit Vertragsdauer, Abo-Typ, Anzahl Supportanrufe, Preisänderung, Kanton und 'Kündigungsgrund'. Ein erstes Modell erreicht 99 % Genauigkeit.

    Deine Aufgabe

    Finde das Problem und bereite die Daten korrekt auf.

    Gutes Ergebnis

    'Kündigungsgrund' ist nur bei Kunden ausgefüllt, die bereits gekündigt haben: Leakage, Spalte entfernen. Abo-Typ und Kanton mit One-Hot-Encoding umwandeln, fehlende Supportanrufe als 0 setzen (mit dem Support abgeklärt). Neue Genauigkeit realistischer bei 90 %.

    FeatureZielvariable (Label)One-Hot-EncodingData LeakageSkalierungfehlende Werte
  3. 3

    Ein Modell mit getrennten Trainings- und Testdaten trainieren

    Kompetenz C

    Du teilst die Daten in Trainings- und Testdaten (z.B. 80/20), trainierst ein Modell wie einen Entscheidungsbaum oder eine logistische Regression in scikit-learn und vergleichst es mit einer einfachen Baseline. Alternativ nutzt du AutoML in Azure Machine Learning und verstehst, was im Hintergrund passiert.

    Situation

    Die bereinigten Daten des Internetanbieters umfassen 10'000 Kunden, 15 % davon haben gekündigt.

    Deine Aufgabe

    Trainiere ein erstes Modell und vergleiche es mit einer Baseline.

    Gutes Ergebnis

    train_test_split(X, y, test_size=0.2, stratify=y, random_state=42). DecisionTreeClassifier(max_depth=4) erreicht 90 % Genauigkeit auf den Testdaten. Baseline 'niemand kündigt' erreicht bereits 85 %. Das Modell ist also nur 5 Prozentpunkte besser. Die eigentliche Bewertung muss mit anderen Metriken erfolgen.

    TrainingsdatenTestdatentrain_test_splitEntscheidungsbaumlogistische RegressionBaseline
  4. 4

    Modelle mit passenden Metriken und der Konfusionsmatrix bewerten

    Kompetenz D

    Genauigkeit allein täuscht, wenn eine Klasse selten ist. Du liest die Konfusionsmatrix und berechnest Precision und Recall. Bei Regressionen nutzt du den mittleren absoluten Fehler (MAE), der in der Einheit der Zielgrösse verständlich ist, z.B. in CHF.

    Situation

    Im Testset des Internetanbieters (2'000 Kunden) haben 300 gekündigt. Das Modell markiert 260 Kunden als gefährdet, davon kündigen 180 tatsächlich.

    Deine Aufgabe

    Berechne Precision, Recall und Accuracy und erkläre, was das für das Retention-Team bedeutet.

    Gutes Ergebnis

    TP 180, FP 80, FN 120, TN 1'620. Precision 180/260 = 69 %, Recall 180/300 = 60 %, Accuracy 1'800/2'000 = 90 %. Bedeutung: Von 10 angerufenen Kunden sind 7 wirklich gefährdet, aber 4 von 10 Kündigern werden nicht erkannt. Entscheid mit dem Team: lieber mehr Kunden anrufen, also Schwellenwert senken und Recall erhöhen.

    KonfusionsmatrixAccuracyPrecisionRecallSchwellenwertMAE
  5. 5

    Overfitting erkennen und mit einfachen Mitteln vermeiden

    Kompetenz C

    Ein Modell, das die Trainingsdaten auswendig lernt, versagt bei neuen Daten. Du vergleichst die Leistung auf Trainings- und Testdaten, begrenzt die Modellkomplexität und nutzt Kreuzvalidierung für eine stabilere Einschätzung.

    Situation

    Eine Kollegin hat einen Entscheidungsbaum ohne Tiefenbegrenzung trainiert: 99.6 % Accuracy auf den Trainingsdaten, 81 % auf den Testdaten.

    Deine Aufgabe

    Erkläre das Ergebnis und verbessere das Modell.

    Gutes Ergebnis

    Grosse Lücke zwischen Training und Test: klares Overfitting. max_depth zwischen 2 und 10 mit cross_val_score (5-fach) getestet. Bei max_depth=4: Training 91 %, Test 90 %, stabil über alle Folds. Das einfachere Modell ist zudem leichter zu erklären.

    OverfittingUnderfittingModellkomplexitätKreuzvalidierungGeneralisierung
  6. 6

    Bias, Fairness und Datenschutz bei ML-Anwendungen beurteilen

    Kompetenz E

    Modelle übernehmen Verzerrungen aus historischen Daten. Du prüfst, ob ein Modell Gruppen benachteiligt, auch über indirekte Merkmale, und kennst die Pflichten des revDSG bei automatisierten Einzelentscheidungen. Du forderst, dass Menschen wichtige Entscheide überprüfen können.

    Situation

    Die HR-Abteilung eines Logistikunternehmens möchte Bewerbungen mit einem Modell vorsortieren, trainiert auf den Einstellungsentscheiden der letzten 8 Jahre. In dieser Zeit waren 85 % der Eingestellten Männer.

    Deine Aufgabe

    Beurteile die Risiken und gib eine Empfehlung.

    Gutes Ergebnis

    Hohes Risiko für Geschlechter-Bias, auch ohne Geschlechtsfeld, z.B. über Hobbys, Teilzeitwunsch oder Lücken im Lebenslauf. Nach revDSG müssen Bewerbende über eine automatisierte Einzelentscheidung informiert werden und eine Überprüfung durch einen Menschen verlangen können. Empfehlung: kein automatisches Aussortieren, höchstens Unterstützung, Ergebnisse regelmässig nach Gruppen vergleichen.

    BiasProxy-MerkmalFairnessautomatisierte EinzelentscheidungErklärbarkeitHuman in the Loop
  7. 7

    KI-Assistenten bei der Datenanalyse gezielt und kritisch einsetzen

    Kompetenz F

    Werkzeuge wie Microsoft Copilot oder ChatGPT können pandas-Code schreiben, Formeln erklären oder Zusammenfassungen vorschlagen. Du formulierst präzise Aufträge, prüfst jedes Ergebnis nach und gibst keine vertraulichen oder personenbezogenen Daten in öffentliche Tools ein.

    Situation

    Du willst für die Kündigungsdaten schnell eine Grafik 'Kündigungsrate nach Abo-Typ' und lässt dir den Code von einem KI-Assistenten generieren.

    Deine Aufgabe

    Nutze den Assistenten sinnvoll und prüfe das Ergebnis.

    Gutes Ergebnis

    Prompt nur mit Spaltennamen und Datentypen, ohne echte Kundendaten. Der generierte Code rechnet mit count() statt mean() und zeigt Anzahl statt Rate. Fehler durch Kontrolle mit einer manuell berechneten Pivot entdeckt und korrigiert. Im Notebook vermerkt, welcher Teil KI-generiert und geprüft ist.

    PromptHalluzinationErgebnisprüfungvertrauliche DatenUnternehmensrichtlinie KI

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Fragestellung als ML-Problem einordnen

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Daten und Features vorbereiten

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Modelle trainieren und Overfitting vermeiden

Ziel 3Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Modelle bewerten

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Bias, Fairness und Datenschutz

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

KI-Assistenten kritisch nutzen

Ziel 7

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Weniger Retouren beim Modehaus Fadegrad

Nico ist im 3. Lehrjahr beim Modehaus Fadegrad AG in Herisau, einem Online-Modehändler mit 90 Mitarbeitenden. Pro Jahr kommen rund 40'000 Pakete zurück, und jede Retoure kostet etwa CHF 9 für Versand und Prüfung. Im ÜK-Projekt soll Nico herausfinden, ob sich mit Machine Learning vorhersagen lässt, welche Bestellungen zurückkommen.

  1. Kapitel 1

    Zuerst die einfache Regel

    Nico ordnet die Aufgabe als Klassifikation ein: Wird eine Bestellung retourniert, ja oder nein? Bevor er ein Modell baut, prüft er eine einfache Regel aus dem Kundendienst: Wer denselben Artikel in zwei Grössen bestellt, schickt fast immer einen zurück. Die Regel trifft bei 70 Prozent dieser Bestellungen zu, erfasst aber nur einen kleinen Teil aller Retouren. Sie dient ihm ab jetzt als Messlatte, die ein Modell schlagen muss.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Ein Feld verrät alles

    Aus zwei Jahren Daten mit 210'000 Bestellungen stellt Nico Features zusammen: Anzahl Artikel, Grössen-Doppelbestellung, Kategorie, Rabatt, Zahlungsart und ob es sich um eine Neukundin handelt. Die Kategorie wandelt er mit One-Hot-Encoding um. Ein erstes Modell erreicht verdächtige 99 Prozent, und Nico findet den Grund: Das Feld Gutschriftbetrag wird erst nach einer Retoure gefüllt und verrät das Ergebnis. Er entfernt es und trainiert neu.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    99 Prozent im Training, 71 im Test

    Ein Entscheidungsbaum ohne Tiefenbegrenzung erreicht auf den Trainingsdaten 99 Prozent, auf den Testdaten nur 71 Prozent. Nico erkennt das Overfitting, begrenzt die Tiefe auf 6 und prüft mit fünffacher Kreuzvalidierung: Nun liegen Training und Test bei 76 und 75 Prozent. Ein Random Forest schafft 78 Prozent und bleibt stabil. Er entscheidet sich trotzdem bewusst für den einfacheren Baum, weil das Team dessen Regeln nachvollziehen kann und der Unterschied klein ist.

    Ziel 3Ziel 5

  4. Kapitel 4

    Was 75 Prozent wirklich bedeuten

    Nico vergleicht mit einem Modell, das immer "keine Retoure" sagt: Es käme schon auf 62 Prozent Accuracy. Die Konfusionsmatrix zeigt für Retouren eine Precision von 0,71 und einen Recall von 0,58. Weil das geplante Ziel nur ein Hinweis auf den Grössenberater ist, kosten Fehlalarme fast nichts, verpasste Retouren aber CHF 9. Er senkt den Schwellenwert auf 0,4 und erreicht so einen Recall von 0,72.

    Ziel 4

  5. Kapitel 5

    Hinweis ja, Sperre nein

    Das Marketing möchte den Kauf auf Rechnung für Kundinnen mit hohem Retourenrisiko sperren. Nico vergleicht die Fehlerraten nach Altersgruppe und sieht, dass Personen über 65 doppelt so oft fälschlich als riskant markiert werden. Er empfiehlt, das Modell nur für Grössenhinweise einzusetzen, das Alter als Feature zu entfernen und keine Sperre ohne menschliche Prüfung zu verhängen. Beim Code für die Konfusionsmatrix hat ihm Copilot geholfen, aber die Achsen falsch beschriftet, was Nico mit einer Handrechnung an 20 Bestellungen bemerkt. Die Kundendaten verarbeitet er nur pseudonymisiert im firmeneigenen Azure-ML-Arbeitsbereich.

    Ziel 6Ziel 7

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Was kann ML, was nicht?

    ca. 3 Std.

    Du verstehst die Grundidee von Machine Learning und ordnest Geschäftsfragen ein.

    • Zehn Anwendungsfälle aus Schweizer Branchen (Bank, Detailhandel, Versicherung) als Klassifikation, Regression, Clustering oder 'kein ML' einordnen
    • Für einen Fall Zielvariable und mögliche Features notieren
    • Ein Video oder Tutorial zum Entscheidungsbaum durcharbeiten und den Ablauf skizzieren

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Daten für ML vorbereiten

    ca. 4 Std.

    Du bereitest einen echten Datensatz in Jupyter für das Training auf.

    • Einen öffentlichen Churn-Datensatz laden, profilen und bereinigen
    • Kategorische Spalten mit pd.get_dummies umwandeln
    • Jede Spalte auf Leakage prüfen: Wäre der Wert zum Zeitpunkt der Vorhersage bekannt?

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Erstes Modell trainieren

    ca. 4 Std.

    Du trainierst ein Modell in scikit-learn und vergleichst es mit einer Baseline.

    • Daten mit train_test_split stratifiziert aufteilen
    • DecisionTreeClassifier und LogisticRegression trainieren
    • DummyClassifier als Baseline einsetzen und alle drei vergleichen

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    Ehrlich bewerten

    ca. 5 Std.

    Du bewertest Modelle mit Konfusionsmatrix und passenden Metriken und erkennst Overfitting.

    • Konfusionsmatrix erstellen und Precision, Recall von Hand nachrechnen
    • Schwellenwert verändern und die Auswirkung auf Precision und Recall beobachten
    • Trainings- und Testleistung für verschiedene max_depth-Werte vergleichen und mit Kreuzvalidierung absichern

    Trainiert Kompetenz D1D2C2C3

    Lernziel45

  5. 5

    Verantwortung und Werkzeuge

    ca. 4 Std.

    Du beschäftigst dich mit Bias und Datenschutz und probierst Low-Code- und KI-Werkzeuge aus.

    • Modellergebnisse nach zwei Gruppen (z.B. Altersgruppe, Sprachregion) vergleichen
    • Dasselbe Problem mit AutoML in Azure Machine Learning lösen und die Ergebnisse vergleichen
    • Mit einem KI-Assistenten Code generieren lassen und systematisch auf Fehler prüfen

    Trainiert Kompetenz E1E2F1F2

    Lernziel673

  6. 6

    ÜK-Projekt: Vom Datensatz zur Empfehlung

    ca. 5 Std.

    Du führst ein kleines ML-Projekt vollständig durch und präsentierst es einer fiktiven Geschäftsleitung.

    • Problem einordnen, Daten vorbereiten, Modell trainieren und bewerten
    • Risiken (Bias, Datenschutz, Fehlentscheide) und Grenzen benennen
    • Ergebnis in 5 Folien mit einer klaren Empfehlung präsentieren

    Trainiert Kompetenz A3B3D3E3

    Lernziel1246

Üben

Übungen aus der Praxis

Anwendungsfälle einordnen

Einstieg Einstieg

Die Geschäftsleitung einer Kantonalbank sammelt KI-Ideen: Kreditausfälle vorhersagen, Immobilienpreise schätzen, Kundinnen in Gruppen einteilen, Spesen über CHF 500 zur Kontrolle markieren, Betrugsverdacht bei Kartenzahlungen erkennen.

Weist nach A1E1

  1. Jede Idee als Klassifikation, Regression, Clustering oder regelbasiert einordnen
  2. Für jede ML-Idee die Zielvariable und drei mögliche Features nennen
  3. Bei einer Idee ein Risiko für Bias oder Datenschutz beschreiben
Tipp anzeigen

Frag dich: Was soll am Ende herauskommen? Eine Kategorie, eine Zahl, Gruppen ohne vorgegebene Antwort oder eine Ja/Nein-Regel mit festem Grenzwert?

Lösungsskizze anzeigen

Kreditausfall: Klassifikation (Einkommen, Schulden, Dauer). Immobilienpreis: Regression (Fläche, Lage, Baujahr). Kundengruppen: Clustering. Spesen > 500: Regel, kein ML. Betrug: Klassifikation mit stark unausgewogenen Klassen. Risiko z.B. beim Kredit: indirekte Benachteiligung über Wohnort oder Nationalität.

Spam-Filter für den Kundendienst bewerten

Fortgeschritten Fortgeschritten

Ein Modell sortiert eingehende Kundenmails in 'Spam' und 'echt'. Im Test mit 5'000 Mails: 400 echte Spam-Mails, davon 360 erkannt. Insgesamt hat das Modell 420 Mails als Spam markiert.

Weist nach D1D2

  1. Konfusionsmatrix mit TP, FP, FN, TN aufstellen
  2. Accuracy, Precision und Recall berechnen
  3. Beurteilen, welcher Fehler für den Kundendienst schlimmer ist
  4. Eine Empfehlung zum Schwellenwert geben
Tipp anzeigen

Eine echte Kundenmail im Spam-Ordner kann eine verpasste Kündigung oder Reklamation sein. Welche Metrik misst genau dieses Risiko?

Lösungsskizze anzeigen

TP 360, FP 60, FN 40, TN 4'540. Accuracy 98 %, Precision 86 %, Recall 90 %. Schlimmer sind die 60 False Positives (echte Mails im Spam). Empfehlung: Schwellenwert erhöhen, damit Precision steigt, auch wenn etwas mehr Spam durchkommt, und den Spam-Ordner täglich kurz prüfen.

Kündigungsprognose für ein Fitnesscenter

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Eine Fitnesskette mit 12 Standorten liefert Daten zu 6'500 Mitgliedern: Alter, Abo-Typ, Standort, Besuche pro Monat der letzten 6 Monate, Kursbuchungen, Zahlungsverzug, Kündigung ja/nein. Rund 18 % haben gekündigt. Die Retention-Abteilung kann pro Monat 150 Mitglieder anrufen.

Weist nach B3C3D3E3

  1. Daten profilen, bereinigen und auf Leakage prüfen
  2. Baseline und zwei Modelle trainieren und mit Kreuzvalidierung vergleichen
  3. Konfusionsmatrix interpretieren und den Schwellenwert auf die 150 Anrufe pro Monat abstimmen
  4. Ergebnisse nach Altersgruppen vergleichen und mögliche Benachteiligungen benennen
  5. Empfehlung an die Geschäftsleitung in maximal 5 Folien formulieren
Tipp anzeigen

Wenn nur 150 Anrufe möglich sind, zählt vor allem, wie viele der 150 am stärksten gefährdeten Mitglieder wirklich kündigen würden. Sortiere nach der vorhergesagten Wahrscheinlichkeit.

Lösungsskizze anzeigen

Leakage-Kandidaten wie 'Austrittsdatum' entfernen. Baseline 82 % Accuracy (niemand kündigt). Logistische Regression und Entscheidungsbaum mit max_depth 3 bis 6, 5-fache Kreuzvalidierung. predict_proba nutzen, Top 150 pro Monat auswählen und Precision in dieser Gruppe angeben. Wichtigste Treiber (z.B. Rückgang der Besuche) verständlich erklären. Bias-Check: Recall pro Altersgruppe. Empfehlung inkl. Grenzen und Vorschlag für einen Pilot mit Kontrollgruppe.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was ist der Unterschied zwischen Klassifikation und Regression?

Klassifikation sagt eine Kategorie voraus (z.B. kündigt ja / nein), Regression eine Zahl (z.B. Umsatz in CHF).

Warum testest du ein Modell nicht mit den Trainingsdaten?

Weil das Modell diese Daten schon kennt. Nur neue, ungesehene Testdaten zeigen, wie gut es in der Praxis funktioniert.

Woran erkennst du Overfitting?

Das Modell ist auf den Trainingsdaten deutlich besser als auf den Testdaten.

Warum ist 95 % Accuracy bei Betrugserkennung oft wertlos?

Wenn nur 5 % der Fälle Betrug sind, erreicht ein Modell, das nie Betrug meldet, schon 95 %. Recall und Precision zeigen, ob Betrug wirklich gefunden wird.

Was ist Data Leakage?

Ein Feature enthält Information, die zum Zeitpunkt der Vorhersage noch nicht bekannt wäre oder das Ergebnis direkt verrät. Das Modell wirkt im Test zu gut.

Was misst der Recall?

Den Anteil der tatsächlich positiven Fälle, die das Modell gefunden hat: TP / (TP + FN).

Was verlangt das revDSG bei einer automatisierten Einzelentscheidung?

Die betroffene Person muss informiert werden und kann verlangen, ihren Standpunkt darzulegen und die Entscheidung von einem Menschen überprüfen zu lassen.

Welche Daten gibst du nicht in einen öffentlichen KI-Assistenten ein?

Personendaten, Kundendaten und vertrauliche Geschäftsdaten. Für Code reichen Spaltennamen und Datentypen.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Ein Modell ohne Vergleich mit einer einfachen Baseline als Erfolg präsentieren.
  • Nur auf die Accuracy schauen, obwohl die interessante Klasse selten ist.
  • Spalten im Training verwenden, die erst nach dem Ereignis entstehen (Leakage).
  • Komplexe Modelle wählen, die niemand in der Fachabteilung erklären kann, wenn ein einfacher Baum fast gleich gut ist.
  • KI-generierten Code oder Text ungeprüft übernehmen.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Beginne jede ML-Aufgabe mit der Einordnung: Problemtyp, Zielvariable, Features, Erfolgskriterium.
  • Rechne Precision und Recall immer mit Bruch und Ergebnis hin. Das zeigt, dass du die Konfusionsmatrix verstanden hast.
  • Vergleiche immer Trainings- und Testleistung und nenne das Wort Overfitting, wenn die Lücke gross ist.
  • Erwähne Bias und Datenschutz auch dann, wenn die Aufgabe nicht ausdrücklich danach fragt. Das wird in der Praxis erwartet.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Machine Learning
Verfahren, bei denen ein Computer aus Beispieldaten Muster lernt, statt fest programmierten Regeln zu folgen.
Feature
Eingabemerkmal, das ein Modell für die Vorhersage nutzt, z.B. Vertragsdauer.
Label
Die Zielvariable, die vorhergesagt werden soll, z.B. 'gekündigt'.
Baseline
Einfachstes Vergleichsmodell, z.B. immer die häufigste Klasse vorhersagen.
Konfusionsmatrix
Tabelle mit richtig und falsch positiven sowie richtig und falsch negativen Vorhersagen.
Precision
Anteil der als positiv vorhergesagten Fälle, die tatsächlich positiv sind: TP / (TP + FP).
Recall
Anteil der tatsächlich positiven Fälle, die das Modell erkennt: TP / (TP + FN).
Overfitting
Das Modell lernt Trainingsdaten inklusive Zufallsrauschen auswendig und verallgemeinert schlecht.
Kreuzvalidierung
Daten werden mehrfach unterschiedlich in Training und Test aufgeteilt, um eine stabilere Bewertung zu erhalten.
Bias
Systematische Verzerrung in Daten oder Modell, die bestimmte Gruppen benachteiligen kann.

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Mein JOIN liefert plötzlich doppelte Zeilen. Was mache ich falsch?
Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
Ah, dann kommt sie zweimal vor …
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