Lektion 1 von 9
Wie Daten durchs Netz reisen
Du kennst die Geräte eines KMU-Netzes, verstehst, was beim Aufruf einer Webseite passiert, und vermisst dein eigenes Netz mit ipconfig, ping und tracert.
Worum es geht
Montagmorgen, 7.45 Uhr. Bei der Bürotech Emmental GmbH in Burgdorf klingelt das Telefon: «Bei uns geht das Internet nicht!» Für die Kundin ist das eine einzige Störung. Für dich als ICT-Fachperson steckt dahinter eine ganze Kette: Netzwerkkarte, Kabel, Wanddose, Switch, Router, Provider, DNS-Server, Webserver. Fällt irgendein Glied aus, sieht es für die Kundin gleich aus: «geht nicht».
Wer diese Kette kennt, kann gezielt messen, statt zu raten. In dieser ersten Lektion lernst du, welche Geräte in einem kleinen Firmennetz mitspielen, was in der ersten Sekunde nach dem Aufruf einer Webseite passiert und wie du mit ipconfig, ping und tracert dein eigenes Netz vermisst. Alles Weitere im Kurs baut auf diesem Bild auf.
Das Netz als Postsystem
Stell dir ein Netzwerk wie die Post vor. Damit ein Brief ankommt, braucht er eine Adresse, und unterwegs gibt es Stellen, die entscheiden, wohin er als Nächstes geht.
Zwei Adressen pro Gerät: MAC und IP
Jedes Gerät im Netz hat zwei Arten von Adressen:
- Die MAC-Adresse (z.B.
3C-52-82-4A-1F-0B) ist fest in der Netzwerkkarte gespeichert. Sie hat 48 Bit (sechs Hexadezimal-Paare), die ersten drei Paare verraten den Hersteller. Sie ist wie der Name an der Wohnungstür: Im Haus findet der Briefträger damit die richtige Tür, für eine Reise quer durch die Schweiz taugt sie nicht. - Die IP-Adresse (z.B.
192.168.50.57) ist eine logische Adresse, die das Gerät je nach Netz bekommt. Sie hat 32 Bit, geschrieben als vier Zahlen von 0 bis 255, und ist wie eine Postadresse: Ein Teil nennt das Netz (den «Ort»), der andere das Gerät (die «Hausnummer»). Zu Hause bekommt dein Firmenlaptop eine andere IP-Adresse, die MAC-Adresse bleibt gleich.
Wie die IP-Adresse genau in Netzteil und Geräteteil zerfällt, regelt die Subnetzmaske. Das rechnen wir in Lektion 2 im Detail durch.
Switch, Router und Access Point
Drei Gerätetypen begegnen dir in jedem KMU-Netz:
| Gerät | Analogie | Entscheidet nach | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Switch | Briefverteiler im Mehrfamilienhaus | MAC-Adresse | Verbindet Geräte innerhalb eines Netzes. Er lernt, an welchem Port welche MAC-Adresse hängt, und leitet Daten gezielt nur dorthin. |
| Router | Postverteilzentrum | IP-Adresse | Verbindet verschiedene Netze, z.B. das Firmennetz mit dem Internet. Er entscheidet anhand der Ziel-IP, wohin ein Paket weitergeht. |
| Access Point (AP) | Briefkasten ohne Kabel | MAC-Adresse (per Funk) | Bindet WLAN-Geräte an das kabelgebundene Netz an. Er ist eine Brücke zwischen Funk und Kabel. |
Dazu kommen das Patchpanel (Verteilerleiste im Netzwerkschrank, an der die Kabel aus den Wanddosen enden) und die Firewall, die festlegt, welcher Verkehr hinein und hinaus darf. In kleinen Betrieben stecken Router, Firewall, WLAN und DHCP-Server oft zusammen im Gerät des Providers, kurz «der Router».
So sieht ein typisches kleines Netz aus:
Ordne jedem Gerät bzw. Dienst die passende Aufgabe zu.
Was passiert, wenn du srf.ch aufrufst
Du tippst www.srf.ch in den Browser und drückst Enter. In weniger als einer Sekunde läuft Folgendes ab:
- Eigene Adresse vorhanden? Der PC hat beim Einschalten vom DHCP-Server (meist im Router) IP-Adresse, Subnetzmaske, Standardgateway und DNS-Server bekommen. Ohne diese vier Angaben geht nichts.
- Name übersetzen (DNS). Computer verbinden sich mit IP-Adressen, nicht mit Namen. Der PC fragt den DNS-Server: «Welche IP-Adresse hat www.srf.ch?» DNS ist das Telefonbuch des Internets.
- Ziel nah oder fern? Der PC vergleicht die Ziel-IP mithilfe der Subnetzmaske mit seinem eigenen Netz. Liegt das Ziel ausserhalb, geht das Paket an das Standardgateway.
- MAC-Adresse des Gateways (ARP). Im lokalen Netz wird nach MAC-Adresse zugestellt. Der PC ruft per Broadcast: «Wer hat 192.168.50.1?», der Router antwortet. Der PC merkt sich die Antwort im ARP-Cache, oft kennt er sie schon von der DNS-Anfrage.
- Switch leitet weiter. Der Switch liest die Ziel-MAC-Adresse und schickt das Paket nur an den Port des Routers.
- Router schickt ins Internet. Er ersetzt die private Absenderadresse durch seine öffentliche (NAT, Network Address Translation) und übergibt das Paket dem Provider.
- Reise über viele Router. Im Internet springt das Paket über mehrere Router (Hops) bis zum Server von SRF.
- Antwort zurück. Der Router ordnet die Antwort dank NAT wieder deinem PC zu, der Browser zeigt die Seite.
Damit diese Schritte zusammenarbeiten, sind die Aufgaben in Schichten aufgeteilt. Für die Praxis reicht das vereinfachte TCP/IP-Modell mit vier Schichten:
| Schicht (TCP/IP) | Im OSI-Modell | Adressen und Protokolle | Typisches Gerät |
|---|---|---|---|
| Anwendung | Schichten 5 bis 7 | HTTPS, DNS, DHCP, SMB | Server, PC |
| Transport | Schicht 4 | TCP, UDP, Portnummern (443, 53, 445) | Firewall |
| Internet | Schicht 3 | IP-Adressen, ICMP (ping) | Router |
| Netzzugang | Schichten 1 und 2 | MAC-Adressen, Ethernet, WLAN, Kabel | Switch, Access Point |
Ein PC mit fertiger DHCP-Konfiguration ruft www.srf.ch auf. Bring die Vorgänge in die richtige Reihenfolge.
- 1
Der PC stellt mit der Subnetzmaske fest, dass das Ziel ausserhalb des eigenen Netzes liegt
- 2
Der Router ersetzt die private Absenderadresse per NAT und schickt das Paket ins Internet
- 3
Der PC fragt den DNS-Server nach der IP-Adresse von www.srf.ch
- 4
Der Switch leitet das Paket an den Port weiter, an dem der Router hängt
- 5
Der PC ermittelt die MAC-Adresse des Standardgateways (per ARP oder aus dem ARP-Cache)
Drei Werkzeuge für den ersten Blick
Windows bringt die wichtigsten Diagnosewerkzeuge mit. Du startest sie in der Eingabeaufforderung (Windows-Taste, cmd, Enter).
| Befehl | Was er zeigt | Wann du ihn brauchst |
|---|---|---|
ipconfig | Kurzübersicht: IP-Adresse, Maske, Gateway | Hat der PC überhaupt eine Adresse? |
ipconfig /all | Zusätzlich MAC-Adresse, DHCP-Server, DNS-Server, Lease-Zeiten | Genaue Analyse, Dokumentation |
ping <Ziel> | Ob ein Ziel antwortet und wie schnell | Erreichbarkeit prüfen |
tracert <Ziel> | Alle Router (Hops) auf dem Weg zum Ziel | Herausfinden, wo eine Verbindung abbricht |
ping schickt kleine Testpakete (ICMP Echo Request) und wartet auf die Antwort (Echo Reply). Eine erfolgreiche Antwort sieht so aus:
C:\> ping 192.168.50.1
Ping wird ausgeführt für 192.168.50.1 mit 32 Bytes Daten:
Antwort von 192.168.50.1: Bytes=32 Zeit<1ms TTL=64
Antwort von 192.168.50.1: Bytes=32 Zeit=1ms TTL=64
(zwei weitere Antworten)
Ping-Statistik für 192.168.50.1:
Pakete: Gesendet = 4, Empfangen = 4, Verloren = 0
(0% Verlust),Kommt keine Antwort, meldet Windows «Zeitüberschreitung der Anforderung». Wichtig: Ein fehlgeschlagener ping beweist nicht immer, dass das Ziel weg ist. Manche Geräte und die Windows-Firewall beantworten ping absichtlich nicht.
Ausschnitt aus ipconfig /all an einem PC der Physiotherapie:
IPv4-Adresse . . . . . . . . . . : 192.168.50.57(Bevorzugt)
Subnetzmaske . . . . . . . . . . : 255.255.255.128
Standardgateway . . . . . . . . . : 192.168.50.1
DHCP-Server . . . . . . . . . . . : 192.168.50.1
DNS-Server . . . . . . . . . . . : 192.168.50.1Welche Aussage ist richtig?
Schritt für Schritt: Dein eigenes Netz vermessen
Elias macht diese Übung an seinem ersten Tag. Mach sie parallel an deinem eigenen PC.
Schritt 1: Konfiguration auslesen. Elias tippt ipconfig /all und sucht den aktiven Adapter (Ethernet oder WLAN). Der wichtige Ausschnitt:
Ethernet-Adapter Ethernet:
Physische Adresse . . . . . . . . : 3C-52-82-4A-1F-0B
DHCP aktiviert. . . . . . . . . . : Ja
IPv4-Adresse . . . . . . . . . . : 192.168.1.57(Bevorzugt)
Subnetzmaske . . . . . . . . . . : 255.255.255.0
Standardgateway . . . . . . . . . : 192.168.1.1
DHCP-Server . . . . . . . . . . . : 192.168.1.1
DNS-Server . . . . . . . . . . . : 192.168.1.1Schritt 2: Werte deuten. Elias notiert:
Physische Adresse: die MAC-Adresse seiner Netzwerkkarte.DHCP aktiviert: Ja: Die Adresse wurde automatisch zugeteilt.- IP
192.168.1.57mit Maske255.255.255.0: Der PC steht im Netz 192.168.1.0. Alle Geräte von .1 bis .254 sind direkte «Nachbarn». - Gateway, DHCP- und DNS-Server sind alle
192.168.1.1: Der Router übernimmt drei Aufgaben, typisch für ein KMU.
Schritt 3: Gateway testen. ping 192.168.1.1 liefert vier Antworten mit unter 1 ms. Damit ist klar: Netzwerkkarte, Kabel, Switch und IP-Konfiguration funktionieren bis zum Router.
Schritt 4: Internet ohne DNS testen. ping 8.8.8.8 (ein öffentlicher DNS-Server von Google) antwortet nach rund 10 ms. Der Weg ins Internet ist offen, ganz ohne Namensauflösung.
Schritt 5: Den Weg verfolgen. tracert www.srf.ch zeigt alle Stationen. Die öffentlichen Adressen sind hier durch Beispieladressen ersetzt:
Routenverfolgung zu www.srf.ch [203.0.113.80]
über maximal 30 Hops:
1 <1 ms <1 ms <1 ms 192.168.1.1
2 7 ms 6 ms 7 ms 198.51.100.1
3 8 ms 8 ms 7 ms 198.51.100.45
4 * * * Zeitüberschreitung der Anforderung.
5 9 ms 9 ms 9 ms 203.0.113.80
Ablaufverfolgung beendet.Elias liest: Hop 1 ist der eigene Router (unter 1 ms). Ab Hop 2 ist das Paket beim Provider, die Zeit springt auf etwa 7 ms. Hop 4 beantwortet die Testpakete nicht. Das ist harmlos, denn das Ziel in Hop 5 antwortet wieder. Problematisch wäre nur, wenn ab einem Hop bis zum Schluss nur noch Sternchen kämen.
Schritt 6: Skizze zeichnen. Elias skizziert: PC → Switch → Router 192.168.1.1 → Provider → Internet → SRF, daneben IP, Maske, Gateway und DNS. Daraus wird später jeder Netzwerkplan in draw.io.
ping 192.168.50.1 (das Gateway) liefert 4 Antworten mit unter 1 ms. Welche Schlüsse darfst du daraus ziehen? (Mehrere Antworten)
Wähle alle zutreffenden Antworten.
Typische Fehler
- Switch und Router verwechseln. «Ich hänge noch einen Router an, dann habe ich mehr Ports.» Für mehr Anschlüsse im gleichen Netz brauchst du einen Switch. Ein zweiter Router eröffnet ein zweites Netz, und Geräte dahinter (z.B. der Drucker) sind für die anderen nicht mehr direkt erreichbar.
- Den falschen Adapter ablesen.
ipconfig /alllistet auch VPN-, Bluetooth- oder virtuelle Adapter. Nur der aktive Adapter mit Adresse zählt. - Aus einem fehlgeschlagenen ping zu viel schliessen. Scheitert
pingauf einen PC, kann die Windows-Firewall die Antwort blockieren. Teste zuerst ein Gerät, das sicher antwortet, z.B. das Gateway. - Sternchen bei tracert als Ausfall deuten. Einzelne
*mitten im Weg sind normal. Kritisch sind nur Sternchen bis zum Schluss.
Zusammenfassung
- Jedes Gerät hat eine feste MAC-Adresse (Zustellung im lokalen Netz) und eine logische IP-Adresse (Zustellung über Netzgrenzen hinweg).
- Der Switch verbindet Geräte im gleichen Netz anhand von MAC-Adressen, der Router verbindet Netze anhand von IP-Adressen, der Access Point bringt WLAN-Geräte ins Kabelnetz.
- Ziele ausserhalb des eigenen Netzes erreicht ein PC über das Standardgateway. Namen übersetzt der DNS-Server in IP-Adressen.
- Ein PC braucht vier Angaben: IP-Adresse, Subnetzmaske, Gateway, DNS-Server. Meist liefert sie DHCP.
ipconfig /allzeigt die Konfiguration,pingprüft die Erreichbarkeit,tracertzeigt den Weg und wo er abbricht.
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