Modulseite

Lektion 1 von 8

Was einen Workshop wirksam macht

Du unterscheidest Workshop, Sitzung und Information, prüfst, ob ein Workshop die richtige Form ist, und kennst die Rollen von Auftraggeberin, Moderation, Co-Moderation und Teilnehmenden.

ca. 35 Min.0/4 Checks gelöst

Worum es geht

Die Grünkorb AG in Ostermundigen beliefert Restaurants mit Bio-Produkten. Seit Monaten stimmt bei rund 6 % der Bestellungen etwas nicht: Statt Hafermilch kommt Mandelmilch, statt fünf Kilo Rüebli nur eines. Der Verkaufsinnendienst sagt, das Lager lese die Aufträge nicht genau. Das Lager sagt, die Aufträge seien unvollständig. Der Leiter Logistik, Marco Brunner, hat genug und sagt zu Ilaria, Entwicklerin digitales Business im 3. Lehrjahr: «Mach doch einen Workshop mit beiden Teams. Die sollen sich einmal aussprechen.»

Stell dir zwei Varianten vor. In der ersten sitzen neun Personen drei Stunden lang an einem Tisch, die Lauteste redet am meisten, am Schluss sagt jemand «Gut, dass wir darüber gesprochen haben», und nichts ändert sich. In der zweiten weiss jede Person schon in der Einladung, was am Ende auf dem Tisch liegen soll. Alle schreiben zuerst still auf, was sie erleben. Die Gruppe zeichnet den Weg einer Bestellung an der Wand nach, findet die Fehlerstellen und verlässt den Raum mit vier Massnahmen, je mit verantwortlicher Person und Termin.

Der Unterschied liegt nicht in den Personen, sondern im Design und in der Moderation. Genau das lernst du in diesem Kurs: einen Workshop so vorbereiten und leiten, dass er ein brauchbares Ergebnis liefert. Du begleitest dabei Ilaria vom ersten Gespräch mit dem Auftraggeber bis zur Wirkungsprüfung sechs Wochen nach dem Workshop. In dieser Lektion klären wir die Grundlagen: Was ist ein Workshop überhaupt, wann ist er die richtige Form, und wer hat darin welche Rolle?

Workshop, Sitzung oder Mail?

Der Begriff «Workshop» wird im Alltag für fast alles verwendet, von der Teamsitzung bis zur Produktpräsentation. Für dich lohnt sich eine klare Unterscheidung, denn jede Form braucht eine andere Vorbereitung.

Ein Workshop ist ein moderiertes Arbeitstreffen, in dem die Teilnehmenden gemeinsam ein vorher definiertes Ergebnis erarbeiten. Drei Merkmale machen ihn aus: Es gibt ein konkretes Arbeitsergebnis, die Teilnehmenden arbeiten aktiv mit (sie hören nicht nur zu), und eine Moderation steuert den Ablauf mit passenden Methoden.

FormHauptzweckWer redet?Typisches Ergebnis
Mail oder Info-Beitraginformiereneine Person schreibtalle wissen Bescheid
Informationsveranstaltunginformieren, Fragen klärenvor allem die LeitungVerständnis, offene Fragen
Sitzungabstimmen, entscheiden, Stand austauschenTraktandum für TraktandumBeschlüsse, Pendenzen
Workshopgemeinsam etwas erarbeitenalle, methodisch angeleitetIdeen, Analysen, Massnahmen, Anforderungen
Einzel- oder KlärungsgesprächKonflikt zwischen wenigen Personen lösendie BeteiligtenVereinbarung

Eine Analogie aus der Küche: Eine Sitzung ist wie das Besprechen des Menüplans. Ein Workshop ist das gemeinsame Kochen. Beim Kochen braucht es eine Rezeptur (die Agenda), Zutaten und Werkzeug (Methoden und Material) und jemanden, der den Überblick behält, damit nicht alle gleichzeitig in derselben Pfanne rühren (die Moderation).

Check 1 · Eine AntwortEinstieg

Welche dieser Veranstaltungen ist im Sinne des Moduls ein Workshop?

Ist ein Workshop die richtige Form?

Workshops sind teuer. Neun Personen während drei Stunden sind 27 Arbeitsstunden, dazu kommen Vorbereitung und Nachbereitung. Deshalb prüfst du vor jeder Planung, ob ein Workshop überhaupt die passende Form ist. Diese Fragen helfen dir:

  1. Braucht es das Wissen mehrerer Personen? Wenn eine Person die Lösung allein erarbeiten kann, braucht es keinen Workshop.
  2. Ist das Ergebnis noch offen? Wenn der Entscheid schon gefallen ist, wäre ein Workshop Scheinbeteiligung. Ehrlicher ist eine Information mit Fragerunde.
  3. Können die Teilnehmenden das Ergebnis beeinflussen? Die Gruppe muss einen echten Spielraum haben.
  4. Geht es um Sachfragen? Ein persönlicher Konflikt zwischen zwei Personen gehört in ein Klärungsgespräch, nicht vor eine Gruppe.
  5. Gibt es eine Auftraggeberin oder einen Auftraggeber, der das Ergebnis weiterverwendet? Sonst verpufft die Arbeit.

Bei der Grünkorb AG fällt die Prüfung positiv aus: Nur Innendienst, Lager und Chauffeure zusammen kennen den ganzen Weg einer Bestellung. Die Lösung ist offen. Es geht um einen Prozess, nicht um einen Streit zwischen zwei Personen. Und Marco Brunner will die Massnahmen umsetzen. Was noch fehlt, ist ein klares Ziel statt «die sollen sich aussprechen». Das klärst du in Lektion 2.

Check 2 · Eine AntwortFortgeschritten

Die Leiterin Finanzen sagt: «Wir führen ab Januar ein neues Spesentool ein, das ist entschieden. Ich möchte trotzdem einen Workshop, damit die Leute das Gefühl haben, mitreden zu können.» Wie reagierst du am besten?

Die Rollen im Workshop

In einem Workshop gibt es mehrere Rollen. Je klarer sie verteilt sind, desto ruhiger läuft er. Eine Person kann mehrere Rollen haben, muss aber wissen, in welcher sie gerade spricht.

RolleVerantwortetBei der Grünkorb AG
Auftraggeber/inAnlass, Ziel, Rahmen, Entscheidungsspielraum, Umsetzung danachMarco Brunner, Leiter Logistik
ModerationAblauf, Methoden, Zeit, Beteiligung, VisualisierungIlaria
Co-Moderationunterstützt: Zeit, Material, Online-Teilnehmende, Chat, NotizenFabian, Lernender im 2. Lehrjahr
Protokoll und DokumentationErgebnisse festhalten, Fotos, Board-ExportCo-Moderation, Ergebnisse prüft Ilaria
TeilnehmendeInhalt: Wissen, Erfahrung, Ideen, Bewertungvier Personen Innendienst, vier Lager, ein Chauffeur
Fachexpertin oder Gastliefert gezielt Wissen für einen Blockeine ERP-Verantwortliche für 15 Minuten

Die wichtigste Trennung ist die zwischen Prozess und Inhalt. Die Moderation ist für den Prozess verantwortlich: Sie entscheidet, wie gearbeitet wird, wie lange und in welcher Form. Die Teilnehmenden sind für den Inhalt verantwortlich: Sie entscheiden, was die Ursachen sind und welche Massnahmen sinnvoll sind. Die Auftraggeberin steckt den Rahmen ab und entscheidet über das, was die Gruppe nicht entscheiden darf.

Die Rolle der Moderation ist vergleichbar mit einer Schiedsrichterin im Fussball. Sie sorgt dafür, dass nach Regeln gespielt wird, dass die Zeit stimmt und dass niemand übergangen wird. Sie schiesst aber keine Tore.

Check 3 · ZuordnenEinstieg

Ordne jeder Rolle im Workshop ihre Hauptverantwortung zu.

Was wirksame Workshops gemeinsam haben

Wirksame Workshops haben fünf Dinge gemeinsam:

  1. Ein klares Ergebnisziel. Alle wissen, was am Ende vorliegen soll, zum Beispiel «drei bis fünf umsetzbare Massnahmen gegen Falschlieferungen». Ein Thema wie «Falschlieferungen» genügt nicht.
  2. Die richtigen Leute. Wer das Problem erlebt, wer es lösen kann und wer über die Umsetzung entscheidet, ist dabei oder zumindest eingebunden.
  3. Eine Dramaturgie. Der Ablauf öffnet zuerst (sammeln, verstehen) und schliesst dann (verdichten, entscheiden). Jeder Block hat ein Teilziel und eine Methode.
  4. Eine neutrale Moderation. Sie führt durch den Prozess, bezieht alle ein und hält Ergebnisse sichtbar fest.
  5. Eine verbindliche Nachbereitung. Massnahmen haben Verantwortliche und Termine, das Protokoll kommt schnell, und jemand prüft später, ob sich etwas verändert hat.

Fehlt Punkt 1, diskutiert die Gruppe im Kreis. Fehlt Punkt 3, frisst die Diskussion die Zeit für die Massnahmen. Fehlt Punkt 5, ist nach zwei Wochen alles vergessen. Diese fünf Punkte sind gleichzeitig der Aufbau dieses Kurses: Auftrag klären, Drehbuch bauen, Methoden und Setting wählen, moderieren und mit Störungen umgehen, Ergebnisse sichern.

Schritt für Schritt: Zwei erlebte Workshops bewerten

Eine gute Übung zum Einstieg ist, Workshops zu bewerten, die du selbst erlebt hast. Ilaria nimmt dafür ein einfaches Raster mit den fünf Merkmalen und vergibt pro Merkmal 0 (fehlt), 1 (teilweise) oder 2 Punkte (erfüllt).

Schritt 1: Workshop A beschreiben. «Ideenworkshop Lernendenanlass», 12 Lernende, 2 Stunden. Einladung: «Wir sammeln Ideen für den Lernendenanlass.» Die Berufsbildnerin hat moderiert und gleichzeitig ihre Lieblingsidee verteidigt. Es gab ein Brainstorming im Plenum, danach eine Diskussion bis zum Schluss. Ein Protokoll kam nie.

Schritt 2: Workshop B beschreiben. «Retrospektive Sprint 7», 6 Personen, 60 Minuten. Ziel: drei Verbesserungen für den nächsten Sprint. Ablauf mit Zeiten am Whiteboard, stilles Sammeln, Clustern, Punkte vergeben, Massnahmen mit Namen. Zwei Personen aus dem Homeoffice konnten das Whiteboard schlecht sehen.

Schritt 3: Raster ausfüllen.

MerkmalWorkshop AWorkshop B
Klares Ergebnisziel0 (nur Thema)2 (drei Verbesserungen)
Richtige Leute22
Dramaturgie mit Öffnen und Schliessen1 (nur geöffnet)2
Neutrale Moderation, alle einbezogen0 (Moderation parteiisch)1 (Online-Personen benachteiligt)
Verbindliche Nachbereitung02
Total von 1039

Schritt 4: Ursachen benennen. Workshop A scheiterte nicht an den Lernenden, sondern an fehlendem Ziel, fehlendem Schliessen und an der Doppelrolle der Moderatorin. Workshop B war gut gebaut, hatte aber eine Schwäche im Setting.

Schritt 5: Eine Lehre für den eigenen Workshop ableiten. Ilaria notiert für Grünkorb: «Ziel als Ergebnis formulieren. Ich bleibe inhaltlich neutral. Der Chauffeur ist nicht im Raum, also plane ich das Setting so, dass er gleichwertig mitarbeiten kann.»

Mach dieselbe Übung mit zwei eigenen Erfahrungen. Die meisten Schwächen lassen sich einem der fünf Merkmale zuordnen.

Check 4 · Mehrere AntwortenFortgeschritten

Ilaria moderiert den Grünkorb-Workshop. Welche Handlungen gehören zu ihrer Prozessverantwortung als Moderatorin?

Wähle alle zutreffenden Antworten.

Typische Fehler

  1. Jede Besprechung «Workshop» nennen. Wer zu einem Workshop eingeladen wird und dann einer Präsentation zuhört, fühlt sich getäuscht. Besser: die Form ehrlich benennen, also Information, Sitzung oder Workshop.
  2. Einen Workshop für einen schon gefällten Entscheid veranstalten. Die Teilnehmenden merken das schnell und verlieren Vertrauen. Besser: informieren und offen sagen, wo es noch Spielraum gibt.
  3. Moderation und Inhalt vermischen. Wer moderiert und gleichzeitig die eigene Lösung durchbringen will, verliert die Gruppe. Besser: neutral bleiben und Rollenwechsel sichtbar ansagen.
  4. Einen Zweierkonflikt in der Gruppe austragen. Das stellt die beiden bloss und blockiert alle anderen. Besser: zuerst ein Klärungsgespräch.
  5. Ohne Auftraggeberin planen. Wenn niemand das Ergebnis übernimmt, bleibt es liegen. Besser: vor der Planung klären, wer die Massnahmen weiterverfolgt.

Zusammenfassung

  • Ein Workshop ist ein moderiertes Arbeitstreffen mit einem vorher festgelegten Ergebnis, das die Teilnehmenden gemeinsam erarbeiten.
  • Prüfe vor jeder Planung, ob ein Workshop die richtige Form ist: mehrere Wissensträger, offenes Ergebnis, Sachfrage, klare Weiterverwendung.
  • Die Moderation verantwortet den Prozess, die Teilnehmenden den Inhalt, die Auftraggeberin den Rahmen und die Umsetzung.
  • Wenn du Fachwissen einbringen willst, wechselst du sichtbar die Rolle und kehrst danach zurück.
  • Wirksame Workshops haben ein Ergebnisziel, die richtigen Leute, eine Dramaturgie, eine neutrale Moderation und eine verbindliche Nachbereitung.
  • Erlebte Workshops mit einem einfachen Raster zu bewerten, schärft deinen Blick für den eigenen.

Fertig mit der Lektion?

Schliesse sie ab und hol dir 50 XP. Danach direkt üben.