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Systeme & Betrieb · Virtualisierung

Virtualisierungs-Plattform aufbauen und betreiben

Du baust eine Plattform, auf der viele Server als virtuelle Maschinen laufen, und betreibst sie so, dass ein Hardwaredefekt den Betrieb nicht stoppt.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 28 Std. SelbststudiumApplikationsentwicklung: 2. Lehrjahr · üK-WahlpflichtPlattformentwicklung: 2. Lehrjahr · üK-Wahlpflicht
#Virtualisierung#Hypervisor#Hyper-V#VMware#Proxmox#Cluster#Hochverfügbarkeit#Shared Storage#Live-Migration#Kapazitätsplanung

Überblick

Worum geht es?

In fast jedem Betrieb laufen Server heute als virtuelle Maschinen. In diesem Modul planst du die Ressourcen für eine Virtualisierungsumgebung, wählst einen Hypervisor und installierst ihn. Du richtest virtuelle Netzwerke und gemeinsamen Speicher ein, erstellst VMs aus Vorlagen und verbindest mehrere Hosts zu einem Cluster mit Live-Migration und Hochverfügbarkeit. Im Betrieb kümmerst du dich um Updates ohne Unterbruch, Snapshots, Leistungsengpässe und die Sicherung der VMs.

Wofür brauchst du das?

Ob im KMU mit zwei Hosts oder im Spital mit dreissig: Virtualisierung ist das Fundament, auf dem Domain Controller, Fileserver, Datenbanken und Fachanwendungen laufen. Fällt die Plattform aus, steht alles. Seit den Lizenzänderungen bei VMware prüfen viele Schweizer Betriebe den Wechsel auf Hyper-V oder Proxmox, und Lernende werden dabei oft einbezogen. Das Modul verbindet 123 (Serverdienste), 129 (LAN) und 143 (Backup).

Das solltest du schon können

  • Windows- oder Linux-Server installieren und grundlegend konfigurieren (Modul 123)
  • Switches konfigurieren und VLANs einrichten (Modul 129)
  • Grundbegriffe zu Hardware kennen: CPU-Kerne, RAM, RAID, SSD/HDD
  • Erste Erfahrung mit einer Desktop-Virtualisierung wie VirtualBox oder Hyper-V auf Windows 11

Typische Tools & Technologien

Microsoft Hyper-V / Failover ClusterVMware vSphere / ESXiProxmox VEWindows Admin CenteriSCSI / NFS / SMB3CephVeeam / Proxmox Backup ServerPowerShell

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Ressourcen für eine Virtualisierungsumgebung berechnen

    Kompetenz A

    Du erfasst, welche VMs mit welchem Bedarf an CPU, RAM und Speicher laufen sollen, rechnest Reserven und Wachstum ein und leitest daraus die Hardware ab. Dabei planst du so, dass beim Ausfall eines Hosts die restlichen alle VMs tragen können.

    Situation

    Ein Ingenieurbüro mit 45 Mitarbeitenden ersetzt drei alte physische Server. Geplant sind 9 VMs mit zusammen 34 vCPU, 112 GB RAM und 3.2 TB Speicher.

    Deine Aufgabe

    Dimensioniere zwei Hosts für N+1-Betrieb mit 3 Jahren Wachstum.

    Gutes Ergebnis

    Wachstum 20 Prozent ergibt 135 GB RAM. Ein Host muss allein alles tragen: je 2x 12 Kerne (vCPU:pCPU ca. 1.5:1) und 192 GB RAM. Speicher: 4 TB nutzbar plus 30 Prozent Reserve für Snapshots und Wachstum, also rund 5.2 TB auf einem gemeinsamen Speicher.

    vCPU / pCPUOvercommitmentN+1WachstumsreserveIOPS
  2. 2

    Einen Hypervisor auswählen, installieren und grundlegend konfigurieren

    Kompetenz B

    Du vergleichst Hyper-V, VMware ESXi und Proxmox VE nach Kosten, Funktionen, Know-how und Support. Danach installierst du den gewählten Hypervisor, setzt Verwaltungszugang, Zeitsynchronisation und Updates auf und härtest die Verwaltungsoberfläche.

    Situation

    Eine Gemeinde mit 2 Hosts und 12 VMs muss ihre VMware-Lizenz erneuern. Das Angebot ist mehr als dreimal so teuer wie bisher.

    Deine Aufgabe

    Vergleiche Alternativen und installiere den gewählten Hypervisor im Testbetrieb.

    Gutes Ergebnis

    Vergleich: Hyper-V (in Windows Server Datacenter enthalten, Know-how vorhanden), Proxmox VE (frei nutzbar, optionale Subscription pro CPU-Sockel und Jahr in mehreren Stufen). Entscheid Hyper-V, da Datacenter-Lizenzen ohnehin für die Windows-VMs nötig sind. Installation auf Server Core, Verwaltung über Windows Admin Center, Management-Netz in eigenem VLAN.

    Typ-1-HypervisorLizenzmodellManagement-NetzServer CoreZeitsynchronisation
  3. 3

    Virtuelle Netzwerke und gemeinsamen Speicher einrichten

    Kompetenz C

    Du trennst Verkehr für Management, VMs, Live-Migration und Speicher sauber, nutzt VLANs und redundante Uplinks. Für Cluster bindest du gemeinsamen Speicher wie iSCSI, NFS oder einen hyperkonvergenten Ansatz ein und verstehst Thin und Thick Provisioning.

    Situation

    Zwei neue Hosts haben je 4x 10-GbE-Ports. Ein iSCSI-Speicher mit 2 Controllern steht im Rack.

    Deine Aufgabe

    Plane und konfiguriere Netze und Speicheranbindung.

    Gutes Ergebnis

    2 Ports als Team (SET) für Management und VM-Verkehr mit VLANs 10, 20, 30. 2 Ports getrennt für iSCSI in zwei Subnetzen mit MPIO, kein Teaming. Live-Migration über das Team mit eigener vNIC und QoS. 2 Cluster Shared Volumes à 2.5 TB, Fixed VHDX für die Datenbank-VM.

    virtueller SwitchVLAN-TaggingNIC-TeamingiSCSI / MPIOThin / Thick Provisioning
  4. 4

    VMs aus Vorlagen bereitstellen und richtig konfigurieren

    Kompetenz D

    Du erstellst eine Vorlage mit aktuellem Betriebssystem und Grundkonfiguration und leitest daraus neue VMs schnell und einheitlich ab. Du wählst passende Einstellungen für Generation, Firmware, Integrationsdienste, dynamischen Speicher und Datenträger.

    Situation

    Für ein Schulprojekt müssen 8 identische Windows-Server-VMs innert eines Tages bereitstehen.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Vorlage und stelle die VMs automatisiert bereit.

    Gutes Ergebnis

    Vorlage: Windows Server 2022, Generation 2, Secure Boot, vTPM, aktuelle Updates, mit sysprep generalisiert. PowerShell-Skript erstellt 8 VMs mit Namen, VLAN und statischer IP aus einer CSV. Dauer: 25 Minuten statt eines halben Tages.

    Vorlage / Templatesysprep / cloud-initGeneration 2 / UEFIDynamischer ArbeitsspeicherIntegrationsdienste
  5. 5

    Einen Cluster mit Live-Migration und Hochverfügbarkeit aufbauen

    Kompetenz E

    Du verbindest mehrere Hosts zu einem Cluster, damit VMs ohne Unterbruch verschoben werden können und bei einem Hostausfall automatisch auf einem anderen Host neu starten. Du verstehst Quorum und testest das Verhalten bei Ausfällen.

    Situation

    Im Regionalspital läuft das Laborinformationssystem auf einem einzelnen Host. Ein Netzteildefekt hat letzten Monat 3 Stunden Ausfall verursacht.

    Deine Aufgabe

    Baue einen Zwei-Knoten-Cluster und weise die Ausfallsicherheit nach.

    Gutes Ergebnis

    Failover Cluster mit 2 Hosts und Datei-Freigabezeuge auf einem dritten System als Quorum. Validierungstest bestanden. Live-Migration der Labor-VM ohne Verbindungsabbruch (Ping-Verlust 0). Test: Host A hart ausgeschaltet, VM startet nach 2 Minuten auf Host B neu.

    Failover Cluster / HALive-Migration / vMotionQuorum / ZeugeClustervalidierungAffinitätsregel
  6. 6

    Die Plattform im Alltag betreiben: Updates, Snapshots, Leistung und Sicherung

    Kompetenz F

    Du spielst Updates auf Hosts ein, ohne dass VMs ausfallen, setzt Snapshots gezielt und nur kurz ein, erkennst Leistungsengpässe bei CPU, RAM und Speicher und stellst sicher, dass alle VMs gesichert werden.

    Situation

    Benutzer:innen eines KMU klagen, dass das ERP seit einigen Wochen träge ist. Auf dem Host liegt ein 9 Wochen alter Snapshot der ERP-VM mit 380 GB.

    Deine Aufgabe

    Analysiere das Problem und stelle einen sauberen Betrieb sicher.

    Gutes Ergebnis

    Leistungsdaten zeigen hohe Speicherlatenz durch die lange Snapshot-Kette. Snapshot nach Absprache zusammengeführt, Latenz sinkt von 35 auf 4 ms. Neue Regel: Snapshots höchstens 72 Stunden, Monitoring-Alarm bei älteren. Host-Updates künftig per Cluster-Aware Updating, VMs werden vorher automatisch verschoben.

    Snapshot / CheckpointWartungsmodusCluster-Aware UpdatingLeistungsindikatorVM-Backup

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Kapazität planen

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Hypervisor installieren

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Netzwerk und Speicher

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

VMs bereitstellen

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Cluster und Hochverfügbarkeit

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Plattform betreiben

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Ein Cluster für die Molkerei Emmental

Chiara ist im 2. Lehrjahr als Informatikerin Plattformentwicklung bei der Molkerei Emmental AG in Konolfingen, 130 Mitarbeitende. Sechs ältere physische Server laufen bald aus der Garantie, und fällt einer aus, steht die Produktion still. Chiara soll mit ihrem Berufsbildner die Server durch einen Hyper-V-Cluster mit zwei Hosts und gemeinsamem Speicher ersetzen.

  1. Kapitel 1

    Sechs Server, eine Tabelle

    Zwei Wochen lang sammelt Chiara mit der Leistungsüberwachung Daten von allen Servern. Zusammen haben sie 38 Kerne, nutzen davon aber im Schnitt nur 9, dazu 140 GB RAM, 3.2 TB Daten und Spitzen von 4'200 IOPS beim Monatsabschluss im ERP. Weil bei einem Ausfall ein Host alles allein tragen muss, plant sie mit 30 Prozent Reserve 256 GB RAM pro Host. Bei der CPU rechnet sie mit drei vCPU pro physischem Kern.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Hyper-V auf blankem Blech

    Chiara wählt Windows Server Datacenter, weil damit beliebig viele Windows-VMs lizenziert sind, und installiert die Hosts als Server Core. Verwaltet wird über Windows Admin Center in einem eigenen Management-VLAN, die Zeit kommt vom Domain Controller. Auf dem zweiten Host lässt sich die Hyper-V-Rolle nicht installieren. Im BIOS ist die Virtualisierungsunterstützung ausgeschaltet, und nach dem Einschalten klappt es.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Netze und Speicher verkabeln

    Für die VMs baut Chiara einen virtuellen Switch mit Teaming über zwei 25-GbE-Karten und VLAN-Tagging für Server- und DMZ-Netz. Der Speicher hängt per iSCSI an zwei eigenen Karten ohne Teaming. Im Test sieht sie nur einen Pfad zum Speicher und halben Durchsatz. Das MPIO-Feature war nicht für iSCSI aktiviert, und nach der Korrektur laufen beide Pfade.

    Ziel 3

  4. Kapitel 4

    Vorlagen und der erste Umzug

    Chiara erstellt eine Vorlage mit Windows Server als Generation-2-VM, mit sysprep vorbereitet, und eine Ubuntu-Vorlage mit cloud-init. Neue VMs stehen so in 10 Minuten statt in 2 Stunden bereit. Die ERP-Datenbank bekommt festen Arbeitsspeicher, weil SQL Server mit dynamischem Speicher schlecht umgeht, alle anderen VMs dynamischen. Dann zieht sie die Dienste der alten Server einen nach dem anderen um.

    Ziel 4

  5. Kapitel 5

    Ziehen am Stromkabel

    Die Clustervalidierung warnt vor unterschiedlicher Firmware auf den Netzwerkkarten, also aktualisiert Chiara beide Hosts. Als Zeugen nutzt sie eine Dateifreigabe auf dem NAS. Während der Arbeitszeit verschiebt sie die ERP-VM per Live-Migration, ohne dass jemand etwas merkt, und dann zieht sie bei Host 1 den Strom: Nach 3 Minuten laufen alle VMs auf Host 2. Für den Betrieb legt sie fest, dass Updates monatlich mit Cluster-Aware Updating laufen und Checkpoints nach spätestens 48 Stunden gelöscht werden.

    Ziel 5Ziel 6

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Grundlagen und Planung

    ca. 4 Std.

    Du verstehst, wie Virtualisierung funktioniert, und lernst, Ressourcen sauber zu rechnen.

    • Typ-1- und Typ-2-Hypervisor vergleichen und erklären, warum Server Typ 1 nutzen
    • Für 10 Beispiel-VMs CPU, RAM und Speicher summieren und zwei Hosts für N+1 dimensionieren
    • Hyper-V, ESXi und Proxmox VE nach Kosten und Funktionen in einer Tabelle vergleichen

    Trainiert Kompetenz A1B1

    Lernziel12

  2. 2

    Heimlabor: Nested Virtualization

    ca. 5 Std.

    Auf einem PC mit 32 GB RAM betreibst du zwei virtuelle Hosts und einen Speicherserver. Hyper-V und Proxmox unterstützen verschachtelte Virtualisierung.

    • Zwei Proxmox-VE- oder Hyper-V-Hosts als VMs installieren und Nested Virtualization aktivieren
    • Management-Zugang, Zeitserver und Updates einrichten
    • Eine kleine Linux-VM auf jedem Host starten

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Netzwerk und Speicher

    ca. 5 Std.

    Du baust virtuelle Switches mit VLANs und bindest einen gemeinsamen Speicher an.

    • Virtuelle Switches mit VLAN-Tagging für Management, VMs und Migration anlegen
    • Einen iSCSI- oder NFS-Speicher (z.B. TrueNAS als VM) bereitstellen und an beide Hosts anbinden
    • Eine Thin- und eine Thick-Disk anlegen und den Platzverbrauch vergleichen

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    VMs effizient bereitstellen

    ca. 4 Std.

    Du baust eine Vorlage und automatisierst die Bereitstellung.

    • Eine Windows- oder Linux-Vorlage erstellen (sysprep bzw. cloud-init)
    • Drei VMs per Skript oder Klonfunktion aus der Vorlage erzeugen
    • VM-Einstellungen wie Secure Boot, vTPM und dynamischen RAM bewusst setzen

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel4

  5. 5

    Cluster und Ausfalltests

    ca. 5 Std.

    Du verbindest die Hosts zu einem Cluster und testest, was bei Ausfällen passiert.

    • Cluster mit Quorum einrichten (Proxmox: drittes Gerät als QDevice, Hyper-V: Dateifreigabezeuge)
    • Eine VM live migrieren und dabei einen Dauer-Ping laufen lassen
    • Einen Host hart ausschalten und messen, wie lange der Neustart der VM dauert

    Trainiert Kompetenz E1E2

    Lernziel5

  6. 6

    Betrieb wie im Alltag

    ca. 5 Std.

    Du übst die wiederkehrenden Aufgaben, die im Lehrbetrieb auf dich zukommen.

    • Einen Host in den Wartungsmodus setzen, patchen und zurückholen, ohne dass VMs ausfallen
    • Snapshot erstellen, Änderungen testen und den Snapshot wieder zusammenführen
    • VMs mit Veeam oder Proxmox Backup Server sichern und eine VM komplett wiederherstellen

    Trainiert Kompetenz F1F2E3

    Lernziel65

Üben

Übungen aus der Praxis

Virtualisierung für eine Druckerei planen

Einstieg Einstieg

Eine Druckerei mit 25 Mitarbeitenden betreibt vier alte physische Server: Domain Controller, Fileserver (2 TB), Druckvorstufe-Server und ein Auftragssystem mit SQL-Datenbank. Alle sollen auf einen neuen Host virtualisiert werden.

Weist nach A1A2B1

  1. Pro Server den Bedarf an vCPU, RAM und Speicher schätzen
  2. Einen Host mit 30 Prozent Reserve dimensionieren
  3. Hypervisor vorschlagen und begründen
  4. Das grösste Risiko eines einzelnen Hosts benennen und eine Massnahme vorschlagen
Tipp anzeigen

Schau dir die tatsächliche Auslastung der alten Server an, nicht ihre Hardware. Ein 16-Kern-Server mit 5 Prozent CPU-Last braucht als VM keine 16 vCPU.

Lösungsskizze anzeigen

DC 2 vCPU/4 GB/80 GB, Fileserver 2 vCPU/8 GB/2.5 TB, Druckvorstufe 4 vCPU/16 GB/500 GB, Auftragssystem 4 vCPU/24 GB/300 GB. Summe 12 vCPU, 52 GB, ca. 3.4 TB. Host: 16 Kerne, 96 GB RAM, ca. 5 TB nutzbar in RAID 10 aus SSDs. Hyper-V, da Windows Server Standard die Lizenz für 2 Windows-VMs enthält (für 4 VMs 2x Standard oder Datacenter prüfen). Risiko: Single Point of Failure. Massnahme: Hardware-Wartungsvertrag mit 4-Stunden-Reaktion und schnelles VM-Backup mit Instant Recovery, später zweiter Host.

Drei-Knoten-Cluster mit Proxmox VE

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Sekundarschule möchte ihre Server auf drei ausrangierte, aber leistungsfähige Server mit Proxmox VE umziehen. Gemeinsamer Speicher ist nicht vorhanden, jeder Host hat lokale SSDs.

Weist nach C2E2

  1. Cluster über drei Knoten mit separatem Netz für Cluster-Kommunikation einrichten
  2. Eine Speicherlösung ohne externes SAN wählen und begründen
  3. HA für die wichtigsten VMs konfigurieren
  4. Ausfall eines Knotens testen und dokumentieren
Tipp anzeigen

Bei drei Knoten mit lokalen Platten lohnt sich ein Blick auf hyperkonvergente Lösungen. Prüfe, wie viel Netzwerkbandbreite sie brauchen.

Lösungsskizze anzeigen

Cluster mit Corosync über eigenes VLAN, drei Knoten ergeben ein sauberes Quorum. Speicher: Ceph mit je 2 SSDs pro Knoten, Replikation 3, eigenes 10-GbE-Netz. Alternative bei schwachem Netz: ZFS-Replikation alle 15 Minuten. HA-Gruppe für DC, Fileserver und Schulverwaltung. Test: Knoten 2 vom Strom getrennt, VMs nach ca. 2 bis 3 Minuten auf den anderen Knoten gestartet, Ceph meldet degradiert, erholt sich nach Rückkehr.

VMware-Ablösung in einer Gemeinde

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Eine Gemeinde betreibt 3 ESXi-Hosts mit vCenter, 22 VMs und einem iSCSI-SAN. Die VMware-Lizenz läuft in 5 Monaten aus, die Verlängerung würde laut Offerte des Händlers ca. CHF 18'000 pro Jahr kosten (Übungsannahme). Die Gemeinde will auf Hyper-V wechseln und dabei die bestehende Hardware weiterverwenden.

Weist nach A3B3C3E3F3

  1. Ist-Zustand erfassen und Ressourcen für den Zielbetrieb prüfen
  2. Zielarchitektur mit Netzwerk, Speicher und Cluster entwerfen
  3. Migrationsweg der VMs wählen (Konvertierung, Backup-Restore oder Neuinstallation) und begründen
  4. Ablauf in Etappen planen, sodass immer genug Hosts verfügbar sind
  5. Betrieb nach der Migration definieren: Updates, Monitoring, Backup
Tipp anzeigen

Du kannst nicht alle Hosts gleichzeitig umbauen. Überlege, mit wie wenigen Hosts die 22 VMs vorübergehend auskommen.

Lösungsskizze anzeigen

Inventar mit RVTools: 22 VMs, 64 vCPU, 280 GB RAM, Auslastung zeigt, dass 2 Hosts alles tragen. Ziel: 3-Knoten-Hyper-V-Failover-Cluster, SAN per iSCSI mit MPIO, CSVs, SET-Switch mit VLANs, Windows Admin Center. Migrationsweg: Veeam Instant Recovery von VMware zu Hyper-V oder Konvertierung, Linux-VMs mit Treiberprüfung, ältere Systeme neu aufsetzen. Etappen: Host 3 freiräumen, als ersten Hyper-V-Knoten installieren, VMs in Gruppen verschieben, dann Host 2, dann Host 1, danach Cluster bilden. Betrieb: Cluster-Aware Updating, PRTG-Sensoren für Hosts und CSV, Veeam-Jobs auf Hyper-V umstellen, Restore-Test.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was ist der Unterschied zwischen einem Typ-1- und einem Typ-2-Hypervisor?

Ein Typ-1-Hypervisor läuft direkt auf der Hardware (z.B. ESXi, Hyper-V, Proxmox). Ein Typ-2-Hypervisor läuft als Programm auf einem Betriebssystem (z.B. VirtualBox).

Was bedeutet N+1 bei der Planung eines Clusters?

Es gibt einen Host mehr als nötig. Fällt einer aus, können die übrigen alle VMs tragen.

Warum ist ein Snapshot kein Backup?

Er liegt auf demselben Speicher wie die VM und hängt von der Originaldisk ab. Fällt der Speicher aus, ist auch der Snapshot weg. Lange Snapshot-Ketten bremsen zudem die Leistung.

Wozu braucht ein Cluster ein Quorum?

Damit bei einer Netzwerktrennung nicht zwei Teile gleichzeitig glauben, sie seien der aktive Cluster (Split Brain). Nur die Seite mit Mehrheit bleibt aktiv.

Was ist der Unterschied zwischen Live-Migration und HA-Neustart?

Live-Migration verschiebt eine laufende VM geplant ohne Unterbruch. Bei HA wird eine VM nach einem Hostausfall auf einem anderen Host neu gestartet, mit kurzer Ausfallzeit.

Was ist Thin Provisioning?

Eine virtuelle Disk belegt nur den tatsächlich genutzten Platz und wächst bei Bedarf. Das spart Speicher, kann aber zu Überbuchung führen, wenn man den Füllstand nicht überwacht.

Warum trennt man iSCSI-Verkehr vom normalen VM-Netz?

Damit Speicherzugriffe nicht mit anderem Verkehr um Bandbreite konkurrieren und aus Sicherheitsgründen nicht aus dem Benutzernetz erreichbar sind.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Hosts so dimensionieren, dass sie zusammen gerade reichen. Beim Ausfall eines Hosts starten dann nicht alle VMs.
  • Snapshots wochenlang stehen lassen, bis Platz und Leistung leiden.
  • Management-Oberfläche der Hosts im normalen Benutzernetz erreichbar machen.
  • Thin-Disks überbuchen und den Füllstand des Speichers nicht überwachen.
  • Den Cluster nie mit einem echten Ausfall testen und erst im Ernstfall merken, dass HA nicht greift.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Zeige deine Kapazitätsrechnung nachvollziehbar: Summe, Reserve, N+1, Ergebnis.
  • Zeichne die Netzwerkaufteilung mit allen VLANs und physischen Ports. Das zeigt, dass du die Trennung verstanden hast.
  • Dokumentiere Ausfalltests mit Zeitmessung und Screenshot, z.B. Dauer-Ping während der Live-Migration.
  • Kenne die Begriffe des jeweiligen Herstellers: Checkpoint (Hyper-V) und Snapshot (VMware/Proxmox), vMotion und Live-Migration.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Hypervisor
Software, die physische Hardware auf mehrere virtuelle Maschinen aufteilt.
Overcommitment
Mehr virtuelle Ressourcen (z.B. vCPU) vergeben, als physisch vorhanden sind, weil nicht alle VMs gleichzeitig voll auslasten.
Live-Migration
Verschieben einer laufenden VM auf einen anderen Host ohne spürbaren Unterbruch.
Hochverfügbarkeit (HA)
Automatischer Neustart von VMs auf einem anderen Host, wenn ein Host ausfällt.
Quorum
Abstimmungsmechanismus im Cluster, der festlegt, welche Knoten aktiv bleiben dürfen.
Cluster Shared Volume
Gemeinsamer Speicherbereich in Hyper-V, auf den alle Knoten gleichzeitig zugreifen können.
Hyperkonvergenz
Ansatz, bei dem die lokalen Platten der Hosts zu einem gemeinsamen Speicher zusammengefasst werden, z.B. mit Ceph oder Storage Spaces Direct.
MPIO
Multipath I/O: mehrere Wege zum Speicher für Ausfallsicherheit und Leistung.

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