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Business & Prozesse · Geschäftsmodelle

Geschäftsmodelle entwerfen

Du lernst, ein digitales Geschäftsmodell vollständig zu entwerfen: für wen es Wert schafft, wie es Geld verdient, welche Kennzahlen zählen und welche Rahmenbedingungen in der Schweiz gelten.

Anspruchsvoll Anspruchsvoll ca. 25 Std. SelbststudiumDigitales Business: 4. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Business Model Canvas#Lean Canvas#Ertragsmodell#Abo-Modell#Plattform#Netzwerkeffekte#SaaS-Kennzahlen#Pricing#Startup

Überblick

Worum geht es?

Ein Geschäftsmodell beschreibt, wie ein Unternehmen Wert schafft, liefert und davon lebt. In diesem Modul analysierst du bestehende Modelle mit dem Business Model Canvas und entwirfst neue mit dem Lean Canvas. Du gestaltest Ertragsmodelle wie Abo, Freemium oder Transaktionsgebühr, verstehst, wie Plattformen mit Netzwerkeffekten funktionieren, und steuerst ein Modell mit Kennzahlen wie MRR, Churn, CAC und Customer Lifetime Value. Zum Schluss prüfst du rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen in der Schweiz und präsentierst dein Modell in einem überzeugenden Pitch.

Wofür brauchst du das?

Digitale Lösungen sind nur dann erfolgreich, wenn auch das Geschäftsmodell dahinter stimmt. Als Entwickler/in digitales Business bist du an der Stelle, wo Technik und Geschäft zusammenkommen: Du entscheidest mit, ob ein neues Kundenportal kostenlos, als Abo oder pro Transaktion abgerechnet wird, und du kannst begründen, warum. Arbeitgeber von Banken über Detailhandel bis Startups suchen Leute, die beides verstehen. Das Modul baut auf 394 und 395 auf und ist eine starke Grundlage für eine IPA mit Geschäftsbezug.

Das solltest du schon können

  • Ideen mit Value Proposition Canvas, Nutzwertanalyse und Business Case evaluieren (Modul 395)
  • Den Digitalisierungsgrad und die Treiber in einer Branche analysieren (Modul 394)
  • Grundbegriffe der Kostenrechnung: Fixkosten, variable Kosten, Deckungsbeitrag

Typische Tools & Technologien

Business Model CanvasLean CanvasValue Proposition CanvasExcel / Google Sheets (Finanzmodell)Miro / StrategyzerStripe / Datatrans / Twint (Zahlungsmodelle)Pitch-Deck in PowerPoint

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Ein bestehendes Geschäftsmodell mit dem Business Model Canvas analysieren

    Kompetenz A

    Der Business Model Canvas beschreibt ein Geschäftsmodell in neun Bausteinen: Kundensegmente, Wertangebot, Kanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartner und Kostenstruktur. Du füllst ihn für ein bestehendes Unternehmen aus, erkennst, wie die Bausteine zusammenhängen, und findest Schwachstellen.

    Situation

    Ein IT-Dienstleister in Chur betreut 60 KMU. Er verrechnet Arbeit nach Stunden zu CHF 145 und verkauft Hardware mit Marge. Der Umsatz schwankt stark, und gute Kunden rufen erst an, wenn etwas kaputt ist.

    Deine Aufgabe

    Erstelle den Business Model Canvas und benenne zwei Schwachstellen.

    Gutes Ergebnis

    Kundensegment: KMU mit 5 bis 50 Arbeitsplätzen in Graubünden. Wertangebot: lokale, schnelle Hilfe. Einnahmen: Stundenaufwand und Hardwaremarge. Kosten: 8 Techniker, Fahrzeuge, Lager. Schwachstellen: Einnahmen nur bei Problemen, also kein Anreiz für Prävention, und keine planbaren Erträge. Idee: Managed-Service-Abo pro Arbeitsplatz.

    Business Model CanvasKundensegmentWertangebotEinnahmequelleKostenstrukturSchlüsselpartner
  2. 2

    Ein neues digitales Geschäftsmodell mit dem Lean Canvas entwerfen

    Kompetenz B

    Für neue Ideen eignet sich der Lean Canvas besser, weil er von Problem und Kundensegment ausgeht. Er ersetzt im Business Model Canvas die Felder Schlüsselpartner, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselressourcen und Kundenbeziehungen durch Problem, Lösung, Schlüsselkennzahlen und den unfairen Vorteil, also etwas, das Konkurrenten nicht einfach kopieren können. Du formulierst ein prägnantes Alleinstellungsmerkmal in einem Satz.

    Situation

    In der Schweiz gibt es über 100'000 Vereine. Viele verwalten Mitglieder in Excel und verschicken Beitragsrechnungen einzeln per Mail.

    Deine Aufgabe

    Entwirf den Lean Canvas für eine Vereinsverwaltungs-App.

    Gutes Ergebnis

    Problem: Mitgliederlisten veraltet, Beiträge manuell einfordern, Vorstandswechsel ohne Übergabe. Kundensegment: Sport- und Musikvereine mit 30 bis 300 Mitgliedern, Early Adopters sind Kassier:innen unter 40. UVP: 'Mitgliederbeiträge mit einem Klick per QR-Rechnung einziehen und Zahlungseingänge automatisch abgleichen.' Kanäle: Kantonalverbände, Vereinsmessen. Kennzahlen: aktive Vereine, Anteil bezahlter Beiträge innert 30 Tagen. Unfairer Vorteil: Partnerschaft mit einem Kantonalverband.

    Lean CanvasProblemUnique Value PropositionEarly AdopterUnfair AdvantageKey Metrics
  3. 3

    Ein passendes Ertragsmodell mit Preisstufen gestalten

    Kompetenz C

    Du kennst die wichtigsten Ertragsmodelle digitaler Angebote: Abo, Freemium, Transaktionsgebühr, Pay-per-Use, Lizenz und Werbung. Du wählst das Modell, das zum Nutzen der Kundschaft passt, und gestaltest Preisstufen (Tiers), die mit dem Wert mitwachsen. Dabei berücksichtigst du Zahlungsgebühren und die MWST von 8.1 %.

    Situation

    Die Vereins-App soll profitabel werden, aber kleine Vereine haben fast kein Budget.

    Deine Aufgabe

    Entwirf ein Ertragsmodell mit drei Preisstufen.

    Gutes Ergebnis

    Freemium: 'Basic' gratis bis 30 Mitglieder ohne Rechnungsversand. 'Verein' CHF 19 pro Monat bis 200 Mitglieder mit QR-Rechnungen und Zahlungsabgleich. 'Verband' CHF 59 pro Monat mit mehreren Untervereinen und Auswertungen. Preise exkl. 8.1 % MWST, Jahreszahlung mit zwei Gratismonaten. Begründung: Wert wächst mit der Mitgliederzahl, die Gratisstufe senkt die Einstiegshürde.

    Abo-ModellFreemiumTransaktionsgebührPreisstufen (Tiers)Wertbasierte PreisgestaltungMWST 8.1 %
  4. 4

    Plattformmodelle mit mehreren Kundengruppen und Netzwerkeffekten entwerfen

    Kompetenz D

    Plattformen bringen zwei oder mehr Gruppen zusammen, z.B. Käufer und Verkäufer. Ihr Wert steigt mit jeder zusätzlichen Person auf der anderen Seite (Netzwerkeffekt). Du klärst, welche Seite zahlt, wie hoch die Kommission ist (Take Rate) und wie du das Henne-Ei-Problem beim Start löst. Schweizer Beispiele sind Ricardo, Tutti, Twint oder Galaxus mit seinem Marktplatz für Drittanbieter.

    Situation

    Ein Startup in Bern will Bauernbetriebe aus dem Mittelland mit Restaurants verbinden, die regionale Produkte direkt einkaufen möchten.

    Deine Aufgabe

    Entwirf das Plattformmodell inklusive Startstrategie.

    Gutes Ergebnis

    Seiten: Produzenten (Angebot) und Gastrobetriebe (Nachfrage). Restaurants zahlen nichts, Produzenten zahlen 8 % Kommission auf jede Bestellung. Startstrategie: erst 15 Produzenten mit Gemüse und Fleisch aufnehmen und selbst bei 30 Restaurants in der Stadt Bern akquirieren, Fokus auf eine Region statt die ganze Schweiz. Netzwerkeffekt: mehr Produzenten bringen mehr Auswahl, mehr Restaurants machen die Plattform für Produzenten attraktiv.

    Mehrseitige PlattformNetzwerkeffektTake RateHenne-Ei-ProblemSubventionierte Seite
  5. 5

    Ein digitales Geschäftsmodell mit Kennzahlen steuern

    Kompetenz E

    Für Abo- und Plattformmodelle zählen andere Kennzahlen als im klassischen Verkauf. Du berechnest den wiederkehrenden Monatsumsatz (MRR), die Kündigungsrate (Churn), die Kosten pro gewonnenem Kunden (CAC) und den Customer Lifetime Value (CLV). Das Verhältnis CLV zu CAC zeigt, ob das Wachstum gesund ist.

    Situation

    Die Vereins-App hat nach einem Jahr 420 zahlende Vereine, im Durchschnitt CHF 24 pro Monat. Pro Monat kündigen 2.5 % der Vereine. Für Marketing und Messen wurden CHF 42'000 ausgegeben, um diese Vereine zu gewinnen.

    Deine Aufgabe

    Berechne MRR, CAC, CLV und beurteile das Verhältnis.

    Gutes Ergebnis

    MRR: 420 x 24 = CHF 10'080. CAC: 42'000 / 420 = CHF 100. Durchschnittliche Lebensdauer: 1 / 0.025 = 40 Monate. CLV (vereinfacht, bei 80 % Bruttomarge): 24 x 0.8 x 40 = CHF 768. CLV/CAC = 7.7, also gesund (Faustregel: über 3). Hebel: Churn senken, z.B. mit automatischer Übergabe bei Vorstandswechseln.

    MRRChurn RateCACCustomer Lifetime ValueCLV/CAC-VerhältnisBruttomarge
  6. 6

    Rechtliche, finanzielle und technische Rahmenbedingungen in der Schweiz prüfen

    Kompetenz F

    Ein Geschäftsmodell muss auch rechtlich und finanziell tragen. Du prüfst, welche Personendaten bearbeitet werden und was das revDSG verlangt, welche AGB nötig sind, ob die Umsatzschwelle für die MWST-Pflicht (CHF 100'000) erreicht wird und welche Gebühren Zahlungsanbieter verlangen. Ausserdem bewertest du Abhängigkeiten von Plattformen wie App Stores oder Cloud-Anbietern.

    Situation

    Die Vereins-App speichert Namen, Adressen, Geburtsdaten und teilweise Angaben zu Juniorinnen unter 16 Jahren. Zahlungen sollen auch per Twint möglich sein.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Checkliste der wichtigsten Rahmenbedingungen.

    Gutes Ergebnis

    revDSG: Datenschutzerklärung, Auftragsbearbeitungsvertrag mit jedem Verein, Hosting in der Schweiz oder EU, Zugriff nur für Vorstand. AGB mit Kündigungsfrist und Haftung. MWST-Pflicht ab CHF 100'000 Umsatz, ab dann 8.1 % ausweisen. Zahlungsgebühren: Twint und Karten rund 1.3 bis 2.9 % pro Transaktion, in der Kalkulation einrechnen. Risiko: Abhängigkeit vom Payment-Provider, deshalb QR-Rechnung als kostenlose Alternative.

    revDSGAuftragsbearbeitungAGBMWST-PflichtZahlungsgebührenPlattformabhängigkeit

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Bestehende Modelle analysieren

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Neue Modelle mit dem Lean Canvas

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Ertragsmodell und Preise

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Plattformmodelle

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Mit Kennzahlen steuern

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Rahmenbedingungen in der Schweiz

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Vom Solardach zum Abo

Aline ist im 4. Lehrjahr als Entwicklerin digitales Business bei der Kälin Elektro AG in Einsiedeln, 75 Mitarbeitende. Die Firma hat in den letzten Jahren über 900 Photovoltaikanlagen installiert, verdient aber nur einmal, nämlich beim Bau. Die Geschäftsleitung will ein digitales Geschäftsmodell rund um den Betrieb dieser Anlagen und beauftragt Aline, es zu entwerfen und dem Verwaltungsrat zu präsentieren.

  1. Kapitel 1

    Wovon wir heute leben

    Aline stellt das heutige Geschäft im Business Model Canvas dar. Dabei sieht sie, dass die Kundenbeziehung mit der Schlussrechnung endet und rund 70 % des Umsatzes an Neubauten hängen, die gerade zurückgehen. Gleichzeitig rufen jede Woche Anlagenbesitzer an, weil ihre Produktion gesunken ist, und erhalten am Telefon gratis Hilfe. Genau dort setzt Aline an: Die Firma leistet bereits Service, verdient aber nichts daran.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Solar-Check im Abo

    Aline entwirft einen Lean Canvas für ein Monitoring-Abo: Eine App meldet Leistungseinbrüche, und ein Techniker kommt, bevor die Kundschaft etwas merkt. Nach Gesprächen mit acht Anlagenbesitzern streicht sie die geplante Energiesparberatung, die niemand wollte, und schärft das Versprechen auf «Ihre Anlage liefert, was sie soll». Sie gestaltet drei Stufen: Basic gratis mit Monatsbericht, Plus für CHF 9 pro Monat mit Alarmen und Premium für CHF 24 inklusive jährlicher Wartung.

    Ziel 2Ziel 3

  3. Kapitel 3

    Zu viele Anfragen, zu wenige Techniker

    Schon im Test kommen Anfragen aus dem ganzen Kanton Schwyz, die Kälin mit den eigenen Leuten nicht bedienen kann. Aline erweitert das Modell zur Plattform: Partner-Elektriker in der Zentralschweiz übernehmen Einsätze, Kälin erhält 12 % Vermittlungsgebühr. Gegen das Henne-Ei-Problem bringt Kälin die eigenen 900 Anlagen als Kundenseite mit und gewinnt zuerst drei Partner in den Nachbarbezirken, bevor die Plattform für fremde Anlagen öffnet.

    Ziel 4

  4. Kapitel 4

    Rechnet sich das?

    Aline rechnet mit 350 zahlenden Kunden im ersten Jahr und durchschnittlich CHF 15 pro Monat, also einem MRR von CHF 5'250. Bei einem Churn von 1.5 % pro Monat und 70 % Marge ergibt sich ein Customer Lifetime Value von rund CHF 700. Neukunden über Werbung kosten etwa CHF 180, bestehende Anlagenbesitzer fast nichts. Daraus leitet sie ab, zuerst die eigene Kundschaft zu gewinnen und den Churn zu senken, bevor Geld in Werbung fliesst.

    Ziel 5

  5. Kapitel 5

    Bevor es losgeht

    Die Produktionsdaten zeigen, wann jemand zu Hause ist und Strom verbraucht. Aline klärt deshalb mit dem Datenschutzberater Einwilligung, Speicherort in der Schweiz und Löschfristen nach dem Datenschutzgesetz. Sie hält fest, dass auf die Vermittlungsgebühren MWST anfällt und die Partnerverträge eine Haftungsregelung brauchen. Im Pitch zeigt sie Canvas, Preisstufen, Kennzahlen und die drei Punkte, die vor dem Start erledigt sein müssen. Der Verwaltungsrat bewilligt einen Pilot mit 100 Kunden.

    Ziel 6Ziel 2

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Bestehende Modelle verstehen

    ca. 4 Std.

    Du analysierst bekannte Schweizer Geschäftsmodelle und lernst die neun Bausteine kennen.

    • Den Business Model Canvas für zwei Schweizer Unternehmen ausfüllen, z.B. Mobility und einen lokalen Detaillisten
    • Die Einnahmequellen der beiden Modelle vergleichen
    • Für den Lehrbetrieb oder ein KMU den Canvas erstellen und zwei Schwachstellen benennen

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Ein neues Modell entwerfen

    ca. 4 Std.

    Du entwirfst für eine eigene oder vorgegebene Idee einen Lean Canvas.

    • Problem und Kundensegment mit drei Interviews überprüfen
    • Lean Canvas ausfüllen und das Alleinstellungsmerkmal in einem Satz formulieren
    • Den unfairen Vorteil kritisch prüfen: Könnte ein Konkurrent ihn in drei Monaten kopieren?

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Ertrags- und Plattformmodelle

    ca. 5 Std.

    Du gestaltest das Ertragsmodell und prüfst, ob ein Plattformansatz passt.

    • Fünf Ertragsmodelle mit je einem Schweizer Beispiel vergleichen
    • Drei Preisstufen für dein Modell entwerfen und begründen
    • Für eine Plattformvariante Seiten, Take Rate und Startstrategie festlegen

    Trainiert Kompetenz C1C2D1D2

    Lernziel34

  4. 4

    Mit Zahlen steuern

    ca. 5 Std.

    Du baust ein einfaches Finanzmodell und berechnest die wichtigsten Kennzahlen.

    • Ein Excel-Modell über 24 Monate mit Neukunden, Churn und MRR erstellen
    • CAC, CLV und das Verhältnis berechnen
    • Zwei Varianten vergleichen, z.B. tieferer Preis mit weniger Churn

    Trainiert Kompetenz E1E2C3

    Lernziel53

  5. 5

    Rahmenbedingungen prüfen

    ca. 3 Std.

    Du prüfst dein Modell auf rechtliche, finanzielle und technische Stolpersteine.

    • Eine Checkliste zu revDSG, AGB, MWST und Zahlungsgebühren ausfüllen
    • Abhängigkeiten von Drittanbietern auflisten und bewerten
    • Notwendige Anpassungen im Canvas nachtragen

    Trainiert Kompetenz F1F2

    Lernziel6

  6. 6

    Alles zusammen: Geschäftsmodell pitchen

    ca. 4 Std.

    Du präsentierst dein vollständiges Geschäftsmodell wie vor Investoren oder einer Geschäftsleitung.

    • Ein Pitch-Deck mit 10 bis 12 Folien erstellen: Problem, Lösung, Markt, Modell, Kennzahlen, Risiken, nächste Schritte
    • In 10 Minuten pitchen und Fragen zu Zahlen und Annahmen beantworten
    • Das Feedback einarbeiten und den Canvas iterieren

    Trainiert Kompetenz B3D3E3F3

    Lernziel23456

Üben

Übungen aus der Praxis

Business Model Canvas eines Coiffeursalons

Einstieg Einstieg

Ein Coiffeursalon in Baden mit vier Mitarbeitenden bietet Haarschnitte und verkauft Pflegeprodukte. Termine werden telefonisch vereinbart, rund 10 % der Kundschaft erscheint nicht zum Termin.

Weist nach A1A2

  1. Alle neun Bausteine des Business Model Canvas ausfüllen
  2. Zwei Schwachstellen im Modell benennen
  3. Eine digitale Erweiterung vorschlagen und zeigen, welche Bausteine sie verändert
Tipp anzeigen

Fang mit Kundensegmenten und Wertangebot an. Die übrigen Bausteine ergeben sich daraus leichter.

Lösungsskizze anzeigen

Kundensegmente: Berufstätige aus der Region, Familien. Wertangebot: Qualität, persönliche Beratung. Kanäle: Laden, Telefon, Instagram. Einnahmen: Dienstleistung und Produktverkauf. Schwachstellen: No-Shows kosten Umsatz, Telefon unterbricht die Arbeit. Vorschlag: Online-Buchung mit Anzahlung von CHF 20 und Erinnerung per SMS. Verändert Kanäle, Kundenbeziehung, Schlüsselpartner (Buchungsplattform) und Kosten.

Vom Stundensatz zum Managed-Service-Abo

Fortgeschritten Fortgeschritten

Der IT-Dienstleister aus Chur will sein Geschäft auf ein Abo umstellen: Betreuung pro Arbeitsplatz und Monat mit Monitoring, Updates, Backup und Support. Heute bringt ein typischer Kunde mit 20 Arbeitsplätzen rund CHF 14'000 Umsatz pro Jahr, sehr unregelmässig verteilt.

Weist nach C2C3E2

  1. Drei Abo-Pakete (z.B. Basic, Business, Premium) mit Leistungen und Preis pro Arbeitsplatz definieren
  2. Den Preis so festlegen, dass ein typischer Kunde mindestens denselben Jahresumsatz bringt
  3. Den MRR für 60 Kunden mit durchschnittlich 15 Arbeitsplätzen berechnen
  4. Zwei Risiken des Abo-Modells nennen und eine Gegenmassnahme vorschlagen
Tipp anzeigen

CHF 14'000 pro Jahr bei 20 Arbeitsplätzen entsprechen rund CHF 58 pro Arbeitsplatz und Monat. Das ist dein Orientierungswert für das mittlere Paket.

Lösungsskizze anzeigen

Basic CHF 39 (Monitoring, Updates), Business CHF 59 (plus Backup, Support zu Bürozeiten), Premium CHF 89 (plus 24/7 und Vor-Ort-Einsätze). MRR bei durchschnittlich CHF 59: 60 x 15 x 59 = CHF 53'100. Risiken: Kunden mit vielen Problemen werden unrentabel (Gegenmassnahme: Fair-Use-Klausel, Standardisierung), Kündigungen (Gegenmassnahme: Jahresverträge, Quartalsreport mit erbrachten Leistungen).

Plattform für Nachhilfe in der Region entwerfen

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Du willst eine Plattform aufbauen, die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe im Kanton Aargau mit Studierenden verbindet, die Nachhilfe anbieten. Es gibt bereits Facebook-Gruppen und Aushänge an Schulen.

Weist nach B2D3E3F3

  1. Einen Lean Canvas mit beiden Kundengruppen erstellen
  2. Ein Ertragsmodell festlegen: Wer zahlt was, und wie hoch ist die Take Rate?
  3. Eine Startstrategie gegen das Henne-Ei-Problem entwickeln
  4. Ein Finanzmodell über 24 Monate mit CAC, Churn und CLV rechnen
  5. Rahmenbedingungen prüfen: revDSG bei Minderjährigen, AGB, MWST, Zahlungsabwicklung
Tipp anzeigen

Frag dich, warum Eltern und Studierende nicht einfach in der Facebook-Gruppe bleiben. Dein Wertangebot muss genau diese Lücke schliessen, z.B. geprüfte Tutor:innen, Bewertungen oder sichere Bezahlung.

Lösungsskizze anzeigen

Seiten: Eltern/Lernende (Nachfrage) und Studierende (Angebot). Wertangebot: geprüfte Profile, Bewertungen, Abrechnung über die Plattform. Ertrag: 15 % Kommission auf Lektionen à CHF 40, Eltern zahlen nichts zusätzlich. Start: 40 Studierende einer Fachhochschule akquirieren, dann gezielt zwei Schulen in Aarau. Finanzmodell mit CAC ca. CHF 35 pro Familie, Churn hoch nach Prüfungsphasen. Rechtliches: Einwilligung der Eltern, Datenminimierung, AGB mit Haftungsregelung, MWST erst ab CHF 100'000 Umsatz.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Welche neun Bausteine hat der Business Model Canvas?

Kundensegmente, Wertangebot, Kanäle, Kundenbeziehungen, Einnahmequellen, Schlüsselressourcen, Schlüsselaktivitäten, Schlüsselpartner, Kostenstruktur.

Wann nutzt du den Lean Canvas statt des Business Model Canvas?

Bei neuen, noch unsicheren Ideen. Er startet beim Problem und enthält Kennzahlen und den unfairen Vorteil.

Was ist ein Netzwerkeffekt?

Der Nutzen einer Plattform steigt für alle, je mehr Teilnehmende sie hat, z.B. mehr Anbieter machen sie für Käufer attraktiver.

Wie berechnest du einen vereinfachten Customer Lifetime Value?

Umsatz pro Monat x Bruttomarge x durchschnittliche Lebensdauer in Monaten (1 / monatliche Churn Rate).

Ab welchem Verhältnis CLV zu CAC gilt ein Modell als gesund?

Als Faustregel ab etwa 3 zu 1.

Was ist ein Freemium-Modell und was ist sein Risiko?

Eine Basisversion ist gratis, Zusatzfunktionen kosten. Risiko: Zu wenige wechseln auf die bezahlte Version, während die Gratisnutzer Kosten verursachen.

Ab welchem Umsatz wird ein Schweizer Unternehmen MWST-pflichtig?

Ab CHF 100'000 Umsatz pro Jahr aus steuerbaren Leistungen. Der Normalsatz beträgt 8.1 %.

Was ist die Take Rate einer Plattform?

Der Anteil, den die Plattform an jeder vermittelten Transaktion als Kommission behält.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Das Wertangebot aus Sicht des Produkts formulieren ('Wir haben eine App') statt aus Sicht der Kundschaft ('Du sparst dir pro Monat zwei Stunden').
  • Einen Canvas einmal ausfüllen und nie wieder anpassen, obwohl neue Erkenntnisse vorliegen.
  • Bei Plattformen beide Seiten gleichzeitig und schweizweit gewinnen wollen statt fokussiert in einer Region oder Nische zu starten.
  • Preise aus den Kosten ableiten statt aus dem Wert für die Kundschaft.
  • Churn ignorieren: Bei 5 % Kündigungen pro Monat verlierst du fast die Hälfte der Kundschaft im Jahr.
  • Datenschutz, AGB und Zahlungsgebühren erst nach dem Launch bedenken.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Zeig, wie die Bausteine des Canvas zusammenhängen. Eine Liste ohne Verbindungen wirkt oberflächlich.
  • Rechne Kennzahlen immer mit nachvollziehbaren Annahmen und markiere die kritischste davon.
  • Nutze mindestens ein konkretes Schweizer Beispiel, um ein Ertrags- oder Plattformmodell zu erklären.
  • Beende deinen Pitch mit dem nächsten Schritt und dem, was du dafür brauchst, z.B. Budget für einen Pilot.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Business Model Canvas
Werkzeug, das ein Geschäftsmodell in neun Bausteinen auf einer Seite darstellt.
Lean Canvas
Variante des Canvas für Startups und neue Ideen mit Fokus auf Problem, Lösung, Kennzahlen und unfairen Vorteil.
Ertragsmodell
Art und Weise, wie ein Unternehmen mit seinem Angebot Geld einnimmt.
Freemium
Ertragsmodell mit kostenloser Basisversion und kostenpflichtigen Zusatzfunktionen.
Netzwerkeffekt
Der Nutzen eines Angebots steigt mit der Zahl seiner Nutzenden.
Take Rate
Kommission, die eine Plattform pro vermittelter Transaktion einbehält.
MRR
Monthly Recurring Revenue: wiederkehrender Umsatz pro Monat aus Abos.
Churn Rate
Anteil der Kundschaft, der in einem Zeitraum kündigt.
CAC
Customer Acquisition Cost: durchschnittliche Kosten, um eine neue Kundin oder einen neuen Kunden zu gewinnen.
Customer Lifetime Value
Erwarteter Deckungsbeitrag, den eine Kundin oder ein Kunde während der gesamten Kundenbeziehung bringt.

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