368

Marketing & Kommunikation · Customer Experience

Lösungsmöglichkeiten für Kundenerlebnisse erarbeiten

Du lernst, das Erlebnis von Kundinnen und Kunden über alle Kontaktpunkte hinweg sichtbar zu machen, die grössten Ärgernisse zu finden und dafür Lösungen zu entwickeln und zu testen.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 20 Std. SelbststudiumDigitales Business: 3. Lehrjahr · üK
#Customer Experience#Customer Journey#Touchpoints#Persona#Pain Points#Service Blueprint#Design Thinking#Prototyping#NPS

Überblick

Worum geht es?

Kundschaft erlebt ein Unternehmen nicht nach Abteilungen, sondern als Abfolge von Momenten: Website, Telefon, Paket, Rechnung, Reklamation. In diesem überbetrieblichen Kurs beschreibst du Kundengruppen mit Personas, zeichnest ihre Customer Journey mit Touchpoints und Emotionen und findest heraus, wo es wirklich hakt. Mit einem Service Blueprint verbindest du das Kundenerlebnis mit den internen Prozessen und Systemen dahinter. Danach entwickelst du Lösungsideen mit Design-Thinking-Methoden, baust einfache Prototypen, testest sie mit echten Personen und bewertest, welche Lösung den grössten Nutzen für vertretbaren Aufwand bringt.

Wofür brauchst du das?

Digitale Lösungen sind nur dann erfolgreich, wenn Kundinnen und Kunden sie nutzen und gerne wiederkommen. Viele Projekte optimieren interne Abläufe, verschlechtern aber das Kundenerlebnis, oder umgekehrt. Als Entwickler/in digitales Business verbindest du beide Sichten: Du kennst die Prozesse und Daten im Hintergrund und kannst Lösungen aus Kundensicht gestalten. Das Modul baut auf der Prozessarbeit aus 348 und 349 auf und liefert Grundlagen für 392 (Nutzerdaten auswerten) und 396 (Geschäftsmodelle entwerfen).

Das solltest du schon können

  • Prozesse erfassen, modellieren und Schwachstellen erkennen (Modul 348)
  • Daten mit Interviews und Umfragen erheben (Modul 374)
  • Kreativitätstechniken zur Ideenfindung anwenden (Modul 338)
  • Grundverständnis von Marketing: Zielgruppe, Kanal, Angebot

Typische Tools & Technologien

Miro / MuralFigmaMicrosoft Forms / TypeformGoogle Analytics / MatomoCRM-Auswertungen (z.B. Dynamics 365, Salesforce)Excel (Bewertungsmatrix)Papier-Prototypen

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Kundengruppen mit datenbasierten Personas beschreiben

    Kompetenz A

    Du fasst echte Erkenntnisse aus Interviews, Umfragen, CRM- und Webdaten zu 2 bis 3 Personas zusammen. Eine Persona beschreibt Ziele, Situation, Gewohnheiten und Frustrationen einer typischen Kundin. Sie hilft dem ganzen Team, Entscheidungen aus Kundensicht zu treffen.

    Situation

    Ein regionales Elektrizitätswerk im Kanton Bern bietet neu Solaranlagen für Einfamilienhäuser an. Die Anfragen sind hoch, die Abschlüsse aber tief.

    Deine Aufgabe

    Erstelle Personas auf Basis von 8 Kundeninterviews und den Anfragedaten des letzten Jahres.

    Gutes Ergebnis

    Persona 1 'Markus, 52, Hausbesitzer in Burgdorf, will Stromkosten senken, misstraut Versprechen, braucht Zahlen'. Persona 2 'Sandra, 38, plant mit E-Auto, will alles digital und schnell, bricht ab, wenn sie auf Rückruf warten muss'. Datengrundlage: 64 % der Anfragen kommen abends über das Webformular.

    PersonaKundensegmentJobs to be doneKundeninterviewDatenbasis
  2. 2

    Eine Customer Journey mit Phasen, Touchpoints und Emotionen abbilden

    Kompetenz B

    Du zeichnest den Weg einer Persona von der ersten Idee bis nach dem Kauf: Phasen, Kontaktpunkte, Handlungen, Gedanken und eine Emotionskurve. So siehst du, wo das Erlebnis kippt und welche Abteilungen an welchem Punkt beteiligt sind.

    Situation

    Für das Solarangebot des Elektrizitätswerks soll sichtbar werden, warum Sandra abspringt.

    Deine Aufgabe

    Erstelle die Customer Journey für Sandra.

    Gutes Ergebnis

    Phasen: Informieren, Anfragen, Beratung, Offerte, Entscheid, Installation, Betrieb. Touchpoints: Website-Rechner, Formular, Rückruf, Hausbesuch, PDF-Offerte, Installateur, App. Tiefpunkte der Emotionskurve: 6 Tage Warten auf Rückruf und eine 14-seitige Offerte ohne Übersicht.

    Customer Journey MapTouchpointPhaseEmotionskurveKanal
  3. 3

    Pain Points und entscheidende Momente finden und priorisieren

    Kompetenz B

    Du sammelst Ärgernisse aus Interviews, Bewertungen, Support-Tickets und Abbruchraten und ordnest sie den Touchpoints zu. Dann priorisierst du nach Häufigkeit und Wirkung auf den Kaufentscheid oder die Weiterempfehlung. Besonders wichtig sind die Momente, in denen sich Kundinnen für oder gegen dich entscheiden.

    Situation

    Ein Möbelhaus in der Region Zürich hat viele negative Google-Bewertungen zur Lieferung, weiss aber nicht genau, woran es liegt.

    Deine Aufgabe

    Analysiere 150 Bewertungen und 300 Kundendienst-Tickets und priorisiere die Pain Points.

    Gutes Ergebnis

    Kategorisierung: 41 % unklares Lieferfenster, 23 % beschädigte Ware, 18 % keine Rückmeldung nach Reklamation. Die Lieferfenster-Kategorie hat den stärksten Zusammenhang mit 1-Stern-Bewertungen. Entscheidender Moment: der Tag vor der Lieferung, an dem niemand informiert wird.

    Pain PointMoment of TruthAbbruchrateKategorisierungPriorisierung
  4. 4

    Mit einem Service Blueprint die Prozesse hinter dem Kundenerlebnis sichtbar machen

    Kompetenz C

    Unter die Customer Journey legst du die Ebenen, die die Kundschaft nicht sieht: Mitarbeitende im Kontakt, interne Abläufe und unterstützende Systeme. So erkennst du, welche internen Ursachen hinter einem Pain Point stecken und wo eine Lösung ansetzen muss.

    Situation

    Beim Möbelhaus soll geklärt werden, warum Kundinnen das Lieferfenster nicht kennen.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Service Blueprint für die Phase 'Lieferung'.

    Gutes Ergebnis

    Frontstage: Telefonat Disposition, Lieferteam an der Tür. Backstage: Tourenplanung am Vorabend in Excel. Systeme: ERP mit Kundendaten, Tourenplanung ohne Schnittstelle. Ursache: Die Tour steht erst um 18 Uhr fest, die Disposition ruft nur bei Zeit an. Ansatzpunkt: automatische SMS aus der Tourenplanung.

    Service BlueprintFrontstage / BackstageSichtbarkeitslinieunterstützende SystemeUrsachenbezug
  5. 5

    Lösungsideen mit Design-Thinking-Methoden entwickeln

    Kompetenz D

    Du formulierst Pain Points als Fragen nach dem Muster 'Wie könnten wir ...?' und entwickelst im Team viele Ideen, bevor du bewertest. Methoden wie Crazy 8s oder Brainwriting helfen, über die naheliegende Lösung hinauszudenken. Danach gruppierst du die Ideen und wählst die vielversprechendsten aus.

    Situation

    Beim Elektrizitätswerk steht der Pain Point 'Sandra wartet 6 Tage auf einen Rückruf' im Zentrum.

    Deine Aufgabe

    Entwickle in einem 45-minütigen Workshop Lösungsideen.

    Gutes Ergebnis

    Frage: 'Wie könnten wir Sandra noch am selben Abend eine verlässliche Einschätzung geben?' 38 Ideen, gruppiert in 5 Cluster. Ausgewählt: Online-Terminbuchung für ein Video-Beratungsgespräch, Solarrechner mit Dachdaten aus dem öffentlichen Solarkataster, Richtofferte als einseitige Übersicht innert 24 Stunden.

    Wie-könnten-wir-FrageCrazy 8sBrainwritingClusteringDot Voting
  6. 6

    Lösungen als einfachen Prototyp bauen und mit echten Personen testen

    Kompetenz D

    Statt monatelang zu planen, baust du in wenigen Stunden einen Prototyp: auf Papier, als Klickdummy in Figma oder als Muster-SMS. Du testest ihn mit 5 Personen aus der Zielgruppe, beobachtest, wo sie zögern, und verbesserst den Prototyp vor der nächsten Runde.

    Situation

    Das Möbelhaus will testen, ob eine Liefer-SMS mit Zeitfenster und Tracking-Link die Unsicherheit beseitigt.

    Deine Aufgabe

    Baue einen Prototyp und teste ihn.

    Gutes Ergebnis

    Figma-Klickdummy mit SMS-Text, Tracking-Seite und Möglichkeit zum Verschieben. Test mit 5 Personen: Alle verstehen das Zeitfenster, 3 suchen vergeblich eine Telefonnummer für Rückfragen, 2 wünschen eine Erinnerung 30 Minuten vor Ankunft. Version 2 ergänzt beides.

    PrototypKlickdummyUsability-TestLaut-DenkenIteration
  7. 7

    Lösungen nach Kundennutzen und Aufwand bewerten und Erfolgskennzahlen festlegen

    Kompetenz E

    Du bewertest die getesteten Lösungen in einer Matrix aus Kundennutzen und Umsetzungsaufwand und berücksichtigst Kosten, Datenschutz und technische Machbarkeit. Für die gewählte Lösung legst du fest, an welchen Kennzahlen du den Erfolg misst, z.B. NPS, Zufriedenheit pro Touchpoint, Abschlussquote oder Anzahl Rückfragen.

    Situation

    Beim Elektrizitätswerk stehen drei getestete Lösungen zur Wahl, das Budget für das erste Jahr beträgt CHF 40'000.

    Deine Aufgabe

    Bewerte die Lösungen und lege Erfolgskennzahlen fest.

    Gutes Ergebnis

    Video-Beratung mit Online-Buchung: hoher Nutzen, geringer Aufwand (CHF 8'000), sofort umsetzen. Einseitige Richtofferte: hoher Nutzen, mittlerer Aufwand (CHF 15'000), umsetzen. Solarrechner mit Katasterdaten: hoher Nutzen, hoher Aufwand, ins nächste Jahr. Kennzahlen: Zeit bis zum ersten Kontakt (Ziel unter 24 Std.), Abschlussquote (heute 9 %, Ziel 15 %), Zufriedenheit nach Beratung.

    Aufwand-Nutzen-MatrixNet Promoter ScoreCSATCustomer Effort ScoreAbschlussquote

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Kundschaft mit Personas beschreiben

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Customer Journey und Pain Points

Ziel 2Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Service Blueprint

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Ideen entwickeln und Prototypen testen

Ziel 5Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Lösungen bewerten und Erfolg messen

Ziel 7

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Umziehen ohne Ärger bei der Seeland Energie AG

Alessia ist im 3. Lehrjahr bei der Seeland Energie AG in Biel, einer regionalen Energieversorgerin mit 260 Mitarbeitenden. Pro Jahr gehen rund 3'000 Umzugsmeldungen ein, und fast jede fünfte führt zu einer Rückfrage oder Reklamation, meist wegen der Schlussrechnung. Im ÜK-Projekt soll Alessia für die Leiterin Kundendienst Lösungen für ein besseres Umzugserlebnis erarbeiten.

  1. Kapitel 1

    Wer zieht da eigentlich um?

    Alessia wertet 600 Umzugsfälle aus dem CRM aus und führt Gespräche mit vier Kundinnen und Kunden sowie zwei Mitarbeitenden aus dem Kundendienst. Ihr erster Gedanke, Personas nach Alter zu bilden, hält den Daten nicht stand: Der grosse Unterschied liegt darin, ob jemand selbst meldet oder ob eine Hausverwaltung viele Wechsel auf einmal meldet. Sie erstellt deshalb zwei Personas: Sara, 29, die kurzfristig in eine Mietwohnung zieht, und Herrn Gerber, der für eine Verwaltung rund 40 Wechsel pro Jahr meldet.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Der Tiefpunkt kommt mit der Rechnung

    In Miro zeichnet Alessia für Sara die Phasen Umzug planen, melden, Zählerstand angeben, Schlussrechnung erhalten und bezahlen. Die Emotionskurve fällt bei der Schlussrechnung steil ab: 38 Prozent aller Reklamationen betreffen einen geschätzten statt abgelesenen Zählerstand. Weitere Pain Points sind die fehlende Eingangsbestätigung und lange Wartezeiten am Telefon. Sie priorisiert nach Häufigkeit und Auswirkung, und die geschätzte Schlussrechnung landet klar auf Platz 1.

    Ziel 2Ziel 3

  3. Kapitel 3

    Was hinter der Sichtbarkeitslinie passiert

    Im Service Blueprint zeigt sich die Ursache: Das Online-Formular kommt als PDF per Mail an, der Kundendienst tippt es ins CRM, und das Messwesen erhält die Ablesungen nur einmal pro Woche als Excel-Liste. Liegt nach zehn Tagen kein Zählerstand vor, schätzt das Abrechnungssystem automatisch. Die Mitarbeitenden an der Front können daran nichts ändern, das Problem entsteht im Backstage durch den Medienbruch und die wöchentliche Übergabe.

    Ziel 4

  4. Kapitel 4

    Ein Foto vom Zähler

    In einem Workshop mit sechs Personen aus Kundendienst, Messwesen und Informatik entstehen mit Crazy 8s über 40 Ideen. Alessia baut für die vielversprechendste, ein Umzugsformular mit Foto vom Zähler, einen klickbaren Prototyp in Figma. Im Test mit fünf Personen finden drei die Zählernummer nicht. Sie ergänzt ein Beispielbild mit markierter Nummer, und in der zweiten Runde schaffen alle fünf die Meldung in unter drei Minuten.

    Ziel 5Ziel 6

  5. Kapitel 5

    Pilot statt Grossprojekt

    In einer gewichteten Bewertungsmatrix vergleicht Alessia drei Varianten: Formular mit Foto für rund CHF 18'000, SMS-Erinnerung zur Ablesung für CHF 6'000 und ein Portal für Hausverwaltungen für CHF 65'000. Sie empfiehlt Formular und SMS zusammen als dreimonatigen Pilot und das Portal erst danach. Als Erfolgskennzahlen schlägt sie vor: Anteil geschätzter Schlussrechnungen von 41 auf unter 15 Prozent, Reklamationen pro 100 Umzüge und Bearbeitungszeit pro Meldung. Die Geschäftsleitung genehmigt den Pilot.

    Ziel 7

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Kundschaft verstehen

    ca. 3 Std.

    Du sammelst Daten über eine Kundengruppe und verdichtest sie zu Personas.

    • Drei bis fünf kurze Kundeninterviews führen oder vorhandene Interviews auswerten
    • Vorhandene Daten wie CRM, Webanalyse oder Umfragen nach Mustern durchsuchen
    • Zwei Personas auf je einer Seite gestalten

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Die Reise zeichnen

    ca. 4 Std.

    Du bildest die Customer Journey einer Persona ab und markierst Hoch- und Tiefpunkte.

    • Eine eigene Kundenerfahrung, z.B. Handyabo oder Online-Bestellung, als Journey aufzeichnen
    • Für eine Persona des Lehrbetriebs eine Journey Map in Miro erstellen
    • Pain Points aus Bewertungen oder Tickets den Touchpoints zuordnen und priorisieren

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel23

  3. 3

    Hinter die Kulissen schauen

    ca. 3 Std.

    Du verbindest das Kundenerlebnis mit den internen Abläufen und Systemen.

    • Für die wichtigste Phase einen Service Blueprint mit allen Ebenen erstellen
    • Für zwei Pain Points die interne Ursache bestimmen
    • Mit einer Person aus der betroffenen Abteilung den Blueprint prüfen

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel4

  4. 4

    Ideen entwickeln

    ca. 3 Std.

    Du formulierst Wie-könnten-wir-Fragen und erzeugst im Team viele Lösungsideen.

    • Drei Pain Points in Wie-könnten-wir-Fragen umformulieren
    • Eine Runde Crazy 8s durchführen: 8 Ideen in 8 Minuten
    • Ideen clustern und mit Dot Voting die besten drei auswählen

    Trainiert Kompetenz D1

    Lernziel5

  5. 5

    Bauen und testen

    ca. 4 Std.

    Du baust für die beste Idee einen Prototyp und testest ihn mit Personen aus der Zielgruppe.

    • Einen Papier-Prototyp oder Figma-Klickdummy in maximal 3 Stunden bauen
    • Einen Testleitfaden mit 3 Aufgaben schreiben
    • Den Prototyp mit 5 Personen testen und eine verbesserte Version erstellen

    Trainiert Kompetenz D2

    Lernziel6

  6. 6

    Empfehlung abgeben

    ca. 3 Std.

    Du bewertest die Lösungen, legst Kennzahlen fest und präsentierst deine Empfehlung, wie im ÜK-Kompetenznachweis.

    • Lösungen in eine Aufwand-Nutzen-Matrix einordnen und Kosten schätzen
    • Erfolgskennzahlen mit Ausgangs- und Zielwert festlegen
    • Eine 10-minütige Präsentation von Persona bis Empfehlung halten

    Trainiert Kompetenz E2E3B3D3

    Lernziel726

Üben

Übungen aus der Praxis

Customer Journey für ein Velo-Abo

Einstieg Einstieg

Ein Velohändler in Bern bietet E-Bikes im Monatsabo für CHF 129 inklusive Service an. Interessierte informieren sich auf der Website, buchen eine Probefahrt, unterschreiben einen Vertrag im Laden und melden Defekte per Telefon.

Weist nach A1B1

  1. Eine Persona für das Velo-Abo skizzieren
  2. Die Journey mit mindestens 6 Phasen und allen Touchpoints aufzeichnen
  3. Eine Emotionskurve einzeichnen und die zwei tiefsten Punkte begründen
Tipp anzeigen

Denk auch an die Zeit nach dem Kauf. Bei einem Abo entscheidet der Service, ob die Kundin bleibt oder kündigt.

Lösungsskizze anzeigen

Persona z.B. 'Lea, 29, pendelt 8 km, will kein Velo für CHF 4'000 kaufen'. Phasen: aufmerksam werden, informieren, Probefahrt buchen, Probefahrt, Vertrag, Nutzung, Defekt, Verlängerung oder Kündigung. Tiefpunkte: Vertrag nur im Laden möglich, Defektmeldung nur per Telefon zu Bürozeiten mit Wartezeit.

Service Blueprint für die Terminbuchung einer Arztpraxis

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Gruppenpraxis in Winterthur mit 6 Ärztinnen und Ärzten ist telefonisch schwer erreichbar. Patientinnen beklagen sich in Bewertungen über Warteschleifen von 15 Minuten und vergessene Rückrufe. Die Praxisassistentinnen sind überlastet.

Weist nach B2C2D1

  1. Pain Points aus Patientensicht sammeln und priorisieren
  2. Einen Service Blueprint für die Terminbuchung mit Frontstage, Backstage und Systemen erstellen
  3. Für die zwei wichtigsten Pain Points die interne Ursache bestimmen
  4. Drei Lösungsideen entwickeln, die Patientinnen und Praxis entlasten
Tipp anzeigen

Achte darauf, welche Anrufe gar keine Terminbuchung sind, z.B. Rezeptbestellungen oder Fragen zu Laborergebnissen. Sie blockieren die Leitung.

Lösungsskizze anzeigen

Pain Points: Warteschleife, kein Rückruf, Termine nur zu Bürozeiten buchbar. Blueprint zeigt: Ein Drittel der Anrufe sind Rezeptbestellungen, Rückrufwünsche auf Zetteln, Praxissoftware ohne Online-Buchung. Ideen: Online-Terminbuchung für Routinetermine, Formular für Rezeptbestellungen, Rückrufliste in der Praxissoftware mit Status.

Kundenerlebnis bei der Rückerstattung verbessern

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Eine Krankenkasse mit 180'000 Versicherten hat bei der Rückerstattung von Arztrechnungen einen NPS von minus 12. Versicherte senden Rechnungen per Post, App oder Mail, warten im Schnitt 18 Tage und rufen oft nach, ob die Rechnung angekommen ist. Pro Monat gehen rund 9'000 Anrufe zu diesem Thema ein.

Weist nach A2B3C3D3E3

  1. Zwei Personas aus unterschiedlichen Altersgruppen erstellen
  2. Eine Customer Journey und einen Service Blueprint für die Rückerstattung zeichnen
  3. Pain Points mit Zahlen priorisieren und Wie-könnten-wir-Fragen formulieren
  4. Für die beste Idee einen Prototyp bauen und mit 5 Personen testen
  5. Lösungen bewerten, Kennzahlen festlegen und eine Empfehlung präsentieren
Tipp anzeigen

Der Anruf 'Ist meine Rechnung angekommen?' zeigt, dass es weniger um die Geschwindigkeit als um die Unsicherheit geht. Statusinformation kann mehr bewirken als schnellere Bearbeitung.

Lösungsskizze anzeigen

Personas: 'Heinz, 74, sendet per Post' und 'Nina, 31, nutzt die App'. Kritischer Moment: die Tage nach dem Einreichen ohne Rückmeldung. Blueprint: Scan-Zentrum, manuelle Prüfung bei 30 % der Rechnungen, keine Statusmeldung an Versicherte. Ideen: Eingangsbestätigung mit voraussichtlichem Auszahlungsdatum per App oder Brief, Statusanzeige in der App. Prototyp der App-Statusanzeige getestet. Kennzahlen: Anrufe zum Thema (Ziel minus 40 %), NPS Rückerstattung (Ziel über 0), Customer Effort Score.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was ist ein Touchpoint?

Jeder Kontaktpunkt zwischen Kundschaft und Unternehmen, z.B. Website, Hotline, Rechnung, Paket oder Mitarbeitende im Laden.

Worin unterscheidet sich ein Service Blueprint von einer Customer Journey Map?

Die Journey Map zeigt nur die Sicht der Kundschaft. Der Blueprint ergänzt die internen Abläufe, Mitarbeitenden und Systeme hinter jedem Touchpoint.

Warum sollte eine Persona auf echten Daten beruhen?

Sonst bildet sie nur die Annahmen des Teams ab, und Lösungen gehen an den tatsächlichen Bedürfnissen vorbei.

Wie berechnet sich der Net Promoter Score?

Anteil Promotoren (Bewertung 9 oder 10) minus Anteil Kritiker (Bewertung 0 bis 6) bei der Frage, wie wahrscheinlich man das Unternehmen weiterempfiehlt.

Was ist eine Wie-könnten-wir-Frage?

Ein Pain Point, umformuliert als offene Frage, die zu Ideen einlädt, z.B. 'Wie könnten wir Versicherten zeigen, dass ihre Rechnung angekommen ist?'

Wie viele Testpersonen reichen für einen ersten Usability-Test?

Etwa 5 Personen aus der Zielgruppe. Damit findet man die meisten groben Probleme, danach lohnt sich eine verbesserte Version und eine weitere Runde.

Was misst der Customer Effort Score?

Wie viel Aufwand es für die Kundschaft war, ein Anliegen zu erledigen, z.B. eine Rechnung einzureichen.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Personas aus dem Bauch heraus erfinden, ohne mit echten Kundinnen und Kunden zu sprechen.
  • Nur die digitalen Touchpoints betrachten und Telefon, Brief oder Laden vergessen.
  • Bei der ersten Idee stehenbleiben, statt zuerst viele Ideen zu sammeln.
  • Den Prototyp so aufwendig bauen, dass man ihn nach dem Test nicht mehr ändern will.
  • Testpersonen beim Usability-Test helfen oder ihnen erklären, wie es gemeint ist.
  • Lösungen nur nach Kundennutzen auswählen und Kosten, Datenschutz oder Machbarkeit ausblenden.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Belege jeden Pain Point mit einer Quelle: Interviewzitat, Ticketanzahl oder Bewertung. Das macht deine Analyse glaubwürdig.
  • Zeige im Service Blueprint klar die Verbindung von Pain Point zur internen Ursache.
  • Dokumentiere den Prototyp-Test mit Fotos oder Screenshots und den wichtigsten Beobachtungen pro Person.
  • Schliesse mit einer klaren Empfehlung inklusive Kennzahl und Zielwert. Die Prüfenden wollen sehen, dass du entscheiden kannst.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Customer Experience (CX)
Gesamteindruck, den eine Kundin über alle Kontakte mit einem Unternehmen gewinnt.
Customer Journey
Weg einer Kundin vom ersten Bedürfnis über den Kauf bis zur Nutzung und Weiterempfehlung.
Touchpoint
Kontaktpunkt zwischen Kundschaft und Unternehmen.
Persona
Fiktive, aber datenbasierte Beschreibung einer typischen Person aus einer Zielgruppe.
Pain Point
Stelle in der Customer Journey, an der Kundinnen Ärger, Unsicherheit oder unnötigen Aufwand erleben.
Moment of Truth
Entscheidender Moment, in dem sich die Meinung der Kundschaft über das Unternehmen bildet.
Service Blueprint
Darstellung eines Services mit Kundenhandlungen, sichtbaren und unsichtbaren Abläufen sowie unterstützenden Systemen.
Prototyp
Einfaches, schnell gebautes Modell einer Lösung, um sie früh mit Nutzenden zu testen.
Net Promoter Score (NPS)
Kennzahl zur Weiterempfehlungsbereitschaft, Wertebereich von minus 100 bis plus 100.

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KI-Tutor · Modul 164Nur Tipps

Mein JOIN liefert plötzlich doppelte Zeilen. Was mache ich falsch?
Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
Ah, dann kommt sie zweimal vor …
Genau. Willst du die Bestellungen zählen oder nur die Kundinnen sehen? Je nachdem hilft dir GROUP BY oder DISTINCT.

Tutavio

So helfen wir dir bei Modul 368

  • Wir helfen dir, Interviews oder Umfrageergebnisse aus deinem Lehrbetrieb zu aussagekräftigen Personas zu verdichten.
  • Wir gehen deine Customer Journey und deinen Service Blueprint gemeinsam durch und suchen die Verbindung zwischen Pain Points und internen Ursachen.
  • Wir zeigen dir, wie du in Figma in kurzer Zeit einen klickbaren Prototyp baust, und üben mit dir die Leitung eines Usability-Tests.
  • Vor dem ÜK-Kompetenznachweis üben wir mit dir die Präsentation von der Persona bis zur Empfehlung und stellen kritische Fragen zu Nutzen und Aufwand.

Unverbindlich anfragen. Wir melden uns innert 24 Stunden.

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