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Business & Prozesse · Prozessanalyse

Geschäftsprozesse erfassen, modellieren und kritische Punkte ermitteln

Du lernst, herauszufinden, wie ein Prozess im Betrieb wirklich abläuft, ihn als Ist-Modell festzuhalten und mit Zahlen zu belegen, wo er hakt und wo Risiken lauern.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 20 Std. SelbststudiumDigitales Business: 1. Lehrjahr · üK
#Ist-Analyse#Prozesserhebung#BPMN 2.0#Interview#Medienbruch#Durchlaufzeit#Schwachstellenanalyse#IKS#Risikomatrix

Überblick

Worum geht es?

Prozesse stehen selten so im Handbuch, wie sie gelebt werden. In diesem überbetrieblichen Kurs erhebst du einen echten Ablauf mit Interviews, Beobachtung und Dokumentenanalyse. Du modellierst den Ist-Prozess in BPMN, lässt ihn von den Beteiligten bestätigen und ergänzt ihn um Mengen und Zeiten. Danach markierst du Medienbrüche, Wartezeiten, Doppelerfassungen und Risiken und priorisierst die kritischen Punkte so, dass eine Verbesserung gezielt ansetzen kann.

Wofür brauchst du das?

Wer einen Prozess digitalisieren oder automatisieren will, muss zuerst seine Schwachstellen kennen. Sonst wird ein schlechter Ablauf einfach schneller schlecht. Fachabteilungen erwarten von dir, dass du zuhören, nachfragen und Probleme mit Fakten belegen kannst. Die Ist-Analyse ist die Grundlage für 349 (Prozesse optimieren) und 367 (Automatisierungsanforderungen).

Das solltest du schon können

  • BPMN-Grundelemente wie Ereignisse, Aufgaben, Gateways, Pools und Lanes korrekt einsetzen (Modul 230)
  • Einen Prozess mit Auslöser, Ergebnis und Beteiligten abgrenzen (Modul 254)
  • In Excel Summen, Durchschnitte und einfache Diagramme erstellen

Typische Tools & Technologien

Camunda Modelerbpmn.ioSAP SignavioMiro / MuralMicrosoft FormsExcel (Mengengerüst, Zeitmessung)OneNote (Interviewprotokolle)

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Eine Prozesserhebung mit passenden Methoden und Beteiligten planen

    Kompetenz A

    Du entscheidest, wie du an die Informationen kommst: Interview, Beobachtung am Arbeitsplatz, Workshop, Analyse von Formularen und Systemdaten. Du klärst, wer den Prozess wirklich kennt, und planst Termine, ohne den Betrieb lahmzulegen.

    Situation

    Ein Hotel in Interlaken mit 85 Mitarbeitenden bezahlt Lieferantenrechnungen oft zu spät und verliert Skonto. Niemand weiss genau, wo die Rechnungen hängenbleiben.

    Deine Aufgabe

    Plane die Erhebung des Prozesses 'Lieferantenrechnung bearbeiten'.

    Gutes Ergebnis

    Erhebungsplan: Interviews mit Buchhalterin und zwei Abteilungsleitern (je 45 Min.), eine halbe Stunde Beobachtung beim Posteingang, Auswertung von 30 Rechnungen aus dem letzten Monat mit Eingangs- und Zahlungsdatum. Freigabe des Plans durch die Finanzchefin.

    ErhebungsmethodeInterviewBeobachtungDokumentenanalyseStakeholder
  2. 2

    Ein Prozessinterview strukturiert führen und protokollieren

    Kompetenz B

    Du bereitest einen Fragenkatalog vor, fragst nach dem Normalfall und gezielt nach Ausnahmen, Mengen und Zeiten. Du protokollierst so, dass du daraus direkt modellieren kannst, und fasst am Ende das Gehörte zusammen.

    Situation

    Die Leiterin Kundendienst eines Versandhändlers für Bürobedarf in Zug erklärt dir den Retourenprozess. Sie springt zwischen Sonderfällen hin und her.

    Deine Aufgabe

    Führe das Interview so, dass am Ende Normalfall, Ausnahmen und Mengengerüst klar sind.

    Gutes Ergebnis

    Fragen wie 'Was löst den Prozess aus?', 'Was passiert als Nächstes?', 'Wie oft kommt das pro Woche vor?', 'Was tun Sie, wenn die Ware beschädigt ist?'. Protokoll mit 11 Schritten, 3 Ausnahmen und Mengen: rund 140 Retouren pro Woche, davon 15 % beschädigt.

    Fragenkatalogoffene FragenMengengerüstNormalfall / AusnahmeProtokoll
  3. 3

    Den Ist-Prozess detailgetreu modellieren und von den Beteiligten bestätigen lassen

    Kompetenz C

    Du zeichnest den Prozess so, wie er heute tatsächlich läuft, inklusive Umwegen, Excel-Listen und Telefonaten. Systeme und Dokumente zeigst du als Datenobjekte oder Datenspeicher. Danach gehst du das Modell mit den Beteiligten durch und korrigierst es.

    Situation

    Im Hotel aus der Erhebung laufen Rechnungen per Post, Mail und über eine Lieferantenplattform ein. Die Freigabe erfolgt mit Stempel und Unterschrift.

    Deine Aufgabe

    Modelliere den Ist-Prozess und validiere ihn mit der Buchhalterin.

    Gutes Ergebnis

    BPMN-Modell mit den Lanes Empfang, Buchhaltung, Abteilungsleitung und Finanzchefin, Datenspeicher 'Abacus' und 'Excel-Liste offene Rechnungen'. In der Validierung fällt auf, dass Rechnungen über CHF 5'000 zusätzlich zur Finanzchefin gehen. Das wird ergänzt und das Modell als Version 1.1 freigegeben.

    Ist-ModellDatenspeicherValidierungWalkthroughVersionierung
  4. 4

    Schwachstellen wie Medienbrüche, Liegezeiten und Doppelerfassungen im Modell markieren

    Kompetenz D

    Du suchst systematisch nach typischen Problemen: Daten werden abgetippt, Unterlagen liegen in Fächern, dieselbe Information wird zweimal erfasst, Zuständigkeiten wechseln zu oft. Jede Fundstelle bekommt eine Nummer und eine kurze Beschreibung direkt im Modell.

    Situation

    Bei einer Immobilienverwaltung in Lausanne werden Mängelmeldungen von Mietenden per Telefon aufgenommen, auf Papier notiert und danach ins Verwaltungssystem übertragen.

    Deine Aufgabe

    Markiere alle Schwachstellen im Ist-Modell 'Mängelmeldung bearbeiten'.

    Gutes Ergebnis

    Sieben nummerierte Markierungen, z.B. S1 Medienbruch Telefon zu Papier zu System, S3 Doppelerfassung von Adresse und Objektnummer, S5 Liegezeit von durchschnittlich 2 Tagen im Fach des Bewirtschafters, S6 fünf Zuständigkeitswechsel bis zum Handwerkerauftrag.

    MedienbruchLiegezeitDoppelerfassungSchnittstelleZuständigkeitswechsel
  5. 5

    Durchlauf-, Bearbeitungs- und Liegezeiten erheben und kritische Punkte mit Zahlen belegen

    Kompetenz E

    Ein Gefühl wie 'das dauert ewig' reicht nicht. Du misst oder schätzt, wie lange jeder Schritt aktiv bearbeitet wird und wie lange er wartet. So siehst du, wo die Zeit wirklich verloren geht.

    Situation

    Im Hotel dauert es von Rechnungseingang bis Zahlung im Schnitt 24 Tage. Das Skonto von 2 % gilt nur 10 Tage.

    Deine Aufgabe

    Werte die 30 gesammelten Rechnungen aus und zeige, wo die Zeit verloren geht.

    Gutes Ergebnis

    Excel-Auswertung: aktive Bearbeitung insgesamt nur rund 25 Minuten, aber 9 Tage Liegezeit bei den Abteilungsleitern und 6 Tage bis zum nächsten Zahlungslauf. Verlorenes Skonto hochgerechnet: rund CHF 14'000 pro Jahr.

    DurchlaufzeitBearbeitungszeitLiegezeitStichprobeFlussgrad
  6. 6

    Prozessrisiken bewerten und fehlende Kontrollpunkte erkennen

    Kompetenz F

    Neben Zeitverlusten gibt es Risiken: falsche Zahlungen, Datenschutzverletzungen, fehlende Stellvertretung. Du bewertest sie nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung und prüfst, ob es eine Kontrolle wie das Vier-Augen-Prinzip gibt.

    Situation

    In einem Treuhandbüro in Chur kann dieselbe Person neue Lieferanten mit IBAN erfassen und Zahlungen auslösen. Lohnlisten werden per Mail an eine private Adresse geschickt, wenn die Lohnverantwortliche im Homeoffice ist.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Risikomatrix für den Zahlungsprozess und markiere fehlende Kontrollen.

    Gutes Ergebnis

    Risiko R1 'Zahlung an falsche IBAN' mit hoher Auswirkung und mittlerer Wahrscheinlichkeit, fehlende Funktionstrennung als kritischer Punkt. R2 'Lohndaten an private Mail' als Verstoss gegen revDSG markiert. Beide im roten Bereich der 3x3-Matrix.

    RisikomatrixIKSVier-Augen-PrinzipFunktionstrennungrevDSG

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Erhebung planen

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Prozessinterview führen

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Ist-Modell erstellen

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Schwachstellen markieren

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Zeiten und Mengen belegen

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Risiken und Kontrollen

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Retouren bei der Sanitär Grosshandel Rheintal AG

Kevin ist im 1. Lehrjahr bei der Sanitär Grosshandel Rheintal AG in Buchs SG, 130 Mitarbeitende. Im überbetrieblichen Kurs soll er einen echten Prozess aus seinem Lehrbetrieb analysieren und wählt die Retouren von Installateuren. Im Handbuch von 2019 besteht dieser Prozess aus drei Schritten, doch im Lager hört Kevin ganz andere Geschichten.

  1. Kapitel 1

    Wie läuft eine Retoure wirklich?

    Kevin plant die Erhebung mit drei Methoden. Er führt Interviews mit dem Verkauf Innendienst, dem Lager und der Buchhaltung, beobachtet eine Stunde lang die Warenannahme und wertet 20 Retourenscheine der letzten zwei Monate aus. Die Termine stimmt er mit den Teamleitern ab, damit niemand in der Hauptzeit am Morgen gestört wird. So kann er später vergleichen, was erzählt wird und was tatsächlich passiert.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Und was passiert, wenn …?

    Kevin bereitet einen Leitfaden mit offenen Fragen vor. Der Lagerist beschreibt zuerst den Idealfall, also fragt Kevin nach dem letzten schwierigen Fall. Dabei kommt heraus, dass Ware ohne Lieferschein in einer 'Retourenecke' landet und dort bis zu zwei Wochen liegen bleibt. Im Gespräch mit der Buchhaltung merkt Kevin, dass deren Aussage zur Freigabe der Gutschriften dem Innendienst widerspricht, und notiert sich das für die Validierung.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Das Modell an der Wand

    Kevin modelliert den Ist-Prozess in Bizagi mit vier Lanes und 19 Aufgaben, inklusive der Retourenecke und der Gutschrift im ERP. Für den Walkthrough druckt er das Modell gross aus und hängt es im Sitzungszimmer auf. Die Beteiligten stellen fest, dass die Gutschrift zweimal geprüft wird, und klären den Widerspruch aus den Interviews. Den Sonderfall 'Ware defekt' nimmt Kevin als eigenen Pfad auf.

    Ziel 3

  4. Kapitel 4

    Zahlen auf den Tisch

    Aus den 20 Retourenscheinen ermittelt Kevin eine durchschnittliche Durchlaufzeit von 11 Arbeitstagen, aber nur 35 Minuten echte Bearbeitung. Er markiert drei Medienbrüche zwischen Papierschein, Excel-Liste und ERP sowie eine Doppelerfassung der Artikelnummern. Bei rund 2'600 Retouren pro Jahr und 12 Minuten für die Doppelerfassung kommt er auf etwa 520 Stunden pro Jahr. Diese Zahl macht im Kurs mehr Eindruck als jede Beschreibung.

    Ziel 5Ziel 4

  5. Kapitel 5

    Wer kontrolliert die Gutschrift?

    Beim Durchgehen der Risiken entdeckt Kevin, dass der Innendienst Gutschriften in beliebiger Höhe selbst auslösen kann, ohne zweite Kontrolle. In der Risikomatrix stuft er das als mittlere Wahrscheinlichkeit mit hoher Auswirkung ein. Er schlägt eine Freigabe durch die Teamleitung erst ab CHF 500 vor, damit die vielen kleinen Retouren nicht gebremst werden. Im ÜK präsentiert er seine drei wichtigsten Befunde mit Zahlen und priorisiert sie nach Auswirkung.

    Ziel 6Ziel 4

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Erhebung vorbereiten

    ca. 3 Std.

    Du lernst die Erhebungsmethoden mit ihren Stärken und Schwächen kennen und planst eine Erhebung für einen Prozess aus deinem Betrieb.

    • Interview, Beobachtung, Workshop und Dokumentenanalyse in einer Tabelle vergleichen
    • Einen Prozess aus deinem Lehrbetrieb wählen und die Schlüsselpersonen bestimmen
    • Einen Fragenkatalog mit 15 bis 20 Fragen erstellen

    Trainiert Kompetenz A1A2B1

    Lernziel12

  2. 2

    Zuhören und nachfragen

    ca. 3 Std.

    Du führst ein echtes Interview und eine kurze Beobachtung durch und lernst, Normalfall und Ausnahmen zu trennen.

    • Ein Rollenspiel-Interview mit einer Kollegin führen und danach tauschen
    • Ein Interview im Lehrbetrieb durchführen und protokollieren
    • 15 Minuten einen Arbeitsplatz beobachten und alle Systemwechsel notieren

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Ist-Modell zeichnen und bestätigen

    ca. 4 Std.

    Aus Protokoll und Beobachtung entsteht ein BPMN-Modell, das du mit den Beteiligten durchgehst.

    • Das Ist-Modell mit Lanes, Datenspeichern und allen Ausnahmen modellieren
    • Einen Walkthrough mit der befragten Person machen und Korrekturen einarbeiten
    • Das Modell versionieren und Änderungen festhalten

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    Zahlen sammeln

    ca. 3 Std.

    Du ergänzt das Modell um Mengen und Zeiten und berechnest, wie viel Zeit aktiv gearbeitet und wie viel gewartet wird.

    • Eine Stichprobe von 20 bis 30 Fällen mit Zeitstempeln auswerten
    • Pro Aktivität Bearbeitungs- und Liegezeit in Excel festhalten
    • Den Flussgrad berechnen und als Balkendiagramm darstellen

    Trainiert Kompetenz E1E2

    Lernziel5

  5. 5

    Schwachstellen und Risiken finden

    ca. 4 Std.

    Mit einer Checkliste gehst du das Modell systematisch durch und bewertest die gefundenen Punkte.

    • Das Modell mit einer Checkliste für Medienbrüche, Doppelerfassungen und Liegezeiten durchgehen
    • Gefundene Punkte im Modell nummeriert markieren
    • Eine 3x3-Risikomatrix erstellen und fehlende Kontrollen benennen

    Trainiert Kompetenz D1D2F1F2

    Lernziel46

  6. 6

    Befund präsentieren

    ca. 3 Std.

    Du fasst die Analyse auf wenigen Seiten zusammen und präsentierst die Top 3 der kritischen Punkte, wie im ÜK-Kompetenznachweis.

    • Kritische Punkte nach Auswirkung in CHF oder Stunden priorisieren
    • Einen zweiseitigen Analysebericht mit Modell, Zahlen und Risikomatrix verfassen
    • Den Befund in 10 Minuten vor der Klasse oder dem Berufsbildner präsentieren

    Trainiert Kompetenz E3D3F3

    Lernziel546

Üben

Übungen aus der Praxis

Interviewleitfaden für ein Schulsekretariat

Einstieg Einstieg

Das Sekretariat einer Berufsfachschule bearbeitet Absenzenentschuldigungen. Lehrpersonen, Lernende und Lehrbetriebe sind beteiligt. Du sollst den Ablauf erheben.

Weist nach A1B1

  1. Die Personen bestimmen, die du befragen musst
  2. Einen Leitfaden mit Fragen zu Auslöser, Ablauf, Ausnahmen, Mengen und Systemen erstellen
  3. Das Interview im Rollenspiel durchführen und ein Protokoll schreiben
Tipp anzeigen

Frage nicht nur 'Wie läuft das?', sondern 'Was haben Sie beim letzten Fall genau gemacht?'. Konkrete Fälle liefern bessere Antworten.

Lösungsskizze anzeigen

Befragt werden Sekretariat, eine Klassenlehrperson und eine Lernende. Der Leitfaden enthält Fragen wie 'Wie viele Entschuldigungen pro Woche?', 'Was, wenn die Unterschrift des Lehrbetriebs fehlt?', 'In welchem System wird die Absenz erfasst?'. Das Protokoll trennt Normalfall und Ausnahmen.

Ist-Analyse Reparaturauftrag in einer Garage

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Autogarage in Thun mit 14 Mitarbeitenden nimmt Reparaturaufträge am Telefon und am Schalter an. Der Auftrag wird auf Papier geschrieben, die Mechaniker notieren die Arbeitszeit von Hand, und die Rechnung wird im Garagenprogramm neu erfasst. Kunden warten oft 3 Tage auf die Rechnung.

Weist nach C2D2E2

  1. Den Ist-Prozess von der Auftragsannahme bis zur bezahlten Rechnung mit Lanes modellieren
  2. Alle Medienbrüche und Doppelerfassungen markieren
  3. Für 5 Beispielaufträge Bearbeitungs- und Liegezeiten schätzen und den Flussgrad berechnen
  4. Die drei kritischsten Punkte begründet auswählen
Tipp anzeigen

Ein Medienbruch ist jede Stelle, an der Information von einem Medium in ein anderes übertragen wird, auch vom Kopf auf Papier.

Lösungsskizze anzeigen

Lanes Kundendienst, Werkstatt, Administration. Medienbrüche: Telefon zu Papier, Papier zu Garagenprogramm, Stundenzettel zu Rechnung. Doppelerfassung von Kundendaten und Fahrzeugnummer. Typischer Fall: 2,5 Std. aktive Arbeit bei 3,5 Tagen Durchlaufzeit, Flussgrad rund 3 % in Kalenderzeit bzw. rund 8,5 % in Arbeitszeit (Tage zu 8,4 Std.). Kritisch: Stundenzettel, Rechnungserfassung, fehlender Status für den Kunden.

Spesenprozess mit Risikoanalyse

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Ein Ingenieurbüro in Olten mit 60 Mitarbeitenden rechnet Spesen mit einem Excel-Formular ab. Belege werden fotografiert und per Mail an die Buchhaltung geschickt, der Teamleiter gibt per Mail-Antwort frei. Im letzten Jahr wurden zwei Belege doppelt ausbezahlt, und die Revisionsstelle hat Fragen gestellt.

Weist nach A3C3E3F3D3

  1. Eine Erhebung mit mindestens zwei Methoden planen und begründen
  2. Das Ist-Modell mit Pools, Lanes und Datenobjekten erstellen
  3. Schwachstellen markieren und mit Zahlen aus 25 Spesenabrechnungen belegen
  4. Eine Risikomatrix mit mindestens 5 Risiken erstellen und fehlende Kontrollen nennen
  5. Einen zweiseitigen Analysebericht mit Top-3-Befunden schreiben
Tipp anzeigen

Denke an die Revisionsstelle: Sie will sehen, dass niemand allein Geld auslösen kann und dass jede Zahlung einem Beleg zugeordnet ist.

Lösungsskizze anzeigen

Methoden: Interview mit Buchhaltung und Teamleiter, Analyse von 25 Abrechnungen. Schwachstellen: Belege per Mail ohne eindeutige Nummer, Freigabe ohne Prüfspur, manuelle Übertragung in die Buchhaltung. Risiken: Doppelauszahlung, Freigabe des eigenen Spesenantrags, Belegverlust, unvollständige Aufbewahrung nach OR 958f. Kritisch sind fehlende Belegnummer und fehlende Funktionstrennung.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Warum reicht ein einziges Interview mit der Abteilungsleiterin oft nicht?

Sie kennt meist den Soll-Ablauf, aber nicht alle Umwege im Alltag. Beobachtung oder Gespräche mit Sachbearbeitenden zeigen, wie es wirklich läuft.

Was ist ein Medienbruch?

Eine Stelle, an der Informationen von einem Medium in ein anderes übertragen werden, z.B. von Papier in ein System. Das kostet Zeit und erzeugt Tippfehler.

Wie unterscheiden sich Durchlaufzeit und Bearbeitungszeit?

Die Durchlaufzeit ist die gesamte Zeit vom Start bis zum Ende. Die Bearbeitungszeit ist nur der Teil, in dem jemand aktiv am Fall arbeitet. Der Rest ist Liege- oder Wartezeit.

Was sagt ein Flussgrad von 4 % aus?

Nur 4 % der Durchlaufzeit wird aktiv gearbeitet. 96 % wartet der Fall. Das grösste Potenzial liegt also beim Abbau von Wartezeiten.

Warum lässt du das Ist-Modell von den Beteiligten bestätigen?

Damit Fehler und vergessene Ausnahmen früh auffallen und die Fachabteilung die Analyse später akzeptiert.

Was bedeutet Funktionstrennung im Zahlungsprozess?

Wer Lieferanten oder Zahlungen erfasst, darf sie nicht auch selbst freigeben. So kann niemand allein Geld an eine falsche Stelle überweisen.

Nach welchen zwei Kriterien bewertest du ein Risiko in einer Risikomatrix?

Nach der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Auswirkung, wenn es eintritt.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Den Prozess so modellieren, wie er in der Weisung steht, statt wie er tatsächlich läuft.
  • Im Interview Suggestivfragen stellen wie 'Das dauert doch sicher zu lange, oder?'.
  • Nur den Normalfall erheben und Ausnahmen weglassen, obwohl gerade dort die meiste Zeit verloren geht.
  • Schwachstellen ohne Belege behaupten. Ohne Zahlen bleibt es eine Meinung.
  • Schuldige statt Ursachen suchen. Die Analyse zielt auf den Ablauf, nicht auf Personen.
  • Personendaten aus Stichproben ungeschützt in Excel-Listen herumschicken.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Trenne im Bericht klar zwischen Befund (was ist) und Interpretation (warum ist das kritisch).
  • Nummeriere Schwachstellen im Modell und verweise im Text darauf. Das macht die Bewertung leicht nachvollziehbar.
  • Rechne mindestens einen kritischen Punkt in Stunden oder CHF pro Jahr um. Zahlen überzeugen mehr als Adjektive.
  • Plane für den Walkthrough mit den Beteiligten Zeit ein. Ein bestätigtes Modell ist im ÜK mehr wert als ein schönes.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Ist-Analyse
Erhebung und Beschreibung, wie ein Prozess heute tatsächlich abläuft.
Mengengerüst
Zahlen zu Häufigkeiten und Volumen, z.B. 140 Retouren pro Woche.
Medienbruch
Wechsel des Informationsträgers innerhalb eines Prozesses, z.B. von Papier zu System.
Durchlaufzeit
Gesamtdauer eines Falls vom Auslöser bis zum Ergebnis.
Liegezeit
Zeit, in der ein Fall wartet und niemand daran arbeitet.
Flussgrad
Anteil der Bearbeitungszeit an der Durchlaufzeit in Prozent.
IKS
Internes Kontrollsystem: Massnahmen, die Fehler und Missbrauch in Prozessen verhindern oder aufdecken.
Risikomatrix
Raster, das Risiken nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung einordnet.
Walkthrough
Gemeinsames Durchgehen eines Modells mit den Beteiligten, um es zu prüfen.

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So helfen wir dir bei Modul 348

  • Wir spielen mit dir ein Prozessinterview durch, in dem die Gesprächspartnerin ausweicht oder abschweift, und üben gezieltes Nachfragen.
  • Wir gehen dein Ist-Modell gemeinsam durch und zeigen dir Medienbrüche, Liegezeiten und Kontrolllücken, die du übersehen hast.
  • Wir helfen dir, aus Stichproben eine saubere Excel-Auswertung mit Durchlaufzeit und Flussgrad zu bauen.
  • Vor dem ÜK-Kompetenznachweis üben wir mit einer Fallstudie die ganze Kette von der Erhebung bis zur Präsentation der Top-3-Befunde.

Unverbindlich anfragen. Wir melden uns innert 24 Stunden.

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