254

Business & Prozesse · Geschäftsprozesse

Geschäftsprozesse im eigenen Berufsumfeld beschreiben

Du lernst, Abläufe in deinem Betrieb sichtbar zu machen, sauber als BPMN-Diagramm zu modellieren und Verbesserungen begründet vorzuschlagen.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 18 Std. SelbststudiumApplikationsentwicklung: 2. Lehrjahr · BerufsfachschulePlattformentwicklung: 2. Lehrjahr · BerufsfachschuleDigitales Business: 1. Lehrjahr · Berufsfachschule
#BPMN 2.0#Prozesslandkarte#Swimlanes#SIPOC#RACI#Kennzahlen#Ist-Soll-Analyse#Prozessoptimierung

Überblick

Worum geht es?

Jeder Betrieb lebt von Abläufen: Offerten erstellen, Bestellungen abwickeln, Supportanfragen lösen, neue Mitarbeitende einführen. Oft existieren diese Abläufe nur in den Köpfen einzelner Personen. In diesem Modul ordnest du die Prozesse deines Lehrbetriebs in einer Prozesslandkarte, grenzt einzelne Prozesse klar ab und modellierst sie in BPMN 2.0 mit Swimlanes, Gateways und Ereignissen. Danach legst du Verantwortlichkeiten fest, definierst Kennzahlen und leitest aus dem Ist-Zustand einen besseren Soll-Prozess ab.

Wofür brauchst du das?

ICT-Lösungen sollen Abläufe unterstützen. Wer einen Prozess nicht versteht, automatisiert im schlimmsten Fall ein Chaos. Saubere Prozessmodelle sind die Grundlage für Anforderungen an Software, für Ticket-Workflows in Jira oder ServiceNow und für Automatisierungen mit Power Automate. Das Modul bereitet dich auf 306 (Kleinprojekte), 241 und 245 (Innovation) sowie auf die Dokumentation deiner IPA vor.

Das solltest du schon können

  • Aufträge strukturiert klären, planen und dokumentieren (Modul 431)
  • Den eigenen Lehrbetrieb kennen: Abteilungen, Produkte oder Dienstleistungen, wichtigste Kundengruppen
  • Ein Diagrammwerkzeug wie draw.io grundlegend bedienen

Typische Tools & Technologien

Camunda Modelerbpmn.iodraw.io / diagrams.netMicrosoft VisioSAP SignavioExcelConfluence

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Die Prozesse eines Betriebs in einer Prozesslandkarte ordnen

    Kompetenz A

    Du unterscheidest Prozesse, die direkt Nutzen für Kundinnen und Kunden schaffen, von Prozessen, die steuern oder unterstützen. Auf einer Seite zeigst du, wie sie zusammenhängen und wo die ICT ins Spiel kommt.

    Situation

    Ein IT-Dienstleister mit 35 Mitarbeitenden in Olten betreut KMU-Kunden. Die neue Lernende fragt, wie der Betrieb eigentlich funktioniert.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Prozesslandkarte für den Betrieb.

    Gutes Ergebnis

    Oben die Managementprozesse 'Strategie' und 'Qualitätsmanagement'. In der Mitte die Kernprozesse 'Kunden gewinnen', 'Lösung einrichten', 'Support leisten' und 'Abrechnen', von links nach rechts entlang der Kundenreise. Unten die Unterstützungsprozesse 'Personal', 'Einkauf', 'Interne IT'.

    ManagementprozessKernprozessUnterstützungsprozessProzesslandkarteWertschöpfung
  2. 2

    Einen Prozess mit Auslöser, Ergebnis und Beteiligten klar abgrenzen

    Kompetenz B

    Du legst fest, wo ein Prozess beginnt und endet, was hineinkommt und was herauskommt, wer ihn auslöst und wer das Ergebnis erhält. Ein SIPOC-Raster hilft dir, nichts zu vergessen.

    Situation

    Im Lehrbetrieb wird darüber gestritten, ob 'Hardware bestellen' schon mit dem Wunsch einer Abteilung beginnt oder erst mit der Bestellung beim Lieferanten.

    Deine Aufgabe

    Grenze den Prozess mit SIPOC ab.

    Gutes Ergebnis

    Supplier: anfragende Abteilung, Lieferant. Input: Bedarfsmeldung, Budgetfreigabe. Process: prüfen, offerieren, bestellen, empfangen, inventarisieren. Output: einsatzbereites Gerät mit Inventarnummer. Customer: anfragende Person. Start ist die Bedarfsmeldung im Ticketsystem, Ende die Übergabe.

    SIPOCAuslöserProzessergebnisProzesskundeSchnittstelle
  3. 3

    Einen Prozess als BPMN-2.0-Diagramm mit Swimlanes modellieren

    Kompetenz C

    Du setzt die wichtigsten BPMN-Elemente korrekt ein: Start- und Endereignisse, Aufgaben, exklusive und parallele Gateways, Pools und Lanes sowie Nachrichtenflüsse zwischen Organisationen. Das Diagramm ist so lesbar, dass eine Person aus der Fachabteilung es ohne Erklärung versteht.

    Situation

    Supportanfragen bei einer Gemeindeverwaltung kommen per Mail, Telefon und am Schalter. Niemand weiss genau, wer wann was macht.

    Deine Aufgabe

    Modelliere den Ist-Prozess in bpmn.io.

    Gutes Ergebnis

    Pool 'Gemeinde-IT' mit den Lanes 'Servicedesk' und 'Second Level', dazu ein eigener, zugeklappter Pool 'Externer Partner'. Exklusives Gateway 'Am Telefon lösbar?'. Bei 'nein' Weitergabe an Second Level. Ein angeheftetes Timer-Ereignis 'Nach 2 Arbeitstagen ohne Lösung' an der Second-Level-Aufgabe eskaliert per Nachrichtenfluss an den externen Partner. Nachrichtenfluss zum Pool 'Mitarbeitende' für die Rückmeldung.

    EreignisAktivitätexklusives Gateway (XOR)paralleles Gateway (AND)Pool und LaneSequenz- vs. Nachrichtenfluss
  4. 4

    Verantwortlichkeiten im Prozess mit einer RACI-Matrix festlegen

    Kompetenz D

    Du hältst für jeden Schritt fest, wer ihn ausführt, wer dafür geradesteht, wer gefragt und wer informiert werden muss. So werden Lücken und Doppelzuständigkeiten sichtbar.

    Situation

    Bei der Einrichtung neuer Mitarbeitender vergisst mal HR, mal die IT den Zugang zur Zeiterfassung.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine RACI-Matrix für den Onboarding-Prozess.

    Gutes Ergebnis

    Tabelle mit sieben Schritten und den Rollen HR, Linienvorgesetzte, IT-Support, Facility. Für 'Zeiterfassung freischalten' ist jetzt IT-Support 'R' und HR 'A'. Jeder Schritt hat genau ein 'A'.

    RACIRolle vs. PersonProzesseignerZuständigkeit
  5. 5

    Kennzahlen festlegen, mit denen sich ein Prozess messen lässt

    Kompetenz E

    Du definierst wenige, aussagekräftige Kennzahlen wie Durchlaufzeit, Fehlerquote oder Anteil Erstlösungen, beschreibst, wie sie berechnet werden und woher die Daten kommen. Ohne Messung lässt sich eine Verbesserung nicht belegen.

    Situation

    Die Geschäftsleitung findet, der Support sei 'zu langsam', kann es aber nicht belegen.

    Deine Aufgabe

    Lege drei Kennzahlen für den Supportprozess fest.

    Gutes Ergebnis

    Mittlere Zeit bis zur ersten Antwort (Ziel unter 2 Std.), Anteil im ersten Kontakt gelöster Tickets (Ziel 65 %), Anteil wieder eröffneter Tickets (Ziel unter 5 %). Alle drei lassen sich aus dem Ticketsystem exportieren und monatlich in Excel auswerten.

    Kennzahl (KPI)DurchlaufzeitBearbeitungszeit vs. LiegezeitZielwertDatenquelle
  6. 6

    Schwachstellen im Ist-Prozess finden und einen Soll-Prozess begründen

    Kompetenz F

    Du suchst gezielt nach Medienbrüchen, Doppelerfassungen, Wartezeiten und unklaren Übergaben. Daraus entwirfst du einen Soll-Prozess und zeigst, welche Wirkung die Änderungen auf die Kennzahlen haben.

    Situation

    Spesenabrechnungen werden in einem Malermeisterbetrieb auf Papier ausgefüllt, eingescannt, per Mail an die Chefin geschickt, ausgedruckt, unterschrieben und in der Buchhaltung abgetippt. Eine Abrechnung dauert im Schnitt 12 Tage.

    Deine Aufgabe

    Analysiere den Ablauf und schlage einen Soll-Prozess vor.

    Gutes Ergebnis

    Drei Medienbrüche und eine Doppelerfassung identifiziert. Soll: Erfassung mit Foto des Belegs in der Spesen-App der Buchhaltungssoftware, Freigabe per Klick, automatische Verbuchung. Erwartete Durchlaufzeit 3 Tage. Das Soll-Diagramm zeigt nur noch zwei Lanes statt vier.

    MedienbruchDoppelerfassungLiegezeitIst-Soll-VergleichAutomatisierungspotenzial

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Prozesslandkarte

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Prozess abgrenzen und aufnehmen

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

BPMN modellieren

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Verantwortlichkeiten mit RACI

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Kennzahlen definieren

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Schwachstellen und Soll-Prozess

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Warum Gäste im Hotel Zweiseen warten

Leonie ist im 1. Lehrjahr als Entwicklerin digitales Business im Hotel Zweiseen in Interlaken, 80 Zimmer und 70 Mitarbeitende. An Samstagen warten Gäste beim Check-in oft lange, obwohl das Housekeeping die Zimmer längst gereinigt hat. Die Direktion möchte verstehen, woran es liegt, und gibt Leonie den Auftrag, den Ablauf zu beschreiben.

  1. Kapitel 1

    Das Hotel auf einer Seite

    Leonie spricht mit dem Vizedirektor und zeichnet eine Prozesslandkarte mit Management-, Kern- und Unterstützungsprozessen. Zuerst ordnet sie das Housekeeping als Unterstützungsprozess ein. Der Vizedirektor widerspricht: Die Gäste bezahlen für ein sauberes Zimmer, also ist das ein Kernprozess. Leonie verschiebt es und ergänzt neben jedem Kernprozess den Gast als Kunden.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Wo beginnt «Zimmer bereit»?

    Leonie grenzt den Prozess ab: Auslöser ist der Check-out des Gastes, Ergebnis ein Zimmer, das im Hotelprogramm als bezugsbereit markiert ist und von dem die Rezeption weiss. Die Minibar-Abrechnung gehört nicht dazu. Sie interviewt zwei Zimmerfrauen, die Gouvernante und die Rezeption und beobachtet einen ganzen Samstagvormittag. Dabei merkt sie, dass Rezeption und Housekeeping «fertig» ganz unterschiedlich verstehen.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Der Ist-Ablauf in BPMN

    In bpmn.io modelliert Leonie drei Lanes: Zimmerfrau, Gouvernante und Rezeption. Die Zimmerfrauen notieren fertige Zimmer auf einer Papierliste, die Gouvernante kontrolliert in Runden um 11 und um 13 Uhr und gibt das Ergebnis telefonisch durch. Ein exklusives Gateway zeigt, was passiert, wenn ein Zimmer die Kontrolle nicht besteht. In der RACI-Matrix fällt auf, dass zwei Personen für den Status im Hotelprogramm verantwortlich sind und deshalb manchmal keine. Neu ist die Gouvernante allein zuständig, die Rezeption wird informiert.

    Ziel 3Ziel 4

  4. Kapitel 4

    Wie lange eigentlich?

    Leonie definiert drei Kennzahlen: Zeit von «gereinigt» bis «im System frei», Anteil Gäste mit mehr als 15 Minuten Wartezeit und Anteil Zimmer mit Nachreinigung. Eine Woche lang notieren alle Beteiligten Zeitstempel. Der Median von «gereinigt» bis «frei» liegt bei 52 Minuten. Jetzt hat die Direktion eine Zahl statt nur ein Gefühl.

    Ziel 5

  5. Kapitel 5

    Vom Papier aufs Tablet

    Als Schwachstellen markiert Leonie die Papierliste, das Telefonieren und die Kontrolle in festen Runden. Im Soll-Prozess meldet die Zimmerfrau ein fertiges Zimmer auf dem Tablet, die Gouvernante erhält sofort eine Meldung und kontrolliert, danach springt der Status automatisch auf frei. Leonie rechnet mit einem Median unter 15 Minuten. Die Direktion genehmigt einen Pilot im zweiten Stock.

    Ziel 6

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Den Betrieb als Prozesssystem sehen

    ca. 2 Std.

    Du verschaffst dir den Überblick: Welche Prozesse gibt es in deinem Betrieb und welche sind wirklich wertschöpfend?

    • Zehn Tätigkeiten aus deinem Betrieb sammeln und als Management-, Kern- oder Unterstützungsprozess einordnen
    • Eine Prozesslandkarte auf einer A4-Seite in draw.io zeichnen
    • Die Karte mit deiner Berufsbildnerin oder deinem Berufsbildner besprechen und anpassen

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Einen Prozess abgrenzen und aufnehmen

    ca. 3 Std.

    Du wählst einen konkreten Prozess, grenzt ihn ab und erhebst den Ist-Zustand mit Interviews.

    • Ein SIPOC-Raster für einen Prozess deiner Wahl ausfüllen
    • Ein Interview von 20 Minuten mit einer beteiligten Person führen und die Schritte notieren
    • Offene Fragen und Widersprüche zwischen zwei Interviews festhalten

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    BPMN-Grundlagen

    ca. 4 Std.

    Du lernst die wichtigsten BPMN-Elemente kennen und modellierst einfache Abläufe korrekt.

    • Fünf kurze Textbeschreibungen in BPMN mit bpmn.io oder dem Camunda Modeler übersetzen
    • Bewusst einen Fehler einbauen, z.B. Gateway ohne Zusammenführung, und von jemandem finden lassen
    • Ein Spickblatt mit den 15 wichtigsten Symbolen erstellen

    Trainiert Kompetenz C1

    Lernziel3

  4. 4

    Den Ist-Prozess vollständig modellieren

    ca. 4 Std.

    Du modellierst deinen gewählten Prozess mit Pools, Lanes und Nachrichtenflüssen und ergänzt die Verantwortlichkeiten.

    • Den Ist-Prozess als BPMN-Diagramm mit mindestens drei Lanes erstellen
    • Eine RACI-Matrix für alle Aufgaben des Diagramms ableiten
    • Das Diagramm von einer beteiligten Person auf Korrektheit prüfen lassen

    Trainiert Kompetenz C2D1D2

    Lernziel34

  5. 5

    Messen und verbessern

    ca. 4 Std.

    Du definierst Kennzahlen, analysierst Schwachstellen und entwirfst einen begründeten Soll-Prozess.

    • Drei Kennzahlen mit Formel, Datenquelle und Zielwert festlegen
    • Im Ist-Diagramm Medienbrüche, Wartezeiten und Doppelerfassungen farbig markieren
    • Ein Soll-Diagramm erstellen und die erwartete Wirkung pro Änderung in einer Tabelle zeigen

    Trainiert Kompetenz E1E2F1F2

    Lernziel56

  6. 6

    Prozessdokumentation präsentieren

    ca. 2 Std.

    Du fasst alles in einer kurzen Prozessdokumentation zusammen und präsentierst sie wie im Kompetenznachweis.

    • Eine Prozessbeschreibung mit Zweck, Abgrenzung, Diagramm, RACI und Kennzahlen auf maximal vier Seiten erstellen
    • Den Soll-Prozess in fünf Minuten einer fachfremden Person erklären
    • Feedback einholen und das Diagramm vereinfachen, wo Fragen kamen

    Trainiert Kompetenz B3C3F3

    Lernziel236

Üben

Übungen aus der Praxis

Bestellprozess eines Pizzakuriers

Einstieg Einstieg

Ein Pizzakurier in Biel nimmt Bestellungen per Telefon und Website an. Die Küche bereitet zu, ein Fahrer liefert aus, bezahlt wird bar oder mit TWINT bei Lieferung.

Weist nach B1C1

  1. Den Prozess mit Auslöser, Ergebnis und Beteiligten abgrenzen
  2. Ein BPMN-Diagramm mit den Lanes 'Annahme', 'Küche' und 'Lieferung' erstellen
  3. Ein Gateway für den Fall 'Zutat nicht vorrätig' ergänzen
Tipp anzeigen

Die Kundschaft ist ein eigener Pool. Zwischen Pools gibt es nur Nachrichtenflüsse, keine Sequenzflüsse.

Lösungsskizze anzeigen

Startereignis 'Bestellung eingegangen' (Nachricht). Annahme erfasst, Küche prüft Zutaten über XOR-Gateway, bei Mangel Rückruf an Kundschaft mit Alternative. Danach backen, verpacken, ausliefern, kassieren. Endereignis 'Bestellung ausgeliefert und bezahlt'.

Rücknahme von Geräten beim Austritt

Fortgeschritten Fortgeschritten

Wenn Mitarbeitende eines Versicherungsbrokers austreten, werden Laptop und Handy oft erst Wochen später zurückgegeben, und Konten bleiben aktiv. HR, IT und die Linienvorgesetzten schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu.

Weist nach C2D2E2F2

  1. Den Ist-Prozess aus der Beschreibung als BPMN-Diagramm modellieren
  2. Eine RACI-Matrix erstellen und die Lücken markieren
  3. Zwei Kennzahlen festlegen, die das Problem messbar machen
  4. Einen Soll-Prozess mit parallelen Aufgaben am letzten Arbeitstag modellieren
Tipp anzeigen

Konto sperren, Geräte zurücknehmen und Daten sichern können gleichzeitig laufen. Dafür eignet sich ein paralleles Gateway.

Lösungsskizze anzeigen

Auslöser: Kündigung im HR-System erfasst. RACI mit HR als 'A' für den Gesamtprozess, IT 'R' für Konto und Geräte, Vorgesetzte 'R' für Datenübergabe. Kennzahlen: Tage zwischen Austritt und Kontosperre (Ziel 0), Anteil Geräte am letzten Tag zurück (Ziel 100 %). Soll mit AND-Gateway für Kontosperre, Gerätrücknahme und Postfach-Weiterleitung.

Offertprozess eines Webagentur-Teams optimieren

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Eine Webagentur in Zürich braucht im Schnitt 9 Arbeitstage, bis eine Offerte beim Kunden ist. Anfragen kommen über das Website-Formular in ein gemeinsames Postfach. Die Projektleitung schätzt in Excel, die Geschäftsführung prüft, die Administration erstellt die Offerte in Word und versendet sie als PDF. 30 % der Anfragen verlaufen im Sand.

Weist nach A3C3E3F3

  1. Eine Prozesslandkarte der Agentur skizzieren und den Offertprozess darin verorten
  2. Den Ist-Prozess mit allen Wartezeiten modellieren
  3. Schwachstellen benennen und ihre Wirkung abschätzen
  4. Einen Soll-Prozess mit Kennzahlen und Zielwerten entwerfen
  5. Eine Empfehlung an die Geschäftsführung auf einer Seite formulieren
Tipp anzeigen

Achte auf Liegezeiten zwischen den Lanes. Oft ist nicht die Arbeit langsam, sondern das Warten auf die nächste Person.

Lösungsskizze anzeigen

Offertprozess als Teil des Kernprozesses 'Kunden gewinnen'. Schwachstellen: geteiltes Postfach ohne Zuständigkeit, Medienbruch Excel zu Word, Freigabe nur einmal pro Woche in der Sitzung. Soll: Anfrage landet als Deal im CRM mit automatischer Zuteilung, Kalkulation mit Vorlagen im CRM, Freigabe digital bis CHF 20'000 durch die Projektleitung, darüber durch die Geschäftsführung innert 24 Std. Ziel: Durchlaufzeit unter 3 Tagen, verlorene Anfragen unter 5 %.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was unterscheidet einen Kernprozess von einem Unterstützungsprozess?

Ein Kernprozess schafft direkt Nutzen für externe Kundinnen und Kunden. Ein Unterstützungsprozess stellt Ressourcen bereit, damit die Kernprozesse funktionieren, z.B. Personal oder interne IT.

Wofür steht SIPOC?

Supplier, Input, Process, Output, Customer.

Was ist der Unterschied zwischen einem Sequenzfluss und einem Nachrichtenfluss in BPMN?

Ein Sequenzfluss verbindet Schritte innerhalb eines Pools. Ein Nachrichtenfluss verbindet zwei verschiedene Pools, also z.B. eine Firma und ihre Kundschaft.

Wann verwendest du ein exklusives und wann ein paralleles Gateway?

Exklusiv, wenn genau einer von mehreren Wegen genommen wird. Parallel, wenn alle Wege aktiviert werden und unabhängig voneinander ablaufen (gleichzeitig oder in beliebiger Reihenfolge); ein paralleles Gateway führt sie später wieder zusammen.

Warum darf es in einer RACI-Matrix pro Schritt nur ein 'A' geben?

Weil sonst unklar ist, wer am Ende verantwortlich ist und entscheidet. Mehrere Verantwortliche führen dazu, dass sich niemand zuständig fühlt.

Was ist ein Medienbruch?

Ein Wechsel des Informationsträgers innerhalb eines Prozesses, z.B. von Papier zu Mail zu Excel, bei dem Daten neu erfasst werden müssen.

Was ist der Unterschied zwischen Durchlaufzeit und Bearbeitungszeit?

Die Durchlaufzeit misst vom Start bis zum Ende des Prozesses inklusive Wartezeiten. Die Bearbeitungszeit zählt nur die Zeit, in der aktiv gearbeitet wird.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Den Soll-Prozess modellieren, bevor der Ist-Prozess verstanden ist. Dann fehlen die echten Ursachen der Probleme.
  • Personen statt Rollen in die Lanes schreiben. Bei einem Wechsel im Team ist das Diagramm sofort veraltet.
  • Zweige, die weiterlaufen, nicht wieder zusammenführen, oder ein XOR mit einem AND zusammenführen. (Zweige mit eigenem Endereignis dürfen offen enden.)
  • Alles in ein riesiges Diagramm packen. Lieber Teilprozesse bilden und mit einem zusammengeklappten Unterprozess verweisen.
  • Verbesserungen ohne Kennzahl vorschlagen. Ohne Messung bleibt 'schneller' eine Behauptung.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Benenne Aufgaben immer mit Objekt und Verb, z.B. 'Offerte prüfen', und Ereignisse mit einem Zustand, z.B. 'Offerte versendet'.
  • Prüfe am Schluss jedes Diagramm: Hat jeder Pfad ein Endereignis? Werden weiterlaufende Zweige mit demselben Gateway-Typ wieder zusammengeführt?
  • Lies die Fallbeschreibung mit Leuchtstift und markiere Rollen, Entscheidungen und Wartezeiten in unterschiedlichen Farben.
  • Begründe jede Verbesserung im Soll-Prozess mit der Schwachstelle, die sie behebt, und der Kennzahl, die sich verändert.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Geschäftsprozess
Folge von Tätigkeiten, die ausgelöst durch ein Ereignis ein Ergebnis mit Wert für einen Kunden erzeugt.
BPMN 2.0
International verbreitete grafische Notation zur Modellierung von Geschäftsprozessen.
Pool
Behälter für eine eigenständige Organisation oder einen Teilnehmer im BPMN-Diagramm.
Lane
Unterteilung eines Pools nach Rolle oder Abteilung, auch Swimlane genannt.
Gateway
BPMN-Element, das einen Ablauf verzweigt oder zusammenführt.
RACI
Matrix mit Responsible (führt aus), Accountable (verantwortet), Consulted (wird gefragt), Informed (wird informiert).
Prozesseigner
Person, die für einen Prozess, seine Kennzahlen und seine Weiterentwicklung verantwortlich ist.
Durchlaufzeit
Gesamtzeit vom Auslöser bis zum Ergebnis eines Prozesses, inklusive aller Wartezeiten.

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So helfen wir dir bei Modul 254

  • Wir wählen mit dir einen Prozess aus deinem Lehrbetrieb aus und bereiten gemeinsam die Interviewfragen für die Ist-Aufnahme vor.
  • Wir prüfen deine BPMN-Diagramme auf Notationsfehler wie offene Gateways oder falsche Flüsse und erklären, wie es korrekt aussieht.
  • Wir helfen dir, für deinen Prozess messbare Kennzahlen mit realistischen Zielwerten und klarer Datenquelle zu definieren.
  • Vor dem Kompetenznachweis üben wir das Modellieren eines Prozesses aus einer Textbeschreibung unter Zeitdruck.

Unverbindlich anfragen. Wir melden uns innert 24 Stunden.

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