283

Business & Prozesse · Offerten

Offerten rechtskonform erstellen und überprüfen

Du schreibst Offerten, die vollständig, korrekt gerechnet und rechtlich sauber sind, und prüfst Angebote von Lieferanten kritisch.

Einstieg Einstieg ca. 16 Std. SelbststudiumMediamatik: 1. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Offerte#OR#Vertragsrecht#Werkvertrag#MWST#Rabatt#AGB#Nutzungsrechte#Lieferantenvergleich

Überblick

Worum geht es?

Bevor eine Agentur einen Flyer gestaltet oder eine Website baut, erhält der Kunde eine Offerte. Sie beschreibt die Leistung, nennt Preis, Termine und Bedingungen und ist rechtlich ein verbindlicher Antrag. In diesem Modul lernst du, eine Offerte aufzubauen, Preise inklusive Rabatt und MWST korrekt zu berechnen und die Regeln aus dem Obligationenrecht anzuwenden. Ausserdem prüfst du Angebote von Druckereien oder Freelancern und vergleichst sie fair.

Wofür brauchst du das?

Eine unklare Offerte kostet den Betrieb bares Geld: Der Kunde erwartet unbegrenzte Korrekturrunden, die MWST fehlt im Preis oder das Angebot gilt plötzlich länger als gewollt. Wer Offerten sauber schreibt, schützt den Lehrbetrieb vor Streit und verlorenem Ertrag. Das Modul ist die Grundlage für 284 (Kalkulation und Zahlungsprozess) und für Kundenprojekte in 306.

Das solltest du schon können

  • Prozentrechnen sicher beherrschen: Rabatt, Zuschlag, Prozentsatz vom Ganzen
  • Word- oder Google-Docs-Vorlagen mit Formatvorlagen und Tabellen bearbeiten (Modul 286)
  • Einen formellen Geschäftsbrief nach Schweizer Norm aufbauen können

Typische Tools & Technologien

Word / Google Docs OffertvorlageExcel / Google SheetsBexioAbacus / Banana BuchhaltungSchweizerisches Obligationenrecht (OR)ESTV MWST-Infos

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Eine vollständige Offerte mit allen nötigen Bestandteilen aufbauen

    Kompetenz A

    Du weisst, was in eine professionelle Offerte gehört: Absender mit UID, Empfänger, Datum, Offertnummer, Gültigkeitsdauer, klar beschriebene Leistungen mit Menge und Preis, Rabatte, MWST, Total, Zahlungs- und Lieferbedingungen. Die Leistung beschreibst du so genau, dass beide Seiten dasselbe darunter verstehen.

    Situation

    Die Physiotherapie Bernasconi in Winterthur möchte eine neue Website mit fünf Seiten und Fotos der Praxis. Deine Berufsbildnerin bittet dich, die Offerte vorzubereiten.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Offerte mit allen Pflichtangaben und einem klaren Leistungsbeschrieb.

    Gutes Ergebnis

    Offerte Nr. 2026-041, gültig bis 15.11.2026. Positionen: Konzept und Sitemap 6 h, Design 14 h, Umsetzung WordPress 20 h, je CHF 120 pro Stunde, Fotoshooting pauschal CHF 650. Zwischentotal CHF 5'450.00, 5 % Neukundenrabatt, MWST 8.1 %, Total CHF 5'596.90. Dazu Termine, zwei Korrekturrunden inklusive und Zahlungsbedingung 30 Tage netto.

    OffertnummerGültigkeitsdauerLeistungsbeschriebUID mit Zusatz MWSTZahlungsbedingungenLieferfrist
  2. 2

    Die rechtliche Wirkung einer Offerte nach OR beurteilen

    Kompetenz C

    Eine Offerte ist nach OR ein Antrag zum Vertragsabschluss und bindet den Absender. Mit einer Frist bist du bis zu deren Ablauf gebunden, ohne Frist nur so lange, wie man unter normalen Umständen mit einer Antwort rechnen darf. Mit Vermerken wie 'freibleibend' oder 'unverbindlich' schliesst du die Bindung aus.

    Situation

    Ein Kunde nimmt eine Offerte über ein Corporate-Design-Paket für CHF 3'800 an. Die Offerte war 30 Tage gültig, die Zusage kommt nach 52 Tagen. Inzwischen sind die Freelancer-Kosten gestiegen.

    Deine Aufgabe

    Beurteile, ob die Agentur den alten Preis einhalten muss.

    Gutes Ergebnis

    Nein. Nach Ablauf der Frist ist die Agentur nicht mehr gebunden (Art. 3 OR). Die verspätete Zusage gilt als neuer Antrag des Kunden. Die Agentur kann ihn ablehnen oder eine neue Offerte zu aktuellen Preisen senden.

    Antrag und AnnahmeBindungsfrist (Art. 3 ff. OR)freibleibend / unverbindlichFormfreiheitBeweisbarkeit
  3. 3

    Die passende Vertragsart erkennen und ihre Folgen einschätzen

    Kompetenz D

    Du unterscheidest Kaufvertrag, Werkvertrag und einfachen Auftrag. Beim Werkvertrag schuldest du ein Ergebnis, z.B. einen fertigen Flyer. Beim Auftrag schuldest du sorgfältiges Tätigwerden, z.B. Social-Media-Betreuung nach Aufwand. Davon hängt ab, wofür du haftest und wie du den Preis formulierst.

    Situation

    Die Agentur bietet einem Sportgeschäft drei Leistungen an: Gestaltung eines Plakats, monatliche Betreuung des Instagram-Kanals nach Aufwand und den Weiterverkauf von 500 Roll-up-Displays.

    Deine Aufgabe

    Ordne jeder Leistung die Vertragsart zu und leite ab, was in der Offerte stehen muss.

    Gutes Ergebnis

    Plakat: Werkvertrag, also Ergebnis, Abnahme und Korrekturrunden klar definieren. Instagram-Betreuung: einfacher Auftrag, also Stundensatz, Kostendach und Kündigungsmodalität angeben. Roll-ups: Kaufvertrag, also Lieferdatum, Lieferort und Gewährleistung regeln.

    KaufvertragWerkvertrageinfacher AuftragPauschalpreisKostenvoranschlagAbnahme
  4. 4

    Rabatte, MWST und Rundungen in der Offerte korrekt berechnen

    Kompetenz B

    Du rechnest in der richtigen Reihenfolge: Positionen, Zwischentotal, Rabatt, Nettobetrag, MWST 8.1 % und Total, gerundet auf 5 Rappen. Du weisst, wann ein Betrieb MWST-pflichtig ist und wie du einen Betrag inklusive MWST in einen Nettobetrag umrechnest.

    Situation

    Ein Verein bestellt 2'000 Flyer A5. Die Gestaltung kostet 4 Stunden à CHF 95, der Druck CHF 385.

    Deine Aufgabe

    Berechne das Offerttotal inklusive MWST.

    Gutes Ergebnis

    Gestaltung CHF 380.00 plus Druck CHF 385.00 ergibt CHF 765.00 netto. MWST 8.1 % ergibt CHF 61.965, gerundet CHF 61.95. Total CHF 826.95.

    MWST-Normalsatz 8.1 %MWST-Pflicht ab CHF 100'000 Umsatznetto / bruttoRabattRappenrundungRückrechnung aus 108.1 %
  5. 5

    Nutzungsrechte, Korrekturrunden und AGB klar regeln

    Kompetenz E

    Bei kreativen Arbeiten entstehen Urheberrechte. Du hältst in der Offerte fest, wofür der Kunde ein Logo, Foto oder Video nutzen darf, wie viele Korrekturrunden inbegriffen sind und was Mehraufwand kostet. Verweise auf AGB müssen in der Offerte stehen, damit sie gelten.

    Situation

    Nach einem Fotoshooting für ein Hotel will der Kunde die Bilder plötzlich auch für eine nationale Plakatkampagne nutzen. In der Offerte stand nur 'Fotoshooting CHF 1'200'.

    Deine Aufgabe

    Formuliere für künftige Offerten eine klare Regelung der Nutzungsrechte.

    Gutes Ergebnis

    Neuer Textbaustein: 'Nutzungsrecht für Website und Social Media des Kunden, zeitlich unbeschränkt. Nutzung in Print- und Aussenwerbung nach separater Vereinbarung.' Dazu: 'Zwei Korrekturrunden inbegriffen, weitere Anpassungen nach Aufwand zu CHF 120 pro Stunde.'

    Urheberrecht (URG)NutzungsrechtKorrekturrundeMehraufwandAGB-Verweis
  6. 6

    Eingehende Angebote von Lieferanten prüfen und fair vergleichen

    Kompetenz F

    Du prüfst Angebote auf Vollständigkeit, Rechenfehler und versteckte Kosten wie Versand, Proof oder Datenprüfung. Du vergleichst nur Gleiches mit Gleichem, also immer netto oder immer brutto, und beziehst Termine und Qualität mit ein.

    Situation

    Für 2'000 Flyer A5, 4/4-farbig, 170 g/m², liegen zwei Angebote vor. Druckerei A: CHF 310 exkl. MWST plus CHF 18 Versand, Lieferung in 5 Arbeitstagen. Druckerei B: CHF 285 inkl. MWST, Abholung, Lieferung in 8 Arbeitstagen.

    Deine Aufgabe

    Vergleiche die Angebote und gib eine Empfehlung für einen Termin in 6 Arbeitstagen.

    Gutes Ergebnis

    A kostet netto CHF 328.00. B kostet netto CHF 263.65 (285 / 1.081), plus Zeit für die Abholung. B ist günstiger, hält aber den Termin nicht ein. Empfehlung: Druckerei A.

    AngebotsvergleichNettovergleichNebenkostenLieferfristNutzwertanalyse

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Offerte aufbauen

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Preise, Rabatt und MWST

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Rechtliche Wirkung nach OR

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Vertragsart bestimmen

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Nutzungsrechte und Bedingungen

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Lieferantenangebote prüfen

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Eine Offerte für die Tanzschule Rhythmo

Timo ist Mediamatiker im 1. Lehrjahr bei der Kommunikationsagentur Blauweiss GmbH in Rapperswil-Jona mit 9 Mitarbeitenden. Die Tanzschule Rhythmo möchte ein aufgefrischtes Logo, 3'000 Flyer für die Kursanmeldung und danach die monatliche Pflege ihrer Website. Timo darf die Offerte unter Aufsicht seines Berufsbildners selbst erstellen.

  1. Kapitel 1

    Was gehört alles hinein?

    Timo öffnet die Offertvorlage der Agentur und listet die Leistungen auf: Logo überarbeiten mit 6 Stunden, Flyer A5 gestalten mit 4 Stunden, den Druck als Fremdleistung und die Websitepflege mit 3 Stunden pro Monat, alles zu CHF 110 pro Stunde. Sein Berufsbildner streicht die Zeile 'Flyer machen' rot an, weil niemand weiss, was genau geliefert wird. Timo beschreibt Format, Seiten, Anzahl Entwürfe und Lieferformat. Ausserdem ergänzt er die fehlende Gültigkeit von 30 Tagen und einen Terminplan.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Zwei Druckereien im Vergleich

    Für den Druck holt Timo zwei Angebote ein. Druckerei A verlangt CHF 395 exkl. MWST plus CHF 25 Versand und liefert in fünf Arbeitstagen. Druckerei B verlangt CHF 430 exkl. MWST inklusive Versand, druckt auf FSC-Papier und liefert in drei Arbeitstagen. Auf gleicher Basis liegen die beiden nur CHF 10 auseinander. Weil der Kursstart drängt, gewichtet Timo in seiner Nutzwertanalyse die Lieferfrist stark und entscheidet sich für Druckerei B.

    Ziel 6

  3. Kapitel 3

    Auf den Rappen genau

    Die Gestaltung ergibt 10 Stunden zu CHF 110, also CHF 1'100, dazu kommen CHF 430 für den Druck. Als Neukundin erhält die Tanzschule 10 % Rabatt auf die Gestaltung, nicht auf die Fremdleistung. Timo zieht in seiner ersten Version den Rabatt von CHF 110 erst vom Total inklusive MWST ab und kommt auf CHF 1'543.95, die MWST ist damit auf CHF 1'530 statt CHF 1'420 gerechnet. Der Berufsbildner zeigt ihm die richtige Reihenfolge: Netto CHF 1'420, plus 8.1 % MWST ergibt CHF 1'535.00. Die Websitepflege stellt Timo separat als monatlichen Betrag dar.

    Ziel 4

  4. Kapitel 4

    Werk oder Auftrag?

    Timo merkt, dass Logo und Flyer ein bestimmtes Ergebnis schulden und damit Werkverträge sind, die Websitepflege dagegen ein Auftrag, den beide Seiten jederzeit kündigen können. Er trennt die Offerte deshalb in zwei Teile mit eigenen Bedingungen. Beim Logo hält er fest, dass die Tanzschule es zeitlich und räumlich unbeschränkt nutzen darf. Die Fotos im Flyer stammen aus einer Bildagentur und dürfen nur gedruckt in der Schweiz verwendet werden. Zwei Korrekturrunden sind inbegriffen, jede weitere wird nach Aufwand verrechnet.

    Ziel 3Ziel 5

  5. Kapitel 5

    Die Antwort kommt am 34. Tag

    Nach 34 Tagen schreibt die Tanzschule: 'Wir nehmen an, aber nur mit einer Korrekturrunde und 15 % Rabatt.' Timo prüft den Fall mit dem OR: Die Frist ist abgelaufen, und die Antwort enthält Änderungen. Damit ist kein Vertrag entstanden, die Mail gilt als neuer Antrag der Tanzschule. Der Berufsbildner entscheidet, eine neue Offerte zu schicken, und Timo merkt dabei, dass auch das Druckangebot inzwischen abgelaufen ist und neu eingeholt werden muss.

    Ziel 2

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Wie eine Offerte aufgebaut ist

    ca. 2 Std.

    Du analysierst echte Offerten und erkennst, welche Elemente immer vorkommen und was fehlen kann.

    • Drei Offerten aus dem Lehrbetrieb oder aus dem Internet nebeneinanderlegen und Bestandteile markieren
    • Eine Checkliste mit allen Pflicht- und Kann-Elementen erstellen
    • Die Offertvorlage des Betriebs anhand der Checkliste prüfen

    Trainiert Kompetenz A1

    Lernziel1

  2. 2

    Rechnen mit Rabatt und MWST

    ca. 3 Std.

    Du übst die Rechenschritte, bis sie sitzen, und baust eine Excel-Kalkulation, die nicht falsch rechnen kann.

    • Zehn Übungsaufgaben zu Rabatt, Skonto, MWST und Rappenrundung lösen
    • Eine Excel-Offerttabelle mit Formeln für Zwischentotal, Rabatt, MWST und Total bauen
    • Bruttobeträge in Nettobeträge zurückrechnen

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel4

  3. 3

    Rechtliche Grundlagen aus dem OR

    ca. 3 Std.

    Du lernst, wann ein Vertrag zustande kommt, wie lange eine Offerte bindet und welche Vertragsarten es gibt.

    • Art. 1 bis 7 OR lesen und in eigenen Worten zusammenfassen
    • Fünf Fallbeispiele zu Bindungsfrist und verspäteter Annahme lösen
    • Für typische Agenturleistungen die Vertragsart bestimmen

    Trainiert Kompetenz C1C2D1

    Lernziel23

  4. 4

    Bedingungen und Textbausteine

    ca. 2 Std.

    Du formulierst wiederverwendbare Textbausteine für Nutzungsrechte, Korrekturrunden, Zahlungsbedingungen und AGB-Verweis.

    • Je zwei Varianten für Nutzungsrechte (eng und weit) formulieren
    • Zahlungsbedingungen mit Anzahlung, Fälligkeit und Skonto festlegen
    • Die Textbausteine mit der Berufsbildnerin besprechen

    Trainiert Kompetenz E1E2D2

    Lernziel53

  5. 5

    Angebote von Lieferanten prüfen

    ca. 2 Std.

    Du drehst die Perspektive und prüfst Angebote, die dein Betrieb erhält.

    • Bei zwei Online-Druckereien Angebote für dasselbe Produkt einholen
    • Die Angebote netto vergleichen und Nebenkosten ergänzen
    • Eine kurze Empfehlung mit Begründung schreiben

    Trainiert Kompetenz F1F2F3

    Lernziel6

  6. 6

    Komplette Offerte von A bis Z

    ca. 2.5 Std.

    Du erstellst unter Zeitdruck eine vollständige Offerte zu einem Kundenbriefing, wie im Kompetenznachweis.

    • Briefing lesen, Leistungen und Aufwand schätzen
    • Offerte mit Kalkulation, Bedingungen und Textbausteinen erstellen
    • Mit der Checkliste selbst prüfen und Fehler korrigieren

    Trainiert Kompetenz A2A3B3E3

    Lernziel145

Üben

Übungen aus der Praxis

Fehlersuche in einer Offerte

Einstieg Einstieg

Ein Mitlernender hat eine Offerte für einen Hochzeitsfotografen geschrieben: Shooting 6 Stunden à CHF 150, Bildbearbeitung pauschal CHF 400, MWST 7.7 %, keine Gültigkeitsdauer, kein Datum, Total ohne Rappenrundung.

Weist nach A1B1

  1. Alle fehlenden oder falschen Elemente markieren
  2. Das Total neu berechnen
  3. Eine korrigierte Fassung erstellen
Tipp anzeigen

Prüfe den MWST-Satz. Er wurde per 1.1.2024 angepasst.

Lösungsskizze anzeigen

Fehlend: Datum, Offertnummer, Gültigkeit, UID, Zahlungsbedingungen, Nutzungsrechte. MWST-Satz auf 8.1 % korrigieren. CHF 900 plus CHF 400 ergibt CHF 1'300.00, MWST CHF 105.30, Total CHF 1'405.30.

Drei Fälle aus dem Agenturalltag

Fortgeschritten Fortgeschritten

Fall A: Ein Kunde ruft an, du nennst am Telefon einen Preis, er sagt drei Tage später per Mail zu. Fall B: Auf der Website steht eine Preisliste für Fotoshootings. Fall C: Eine Offerte ist mit 'freibleibend' gekennzeichnet und der Kunde nimmt sie an.

Weist nach C2C3

  1. Für jeden Fall bestimmen, ob ein Vertrag zustande gekommen ist
  2. Die passende Regel aus dem OR nennen
  3. Für jeden Fall eine Empfehlung für die Agentur formulieren
Tipp anzeigen

Ein Antrag unter Anwesenden, also auch am Telefon, muss sofort angenommen werden.

Lösungsskizze anzeigen

A: kein Vertrag, die telefonische Offerte ohne Frist ist erloschen (Art. 4 OR). Empfehlung: schriftlich nachfassen. B: Preislisten sind kein verbindlicher Antrag (Art. 7 OR), der Kunde macht mit der Anfrage den Antrag. C: keine Bindung der Agentur. Erst ihre Bestätigung schliesst den Vertrag.

Offerte für einen Imagefilm

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Die Schreinerei Gasser AG in Thun möchte einen 90-sekündigen Imagefilm für Website und LinkedIn. Drehtag in der Werkstatt, Interview mit dem Inhaber, Musik, Untertitel. Budget laut Kunde rund CHF 5'000.

Weist nach A3B2D3E3

  1. Leistungen in Positionen aufteilen und Aufwand schätzen
  2. Vertragsart bestimmen und daraus Abnahme und Korrekturrunden ableiten
  3. Nutzungsrechte für Film und Musik regeln
  4. Kalkulation mit Rabatt, MWST und Total erstellen
  5. Offerte fertigstellen und mit der Checkliste prüfen
Tipp anzeigen

Lizenzmusik hat eigene Nutzungsbedingungen. Prüfe, ob sie für Werbung auf LinkedIn erlaubt ist, und weise die Kosten separat aus.

Lösungsskizze anzeigen

Positionen: Vorbereitung und Drehbuch, Drehtag mit Kamera und Ton, Schnitt, Musiklizenz, Untertitel, zwei Korrekturrunden. Werkvertrag mit Abnahme der finalen Version. Nutzungsrecht für Website und Social Media, weitere Nutzung separat. Total im Rahmen von rund CHF 5'000 exkl. MWST, transparent hergeleitet, Gültigkeit 30 Tage, 50 % Anzahlung bei Auftrag.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Wie lange bist du an eine schriftliche Offerte mit der Angabe 'gültig 30 Tage' gebunden?

Bis zum Ablauf der 30 Tage. Nimmt der Kunde rechtzeitig an, ist der Vertrag zustande gekommen.

Wie machst du eine Offerte unverbindlich?

Mit einem klaren Vorbehalt wie 'freibleibend' oder 'unverbindlich'. Dann entsteht der Vertrag erst durch deine Bestätigung.

Wie hoch ist der MWST-Normalsatz in der Schweiz?

8.1 % (seit 1.1.2024). Für bestimmte Güter wie Lebensmittel gilt 2.6 %, für Beherbergung 3.8 %.

Wie rechnest du CHF 540.50 inklusive MWST in den Nettobetrag um?

540.50 / 1.081 = CHF 500.00.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Werkvertrag und Auftrag?

Beim Werkvertrag schuldest du ein Ergebnis, z.B. ein fertiges Logo. Beim Auftrag schuldest du sorgfältige Arbeit, aber keinen bestimmten Erfolg.

Warum gehören Nutzungsrechte in eine Offerte für Fotos oder Grafiken?

Weil sonst unklar ist, wo und wie lange der Kunde die Werke einsetzen darf. Das führt später zu Streit und entgangenem Ertrag.

Welche Angaben über den Absender braucht es bei einem MWST-pflichtigen Betrieb?

Name und Ort sowie die UID-Nummer mit dem Zusatz MWST, z.B. CHE-123.456.789 MWST.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Leistungen schwammig beschreiben, z.B. 'Website erstellen', ohne Anzahl Seiten, Funktionen und Korrekturrunden.
  • Die Gültigkeitsdauer vergessen und dann monatelang an alte Preise gebunden sein.
  • Noch mit dem alten MWST-Satz von 7.7 % rechnen.
  • Einen Rabatt in Franken erst vom Total inklusive MWST abziehen (die MWST ist dann zu hoch ausgewiesen) oder Rabatt und MWST einfach verrechnen.
  • Angebote vergleichen, bei denen das eine inklusive und das andere exklusive MWST angegeben ist.
  • AGB nur auf der Website haben, aber in der Offerte nicht darauf verweisen.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Arbeite mit einer eigenen Checkliste der Offertbestandteile und hake jeden Punkt ab, bevor du abgibst.
  • Schreibe bei Rechenaufgaben jeden Schritt auf: Zwischentotal, Rabatt, Netto, MWST, Total. Teilpunkte gibt es oft für den Weg.
  • Nenne bei Rechtsfragen immer die Regel und wende sie dann auf den Fall an. Ein Artikel aus dem OR stärkt die Antwort.
  • Prüfe am Schluss, ob das Total plausibel ist: Die MWST muss ungefähr 8 % des Nettobetrags ausmachen.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Offerte
Schriftliches Angebot mit Leistung, Preis und Bedingungen. Rechtlich ein Antrag zum Vertragsabschluss.
Antrag und Annahme
Zwei übereinstimmende Willensäusserungen, durch die ein Vertrag zustande kommt.
Bindungsfrist
Zeitraum, in dem der Anbieter an seine Offerte gebunden ist.
Werkvertrag
Vertrag, bei dem ein bestimmtes Ergebnis gegen Vergütung geschuldet ist.
Einfacher Auftrag
Vertrag über sorgfältiges Tätigwerden ohne Garantie eines Erfolgs.
MWST
Mehrwertsteuer auf Waren und Dienstleistungen. Normalsatz 8.1 %.
UID
Unternehmens-Identifikationsnummer, z.B. CHE-123.456.789, bei MWST-Pflicht mit Zusatz MWST.
Nutzungsrecht
Erlaubnis des Urhebers, ein Werk in einem festgelegten Umfang zu verwenden.
AGB
Allgemeine Geschäftsbedingungen, die gelten, wenn vor Vertragsabschluss auf sie hingewiesen wird und man sie zumutbar lesen kann. Auf ungewöhnliche Klauseln muss besonders hingewiesen werden.

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Ah, dann kommt sie zweimal vor …
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So helfen wir dir bei Modul 283

  • Wir prüfen deine Offerte aus dem Lehrbetrieb Zeile für Zeile auf fehlende Angaben, Rechenfehler und unklare Leistungsbeschriebe.
  • Wir bauen mit dir eine Excel-Offerttabelle mit Formeln für Rabatt, MWST und Rappenrundung, die du im Betrieb weiterverwenden kannst.
  • Wir üben Fallbeispiele zum OR so lange, bis du Bindungsfrist, Annahme und Vertragsarten sicher begründen kannst.
  • Wir formulieren gemeinsam Textbausteine für Nutzungsrechte und Korrekturrunden, die zu den Leistungen deines Betriebs passen.

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