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Business & Prozesse · Angebote evaluieren

Angebote evaluieren

Du lernst, Angebote für Software, Dienstleistungen oder Geräte fair zu vergleichen und eine nachvollziehbare Empfehlung zu machen, statt einfach das billigste zu nehmen.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 14 Std. SelbststudiumDigitales Business: 1. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Offertvergleich#Nutzwertanalyse#Anforderungskatalog#Muss-Kriterien#TCO#Beschaffung#Lizenzmodelle#Entscheidungsantrag

Überblick

Worum geht es?

Wenn eine Fachabteilung ein neues Tool braucht, landen schnell drei bis fünf Offerten auf dem Tisch, die sich kaum vergleichen lassen. In diesem Modul legst du zuerst fest, was die Lösung können muss, und trennst Muss- von Wunschkriterien. Danach holst du Angebote ein, rechnest die Gesamtkosten über mehrere Jahre und bewertest die Varianten mit einer Nutzwertanalyse. Am Schluss schreibst du einen kurzen Entscheidungsantrag, den die Geschäftsleitung in zehn Minuten versteht.

Wofür brauchst du das?

Entwickler/innen digitales Business werden oft beigezogen, wenn eine Abteilung ein CRM, ein Ticketsystem oder ein Umfragetool beschaffen will. Eine saubere Evaluation verhindert teure Fehlkäufe und Lizenzfallen. Sie zeigt auch, dass du Kosten, Nutzen und Risiken zusammendenken kannst. Das Wissen fliesst direkt in 336 (Projekte), 218 (Einführung von Softwaresystemen) und 367 (Anforderungen an die Automatisierung) ein.

Das solltest du schon können

  • Einen Auftrag klären und strukturiert nach IPERKA bearbeiten (Modul 331)
  • In Excel mit Formeln wie SUMME, SUMMENPRODUKT und einfachen Prozentrechnungen arbeiten
  • Grundbegriffe wie brutto, netto, MWST und Rabatt kennen

Typische Tools & Technologien

ExcelMS FormsSharePointWord-VorlagenMicrosoft Teamssimap.ch (öffentliche Ausschreibungen)

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Anforderungen in einem Kriterienkatalog mit Muss- und Wunschkriterien festhalten

    Kompetenz A

    Du sammelst mit der Fachabteilung, was die Lösung leisten muss, und formulierst prüfbare Kriterien. Muss-Kriterien sind K.-o.-Kriterien: Wer sie nicht erfüllt, fällt raus. Wunschkriterien gewichtest du später.

    Situation

    Der Kundendienst eines Sanitärgrosshändlers in Winterthur bearbeitet 300 Anfragen pro Woche per Outlook und will ein Ticketsystem.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Katalog mit mindestens fünf Muss- und acht Wunschkriterien.

    Gutes Ergebnis

    Muss: E-Mail-Eingang wird automatisch zum Ticket, Datenhaltung in der Schweiz oder EU, deutschsprachige Oberfläche, Rollen und Rechte, Export als CSV. Wunsch: Teams-Integration, Vorlagen für Antworten, SLA-Ampel, Wissensdatenbank, Kundenportal, Reporting, Mobile App, Single Sign-on mit Entra ID.

    Muss-KriteriumWunschkriteriumK.-o.-Kriteriumfunktionale / nicht-funktionale AnforderungPflichtenheft
  2. 2

    Eine Offertanfrage formulieren und Angebote vergleichbar machen

    Kompetenz B

    Du schreibst eine Anfrage, die allen Anbietern dieselben Informationen und dieselbe Antwortstruktur vorgibt. So kommen Angebote zurück, die sich Punkt für Punkt vergleichen lassen. Du kennst die Grundlagen, wann eine Offerte verbindlich ist.

    Situation

    Für das Ticketsystem hast du drei Anbieter ausgewählt: einen Schweizer SaaS-Anbieter, einen internationalen Cloud-Dienst und ein lokales IT-Haus mit eigener Lösung.

    Deine Aufgabe

    Erstelle die Offertanfrage.

    Gutes Ergebnis

    Ein zweiseitiges Dokument mit Ausgangslage, Mengengerüst (12 Agents, 300 Tickets pro Woche), Kriterienkatalog als Excel zum Ausfüllen, Fragen zu Einführungsaufwand und Support, Angebotsfrist 30. April, Preisangaben exkl. MWST und für drei Jahre.

    OffertanfrageMengengerüstAngebotsfristVerbindlichkeit (OR)Antwortraster
  3. 3

    Gesamtkosten über die Nutzungsdauer berechnen

    Kompetenz C

    Du vergleichst nicht nur den Preis im ersten Jahr, sondern die Total Cost of Ownership über drei bis fünf Jahre: einmalige Kosten, wiederkehrende Lizenzen, Einführung, Schulung, interne Arbeitszeit und Ausstiegskosten. Du rechnest sauber mit und ohne MWST.

    Situation

    Anbieter A kostet CHF 45 pro Agent und Monat, ohne Einrichtung. Anbieter B kostet CHF 9'800 einmalig plus CHF 2'400 Wartung pro Jahr. Es sind 12 Agents.

    Deine Aufgabe

    Berechne die Kosten über drei Jahre exkl. und inkl. 8.1 % MWST.

    Gutes Ergebnis

    A: 12 x 45 x 36 = CHF 19'440 exkl., CHF 21'014.64 inkl. MWST. B: 9'800 + 3 x 2'400 = CHF 17'000 exkl., CHF 18'377 inkl. MWST. Dazu kommen bei B geschätzt 40 interne Stunden mehr für Betrieb und Updates. Bei CHF 80 pro Stunde ist B damit teurer.

    TCOeinmalige / wiederkehrende KostenSaaS-AboMWST 8.1 %interne Kosten
  4. 4

    Angebote mit einer Nutzwertanalyse bewerten

    Kompetenz D

    Du gewichtest die Wunschkriterien gemeinsam mit der Fachabteilung, vergibst Punkte pro Angebot und berechnest den gewichteten Nutzwert. Du prüfst mit einer Sensitivitätsanalyse, ob das Ergebnis auch bei leicht anderen Gewichten hält.

    Situation

    Nach dem Muss-Filter bleiben zwei Ticketsysteme übrig. Die Fachabteilung findet Bedienbarkeit am wichtigsten, die IT die Integration.

    Deine Aufgabe

    Erstelle eine Nutzwertanalyse mit sechs Kriterien in Excel.

    Gutes Ergebnis

    Gewichte: Bedienbarkeit 25 %, Integration 20 %, Reporting 15 %, Support 15 %, Kosten 15 %, Zukunftssicherheit 10 %. Punkte 1 bis 5. Ergebnis: A 4.05, B 3.60. Auch wenn Integration auf 30 % steigt, bleibt A vorne.

    GewichtungPunkteskalagewichteter NutzwertSUMMENPRODUKTSensitivitätsanalyse
  5. 5

    Risiken, Vertragsbedingungen und Datenschutz der Anbieter prüfen

    Kompetenz E

    Du schaust über Preis und Funktionen hinaus: Wo liegen die Daten, wie lange ist die Mindestlaufzeit, wie kommt man wieder raus, gibt es Referenzen und wie stabil ist der Anbieter. Datenschutz nach revDSG prüfst du mit gezielten Fragen.

    Situation

    Das günstigste Umfragetool für die HR-Abteilung speichert Daten in den USA und hat eine Mindestlaufzeit von 36 Monaten.

    Deine Aufgabe

    Beurteile die Risiken und formuliere Rückfragen an den Anbieter.

    Gutes Ergebnis

    Risiken: Datenübermittlung ins Ausland bei Personaldaten, lange Bindung, unklarer Datenexport. Rückfragen: Gibt es ein Rechenzentrum in der EU oder der Schweiz? Liegt ein Auftragsverarbeitungsvertrag vor? Wie und in welchem Format erhalten wir die Daten beim Ausstieg?

    Lock-inMindestlaufzeitAuftragsverarbeitungrevDSGReferenzkundenSLA
  6. 6

    Eine begründete Empfehlung als Entscheidungsantrag präsentieren

    Kompetenz F

    Du fasst die Evaluation auf ein bis zwei Seiten zusammen: Ausgangslage, Vorgehen, Ergebnis, Kosten, Risiken und klarer Antrag. Die Entscheidungsträger sollen ohne Excel-Datei verstehen, warum du welche Variante empfiehlst.

    Situation

    Die Geschäftsleitung hat in der nächsten Sitzung 10 Minuten für das Thema Ticketsystem.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Entscheidungsantrag mit Empfehlung.

    Gutes Ergebnis

    Seite 1: Ausgangslage in drei Sätzen, Vergleichstabelle mit Nutzwert und Dreijahreskosten, Empfehlung Anbieter A. Seite 2: Risiken und Massnahmen, Zeitplan für Einführung im Juni, Antrag: 'Die GL genehmigt CHF 21'100 inkl. MWST für drei Jahre.'

    EntscheidungsantragManagement SummaryEmpfehlungVariantenvergleich

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Anforderungen festhalten

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Offerten einholen und vergleichbar machen

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Gesamtkosten berechnen

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Nutzwertanalyse

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Risiken und Vertrag

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Entscheidungsantrag

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Eine Zeiterfassung für die Physio Aare Gruppe

Jana ist im 1. Lehrjahr bei der Physio Aare Gruppe in Solothurn, einer Physiotherapie-Praxis mit 35 Mitarbeitenden an drei Standorten. Die Arbeitszeit wird bisher in Excel-Stundenblättern erfasst, die das Personalbüro jeden Monat von Hand zusammenträgt. Die Praxisleitung möchte eine digitale Zeiterfassung, und Jana soll die Angebote prüfen.

  1. Kapitel 1

    Was muss die Lösung können?

    Jana befragt die Praxisleitung, die Personalverantwortliche und zwei Therapeutinnen. Sie sammelt 22 Anforderungen, die sich teilweise widersprechen: Die Therapeutinnen wollen eine einfache Handy-App, das Personalbüro vor allem einen Export ins Lohnprogramm. Jana legt 6 Musskriterien fest, darunter Datenhaltung in der Schweiz oder der EU und den Lohnexport, und 9 Wunschkriterien. Die Praxisleitung bestätigt den Katalog.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Drei Offerten, drei Preismodelle

    Jana schickt eine Offertanfrage mit Kriterienkatalog, 35 Benutzern und einer Frist von zwei Wochen an vier Anbieter, drei antworten. Anbieter A rechnet pro Person und Monat, Anbieter B mit einer einmaligen Lizenz plus jährlicher Wartung, Anbieter C mit tiefem Monatspreis, aber Einrichtungspauschale. Bei C fehlt jede Angabe zum Lohnexport, also fragt Jana schriftlich nach. Erst dann überträgt sie alle Angaben in eine gemeinsame Vergleichstabelle.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Günstig ist nicht gleich günstig

    Jana rechnet die Kosten über fünf Jahre in Excel. Anbieter A kostet CHF 3.50 pro Person und Monat plus CHF 1'200 Einrichtung, total rund CHF 8'550. Anbieter C wirkt mit CHF 2.90 am günstigsten, kommt aber mit Einrichtungspauschale von CHF 4'500 und kostenpflichtigem Support von CHF 900 pro Jahr auf rund CHF 15'100. Die Praxisleitung ist überrascht, dass der tiefste Monatspreis am Ende am teuersten ist.

    Ziel 3

  4. Kapitel 4

    Punkte, Gewichte und Kleingedrucktes

    In der Nutzwertanalyse gewichtet Jana Bedienbarkeit mit 30 %, Lohnexport mit 25 % und Mobile App mit 20 %. Anbieter A erreicht 4.1 von 5 Punkten, B 3.8. Weil die Praxisleitung die App noch wichtiger findet, rechnet Jana mit 40 % nach, und A bleibt vorne. Im Vertrag von A prüft sie Rechenzentrum, Auftragsbearbeitungsvertrag, jährliche Kündbarkeit und CSV-Export, damit die Praxis nicht an den Anbieter gebunden bleibt.

    Ziel 4Ziel 5

  5. Kapitel 5

    Zehn Minuten für die Praxisleitung

    Jana schreibt einen zweiseitigen Antrag mit Ausgangslage, drei Varianten, Empfehlung für Anbieter A, Kosten und Risiken. In der Sitzung fragt der Praxisinhaber, warum nicht das Angebot mit dem tiefsten Monatspreis gewählt wird. Jana zeigt die Grafik mit den Fünfjahreskosten und erklärt die Einrichtungspauschale. Die Praxisleitung entscheidet sich für einen Testmonat mit Anbieter A an einem Standort.

    Ziel 6

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Bedarf klären

    ca. 2 Std.

    Du lernst, mit einer Fachabteilung herauszufinden, was eine Lösung wirklich können muss.

    • Ein kurzes Interview mit einer Person aus einer Fachabteilung im Lehrbetrieb führen
    • Anforderungen in funktionale und nicht-funktionale aufteilen
    • Muss- und Wunschkriterien in einer Excel-Tabelle festhalten

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Markt sichten und Offerten anfragen

    ca. 3 Std.

    Du findest passende Anbieter und formulierst eine Anfrage mit einheitlichem Antwortraster.

    • Für ein Beispiel (z.B. Zeiterfassung) fünf Anbieter recherchieren und auf drei reduzieren
    • Eine Offertanfrage mit Mengengerüst und Frist schreiben
    • Die Rechtsgrundlagen zur Verbindlichkeit einer Offerte im OR nachlesen und in zwei Sätzen erklären

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Kosten durchrechnen

    ca. 3 Std.

    Du baust ein Excel-Modell für die Gesamtkosten über drei bis fünf Jahre.

    • Lizenzmodelle (pro User, pro Monat, einmalig, Stufen) vergleichen
    • Ein TCO-Blatt mit einmaligen, wiederkehrenden und internen Kosten erstellen
    • Beträge exkl. und inkl. 8.1 % MWST korrekt ausweisen

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    Bewerten mit Nutzwertanalyse

    ca. 2 Std.

    Du gewichtest Kriterien, vergibst Punkte und prüfst, wie robust dein Ergebnis ist.

    • Eine Nutzwertanalyse mit SUMMENPRODUKT in Excel aufbauen
    • Gewichte mit einer Fachperson abstimmen
    • Eine Sensitivitätsanalyse mit zwei veränderten Gewichten durchführen

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel4

  5. 5

    Risiken und Verträge prüfen

    ca. 2 Std.

    Du schaust auf Datenschutz, Laufzeiten und Ausstiegsszenarien.

    • Für zwei SaaS-Angebote Datenstandort, Laufzeit und Kündigungsfrist herausfinden
    • Eine Liste mit fünf Standardfragen an Anbieter zum Datenschutz erstellen
    • Eine einfache Risikotabelle mit Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung füllen

    Trainiert Kompetenz E1E2

    Lernziel5

  6. 6

    Empfehlung schreiben und präsentieren

    ca. 2 Std.

    Du fasst alles in einem Entscheidungsantrag zusammen und präsentierst ihn in wenigen Minuten.

    • Einen zweiseitigen Antrag mit klarer Empfehlung schreiben
    • Die Empfehlung in 5 Minuten vor einer Kollegin präsentieren
    • Kritische Rückfragen sammeln und Antworten vorbereiten

    Trainiert Kompetenz F2F3D3C3

    Lernziel643

Üben

Übungen aus der Praxis

Drei Laptop-Offerten vergleichen

Einstieg Einstieg

Ein Architekturbüro mit 15 Mitarbeitenden braucht neue Laptops. Drei Händler haben offeriert: CHF 1'290, CHF 1'350 und CHF 1'180 pro Gerät, mit unterschiedlicher Garantie und Lieferzeit.

Weist nach A1C1

  1. Vier Muss-Kriterien festlegen (z.B. 32 GB RAM, Schweizer Tastatur)
  2. Die Angebote auf die Muss-Kriterien prüfen
  3. Gesamtkosten für 15 Geräte inkl. 8.1 % MWST berechnen
  4. Eine Empfehlung in drei Sätzen formulieren
Tipp anzeigen

Ein Angebot mit 1 Jahr Garantie ist nicht direkt vergleichbar mit einem mit 3 Jahren Vor-Ort-Service. Rechne die Garantieverlängerung ein.

Lösungsskizze anzeigen

Muss-Filter streicht das günstigste Angebot (nur 16 GB RAM). Von den zwei übrigen ist das Angebot mit CHF 1'350 und 3 Jahren Vor-Ort-Service insgesamt günstiger, weil beim anderen CHF 120 pro Gerät für die Garantieverlängerung dazukommen.

CRM für ein Treuhandbüro bewerten

Fortgeschritten Fortgeschritten

Ein Treuhandbüro mit 8 Personen will seine Kundendaten aus Excel in ein CRM überführen. Zwei SaaS-Angebote und eine Schweizer Branchenlösung stehen zur Wahl.

Weist nach A2D2C2E2

  1. Einen Kriterienkatalog mit Muss- und Wunschkriterien erstellen
  2. Gewichte für sechs Wunschkriterien festlegen und begründen
  3. Eine Nutzwertanalyse in Excel mit Punkten 1 bis 5 durchführen
  4. Dreijahreskosten berechnen und Nutzwert pro 1'000 CHF vergleichen
Tipp anzeigen

Bei Treuhanddaten gehört der Datenstandort zu den Muss-Kriterien. Das Berufsgeheimnis und das revDSG spielen hier mit.

Lösungsskizze anzeigen

Muss: Datenhaltung CH/EU, Import aus Excel, Rollenrechte. Wunsch gewichtet nach Bedienbarkeit, Integration mit Buchhaltungssoftware, Kosten usw. Ergebnis als Tabelle, Empfehlung mit Nutzwert und Kosten, Hinweis auf Restrisiken.

Komplette Evaluation eines Online-Terminbuchungstools

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Eine Physiotherapie-Praxis mit vier Standorten will, dass Patientinnen online Termine buchen können. Budget: maximal CHF 6'000 pro Jahr. Die Praxisleitung will eine Entscheidungsgrundlage für die Sitzung in drei Wochen.

Weist nach A3B3C3D3E3F3

  1. Anforderungen mit der Praxisleitung klären und einen Katalog erstellen
  2. Eine Offertanfrage für drei Anbieter formulieren
  3. TCO über drei Jahre und Nutzwertanalyse erstellen
  4. Datenschutzrisiken bei Gesundheitsdaten bewerten
  5. Einen Entscheidungsantrag mit klarer Empfehlung schreiben
Tipp anzeigen

Gesundheitsdaten sind nach revDSG besonders schützenswert. Das beeinflusst Muss-Kriterien und Risikobewertung stark.

Lösungsskizze anzeigen

Katalog mit Muss-Kriterien zu Datenstandort, SMS-Erinnerung und Mehrstandortfähigkeit. Offertanfrage mit Mengengerüst (4 Standorte, 12 Therapeutinnen). TCO und Nutzwertanalyse. Risikoliste mit Massnahmen. Antrag mit Empfehlung, Kosten im Budget und Einführungsplan.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Was passiert mit einem Angebot, das ein Muss-Kriterium nicht erfüllt?

Es scheidet aus und wird in der Nutzwertanalyse nicht mehr bewertet, egal wie günstig es ist.

Was bedeutet TCO?

Total Cost of Ownership: alle Kosten einer Lösung über die Nutzungsdauer, also Anschaffung, Lizenzen, Einführung, Betrieb, Schulung und Ausstieg.

Wie berechnest du den gewichteten Nutzwert eines Angebots?

Für jedes Kriterium Punkte mal Gewicht rechnen und alles addieren. In Excel geht das mit SUMMENPRODUKT.

Ein SaaS-Tool kostet CHF 20 pro Benutzer und Monat exkl. MWST. Was kostet es für 10 Benutzer pro Jahr inkl. MWST?

20 x 10 x 12 = CHF 2'400 exkl. MWST, mal 1.081 = CHF 2'594.40 inkl. MWST.

Wozu dient eine Sensitivitätsanalyse?

Sie prüft, ob die Rangfolge der Angebote auch bei leicht veränderten Gewichten gleich bleibt. So erkennst du, wie robust die Empfehlung ist.

Warum sollte eine Offertanfrage ein einheitliches Antwortraster vorgeben?

Damit alle Anbieter auf dieselben Punkte antworten und die Angebote direkt vergleichbar sind.

Nenne zwei typische Lock-in-Risiken bei SaaS.

Lange Mindestlaufzeiten und fehlender oder kostenpflichtiger Datenexport beim Ausstieg.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Nur den Preis im ersten Jahr vergleichen und wiederkehrende oder interne Kosten vergessen.
  • Gewichte erst nach der Punktevergabe festlegen und so das Wunschergebnis herbeirechnen.
  • Muss-Kriterien so streng formulieren, dass am Ende kein Anbieter übrig bleibt.
  • Beträge mit und ohne MWST in derselben Tabelle mischen.
  • Datenschutz und Ausstiegsszenario erst nach Vertragsabschluss anschauen.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Halte die Reihenfolge ein: zuerst Muss-Kriterien filtern, dann Nutzwertanalyse, dann Kosten.
  • Schreibe bei jeder Kostenrechnung dazu, ob exkl. oder inkl. MWST und über welchen Zeitraum.
  • Begründe Gewichtungen kurz. Ein Satz pro Kriterium reicht.
  • Schliesse immer mit einer klaren Empfehlung und einem konkreten Antrag ab.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Offerte
Verbindliches Angebot eines Anbieters zu Leistung, Preis und Bedingungen.
Kriterienkatalog
Strukturierte Liste aller Anforderungen, aufgeteilt in Muss- und Wunschkriterien.
Muss-Kriterium
Anforderung, die zwingend erfüllt sein muss. Wird sie nicht erfüllt, scheidet das Angebot aus.
Nutzwertanalyse
Bewertungsmethode, bei der Angebote anhand gewichteter Kriterien mit Punkten verglichen werden.
TCO
Total Cost of Ownership: Gesamtkosten einer Lösung über ihre Nutzungsdauer.
Mengengerüst
Zahlen, die den Umfang beschreiben, z.B. Anzahl Benutzer, Standorte oder Transaktionen pro Monat.
Lock-in
Starke Abhängigkeit von einem Anbieter, die einen Wechsel teuer oder schwierig macht.
Entscheidungsantrag
Kurzes Dokument, das eine Evaluation zusammenfasst und um einen konkreten Entscheid bittet.

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Mein JOIN liefert plötzlich doppelte Zeilen. Was mache ich falsch?
Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
Ah, dann kommt sie zweimal vor …
Genau. Willst du die Bestellungen zählen oder nur die Kundinnen sehen? Je nachdem hilft dir GROUP BY oder DISTINCT.

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