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Projekt & Methodik · Software-Einführung

Einführung von Softwaresystemen und IT-Services koordinieren und fachlich begleiten

Du lernst, die Einführung einer neuen Software oder eines IT-Services aus Sicht der Fachabteilung zu planen und so zu begleiten, dass am Stichtag die Daten stimmen, die Leute vorbereitet sind und der Betrieb weiterläuft.

Fortgeschritten Fortgeschritten ca. 22 Std. SelbststudiumDigitales Business: 2. Lehrjahr · Berufsfachschule
#Rollout#Einführungsstrategie#Change Management#Key User#Datenmigration#Abnahmetest#Go-Live#Hypercare#Stakeholder

Überblick

Worum geht es?

Ob neues ERP, Lohnsoftware, Ticketsystem oder Teams-Telefonie: Die Technik ist oft der kleinere Teil einer Einführung. In diesem Modul planst du die Einführung mit Meilensteinen und Rollen, wählst eine passende Einführungsstrategie und bindest die Betroffenen über Key User und einen Kommunikationsplan ein. Du bereitest die Datenübernahme fachlich vor, koordinierst die Abnahmetests mit der Fachabteilung und organisierst Go-Live und Hypercare. Am Ende übergibst du die Lösung geordnet in den Betrieb und hältst die Erfahrungen fest.

Wofür brauchst du das?

Als Entwickler/in digitales Business bist du oft die Person, die zwischen Lieferant, IT und Fachabteilung koordiniert. Ein schlecht begleiteter Go-Live kostet einen Betrieb schnell mehrere Tage Stillstand, falsche Löhne oder verärgerte Kundschaft. Wer Einführungen strukturiert begleitet, wird zur Vertrauensperson in Projekten. Das Modul baut auf 336 und 230 auf und hängt eng mit 168 und 219 (Benutzerdokumentation und Schulung) zusammen.

Das solltest du schon können

  • Ein Projekt mit Phasen, Meilensteinen und Rollen planen (Modul 336)
  • Den betroffenen Geschäftsprozess als Modell lesen und erklären (Modul 230)
  • Datenstrukturen verstehen: Tabellen, Felder, Schlüssel und Pflichtfelder (Modul 162)
  • Sicher mit Excel umgehen: Filter, SVERWEIS oder XVERWEIS und Summen

Typische Tools & Technologien

Microsoft Planner / ProjectJira / Azure DevOpsExcel (Testplan, Migrationsprüfung)Microsoft TeamsSharePointTOPdesk / Jira Service ManagementAbacus / Bexio (als Einführungsobjekt)

Lernziele

Was musst du können?

Das sind die Fähigkeiten, die am Ende des Moduls sitzen sollten. Jedes Ziel mit einem Beispiel aus dem Lehrbetrieb.

  1. 1

    Einen Einführungsplan mit Meilensteinen, Rollen und Abhängigkeiten erstellen

    Kompetenz A

    Du zerlegst die Einführung in Arbeitspakete wie Konfiguration, Datenübernahme, Tests, Schulung und Go-Live und stellst sie in eine sinnvolle Reihenfolge. Du klärst, wer auf Seite Lieferant, IT und Fachabteilung was liefert, und planst Puffer für typische Verzögerungen.

    Situation

    Ein Physiotherapiezentrum in Winterthur mit 4 Standorten und 35 Therapeutinnen wechselt auf eine neue Praxissoftware mit Online-Terminbuchung. Stichtag ist Anfang Januar, damit die Abrechnung mit dem neuen Jahr sauber im neuen System startet.

    Deine Aufgabe

    Erstelle einen Einführungsplan vom Projektstart im August bis zum Abschluss im Februar.

    Gutes Ergebnis

    Meilensteine: Konfiguration abgeschlossen (30.9.), Testmigration geprüft (31.10.), Abnahme (30.11.), Schulungen (1. bis 15.12.), Go-Live (3.1.), Hypercare bis 31.1. Abhängigkeit: Schulung erst nach Abnahme. Puffer von 2 Wochen vor dem Stichtag. Rollen: Projektleiterin Praxis, Key User je Standort, Lieferant für Konfiguration und Migration.

    MeilensteinArbeitspaketAbhängigkeitPufferRollen im Projekt
  2. 2

    Eine passende Einführungsstrategie wählen und begründen

    Kompetenz B

    Du kennst die Varianten: alles auf einmal (Big Bang), stufenweise nach Standort oder Modul, mit einem Pilot oder im Parallelbetrieb. Du wägst Risiko, Aufwand, Dauer und Abhängigkeiten ab und begründest die Wahl gegenüber der Projektleitung.

    Situation

    Eine Gemeindeverwaltung im Aargau mit 60 Mitarbeitenden führt ein Ticketsystem für interne IT-Anfragen und Hauswartsaufträge ein. Bisher läuft alles per Mail und Telefon.

    Deine Aufgabe

    Wähle eine Einführungsstrategie und begründe sie.

    Gutes Ergebnis

    Pilot mit der Bauverwaltung (8 Personen) während 4 Wochen, danach stufenweise Ausdehnung auf alle Abteilungen. Big Bang verworfen, weil die Kategorien und Vorlagen zuerst im Alltag erprobt werden sollen. Parallelbetrieb verworfen, weil Anfragen sonst doppelt bearbeitet würden.

    Big Bangstufenweise EinführungPilotbetriebParallelbetriebRisikoabwägung
  3. 3

    Betroffene mit Key Usern und einem Kommunikationsplan einbinden

    Kompetenz C

    Menschen akzeptieren Veränderungen eher, wenn sie verstehen, warum etwas kommt, und mitreden können. Du analysierst die Stakeholder, bestimmst Key User als Ansprechpersonen in den Teams und planst, wer wann welche Information über welchen Kanal erhält.

    Situation

    Im Physiotherapiezentrum befürchten mehrere Therapeutinnen, dass sie mit der neuen Software mehr Zeit am Bildschirm verbringen müssen.

    Deine Aufgabe

    Plane die Einbindung und Kommunikation für die nächsten drei Monate.

    Gutes Ergebnis

    Pro Standort eine Key-Userin, die an Tests teilnimmt und Fragen sammelt. Kommunikationsplan: Kick-off-Info im Teammeeting im September, monatlicher Newsletter im Teams-Kanal, Demo der Dokumentation in 5 Klicks im November, FAQ-Seite ab Dezember. Die Bedenken werden in einer Umfrage gesammelt und in der Konfiguration berücksichtigt.

    StakeholderanalyseKey UserKommunikationsplanWiderstandADKAR
  4. 4

    Die Datenübernahme fachlich vorbereiten und prüfen

    Kompetenz D

    Du klärst mit der Fachabteilung, welche Daten übernommen werden, bereinigst sie vorher und prüfst nach einer Testmigration, ob alles korrekt angekommen ist. Dazu vergleichst du Anzahl Datensätze, Summen und Stichproben zwischen altem und neuem System.

    Situation

    Ein Bauunternehmen in Sion mit 140 Mitarbeitenden wechselt die Lohnsoftware auf Abacus. Die Lohnbuchhaltung muss per 1. Januar mit Swissdec-zertifizierter Lohnmeldung starten.

    Deine Aufgabe

    Plane und prüfe die Übernahme der Personalstammdaten.

    Gutes Ergebnis

    Migrationsumfang festgelegt: aktive Mitarbeitende, Lohnarten, Kinderzulagen, Quellensteuercodes, keine Lohnhistorie älter als 2 Jahre. Nach der Testmigration Abgleich: 140 von 140 Personen, Summe Monatslöhne identisch, 20 Stichproben Feld für Feld geprüft. Gefunden: 3 Quellensteuertarife falsch zugeordnet, vor der Produktivmigration korrigiert.

    MigrationsumfangDatenbereinigungTestmigrationAbgleichStichprobe
  5. 5

    Fachliche Abnahmetests mit Key Usern koordinieren und den Go-Live-Entscheid vorbereiten

    Kompetenz E

    Du planst, welche Geschäftsfälle die Fachabteilung im neuen System durchspielt, verteilst die Tests, sammelst die Ergebnisse und klassierst Fehler. Für den Entscheid über den Go-Live bereitest du eine klare Übersicht vor: Was funktioniert, was nicht, und was ist das Risiko.

    Situation

    Die Lohnsoftware beim Bauunternehmen soll im Dezember abgenommen werden. Es bleiben nur zwei Wochen für die Tests.

    Deine Aufgabe

    Koordiniere die Abnahmetests und bereite den Go/No-Go-Entscheid vor.

    Gutes Ergebnis

    28 Testfälle, z.B. Lohn mit Überstunden, Eintritt Mitte Monat, Grenzgänger mit Quellensteuer. Zwei Lohnbuchhalterinnen testen parallel, Ergebnisse in einer gemeinsamen Excel-Liste. 25 bestanden, 3 Fehler: 1 kritisch (Spesen werden versteuert), 2 gering. Empfehlung: Go, wenn der kritische Fehler bis 20.12. behoben und nachgetestet ist.

    Abnahmetest (UAT)TestfallFehlerklassierungGo/No-GoNachtest
  6. 6

    Go-Live und Hypercare organisieren und die Lösung in den Betrieb übergeben

    Kompetenz F

    Für den Stichtag erstellst du einen Ablaufplan mit allen Schritten, Verantwortlichen und einem Plan B. In den ersten Wochen danach sorgst du für schnelle Hilfe, sammelst Probleme und übergibst die Lösung schliesslich an den regulären Support mit klaren Zuständigkeiten.

    Situation

    Die neue Praxissoftware geht am Montag, 3. Januar, live. Die alte Software wird am Freitag davor gesperrt.

    Deine Aufgabe

    Erstelle den Go-Live-Plan und organisiere die Hypercare.

    Gutes Ergebnis

    Ablaufplan von Freitag 17 Uhr (Sperre alt) bis Montag 7 Uhr (Freigabe neu) mit Schlussmigration, Prüfung und Rückfallentscheid am Sonntag 18 Uhr. In der ersten Woche je Standort eine Key-Userin mit freien Zeitfenstern, täglicher Kurzcheck um 16 Uhr im Teams-Call. Nach 4 Wochen Übergabe an den Support des Lieferanten mit Ansprechpersonen und Reaktionszeiten.

    Cutover-PlanRückfallplanHypercareÜbergabe in den BetriebLessons Learned

Selbsteinschätzung

Wo stehst du?

Die Kompetenzmatrix zerlegt das Modul in Themenstränge und drei Stufen. Für den Kompetenznachweis solltest du überall mindestens Stufe 2 erreichen. Dein Stand bleibt in diesem Browser gespeichert und färbt Lernweg und Übungen ein.

Tippe auf eine Aussage, um deinen Stand zu setzen: offen unsicher sitzt
A

Einführung planen

Ziel 1

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

B

Einführungsstrategie

Ziel 2

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

C

Betroffene einbinden

Ziel 3

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

D

Datenübernahme begleiten

Ziel 4

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

E

Abnahmetests koordinieren

Ziel 5

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

F

Go-Live und Übergabe in den Betrieb

Ziel 6

Grundlagen

Fortgeschritten

Erweitert

Praxisfall

Die Einsatz-App der Elektro Keller AG

Luca ist im 2. Lehrjahr bei der Elektro Keller AG in Frauenfeld, 140 Mitarbeitende. Die 45 Servicetechniker schreiben ihre Arbeitsrapporte noch auf Papier, die Disposition tippt sie danach ins ERP ab. Eine Einsatzplanungs-App soll das ersetzen, und Luca unterstützt die Projektleiterin bei der Einführung.

  1. Kapitel 1

    Alles hängt an den Tablets

    Luca sammelt mit der Projektleiterin alle Arbeitspakete und erstellt in Planner einen Plan mit Meilensteinen: Konfiguration fertig, Testende, Schulungen, Go-Live am 1. März. Beim Eintragen der Abhängigkeiten merkt er, dass die Tablets erst Mitte Februar geliefert werden. Ohne Tablets keine Schulung, und ohne Schulung kein Go-Live. Er verschiebt die Schulungen in die letzten beiden Februarwochen und plant eine Woche Puffer ein.

    Ziel 1

  2. Kapitel 2

    Alle auf einmal oder Team für Team?

    Ein Big Bang wäre einfach, aber die Rapporte fliessen direkt in die Rechnungen, und Fehler würden sofort Geld kosten. Luca schlägt einen Pilot mit dem Team Thurgau vor, acht Techniker während drei Wochen, danach stellen alle übrigen gleichzeitig um. Als Rückfallplan bleiben die Papierrapporte im Pilot griffbereit. Die Geschäftsleitung stimmt zu.

    Ziel 2

  3. Kapitel 3

    Die Skeptiker ins Boot holen

    Zwei erfahrene Techniker sagen offen, sie hätten keine Lust, auf der Baustelle zu tippen. Luca gewinnt einen von ihnen als Key User für den Pilot. Im Kommunikationsplan stehen eine Information am Monatsrapport, ein 3-minütiges Erklärvideo und eine Sprechstunde jeden Dienstag. Der skeptische Key User entdeckt die Sprachnotiz-Funktion und erzählt seinen Kollegen bald selbst davon.

    Ziel 3

  4. Kapitel 4

    Testimport und zwölf Testfälle

    Übernommen werden 3'200 Kundenadressen und 900 Anlagen. Beim Testimport fehlen bei 140 Anlagen die Kundenzuordnungen, weil im alten System Freitext statt Kundennummern stand. Luca organisiert mit der Disposition die Bereinigung und gleicht beim zweiten Import die Anzahl Datensätze ab. Die Key User testen danach zwölf Testfälle, einer schlägt kritisch fehl: Materialpositionen landen nicht auf der Rechnung. Nach der Korrektur und einem Retest empfiehlt Luca den Go-Live mit zwei kleinen offenen Fehlern.

    Ziel 4Ziel 5

  5. Kapitel 5

    Montag, 6.30 Uhr im Werkhof

    Am ersten Tag steht Luca mit den Key Usern im Werkhof, als die Techniker ausrücken. Zwei können sich nicht anmelden, weil die Zwei-Faktor-Authentifizierung noch nicht eingerichtet ist, das lösen sie in zehn Minuten vor Ort. Während vier Wochen Hypercare gibt es ein tägliches 15-Minuten-Gespräch und eine eigene Ticketkategorie. Danach übergibt Luca die App mit Betriebshandbuch und Lessons Learned an den IT-Support.

    Ziel 6

Lernweg

Wie lernst du das?

  1. 1

    Was eine Einführung alles umfasst

    ca. 3 Std.

    Du verschaffst dir einen Überblick über die Arbeitspakete einer Einführung und lernst aus Beispielen, woran Einführungen typischerweise scheitern.

    • Eine Einführung aus deinem Lehrbetrieb rekonstruieren: Was lief gut, was nicht?
    • Die typischen Arbeitspakete in einer Mindmap sammeln
    • Einen groben Einführungsplan mit Meilensteinen für ein Beispiel erstellen

    Trainiert Kompetenz A1A2

    Lernziel1

  2. 2

    Strategie wählen

    ca. 3 Std.

    Du vergleichst die Einführungsstrategien und wendest sie auf verschiedene Fälle an.

    • Vor- und Nachteile von Big Bang, Pilot, stufenweise und parallel in einer Tabelle festhalten
    • Für drei kurze Fälle eine Strategie wählen und begründen
    • Die eigene Begründung mit einer Kollegin vergleichen und diskutieren

    Trainiert Kompetenz B1B2

    Lernziel2

  3. 3

    Menschen mitnehmen

    ca. 4 Std.

    Du planst die Einbindung der Betroffenen und erstellst einen Kommunikationsplan.

    • Eine Stakeholder-Matrix nach Einfluss und Betroffenheit erstellen
    • Ein Rollenprofil für Key User schreiben
    • Einen Kommunikationsplan mit Zeitpunkt, Zielgruppe, Inhalt und Kanal erstellen

    Trainiert Kompetenz C1C2

    Lernziel3

  4. 4

    Daten sicher übernehmen

    ca. 4 Std.

    Du lernst, eine Datenmigration fachlich zu prüfen, auch wenn der Lieferant sie technisch durchführt.

    • Einen Migrationsumfang festlegen: Was wird übernommen, was archiviert?
    • Zwei Excel-Exporte mit XVERWEIS abgleichen und Abweichungen finden
    • Eine Prüfcheckliste mit Anzahl, Summen und Stichproben erstellen

    Trainiert Kompetenz D1D2

    Lernziel4

  5. 5

    Testen und entscheiden

    ca. 4 Std.

    Du planst Abnahmetests, wertest sie aus und bereitest einen Go/No-Go-Entscheid vor.

    • Für einen Prozess 10 fachliche Testfälle mit Testdaten schreiben
    • Testergebnisse erfassen und Fehler nach kritisch, mittel und gering klassieren
    • Eine einseitige Entscheidungsvorlage für die Projektleitung schreiben

    Trainiert Kompetenz E1E2E3

    Lernziel5

  6. 6

    Stichtag und danach

    ca. 4 Std.

    Du erstellst Go-Live-Plan, Hypercare-Konzept und Übergabedokument und schliesst mit einer Lessons-Learned-Runde ab.

    • Einen stundengenauen Cutover-Plan mit Rückfallentscheid erstellen
    • Ein Hypercare-Konzept mit Ansprechpersonen und täglichen Checks erstellen
    • Ein Lessons-Learned-Protokoll mit 5 konkreten Erkenntnissen verfassen

    Trainiert Kompetenz F1F2F3A3

    Lernziel61

Üben

Übungen aus der Praxis

Drei Fälle, drei Strategien

Einstieg Einstieg

Du erhältst drei Situationen: (A) Ein Velohändler mit einer Filiale führt Bexio für Buchhaltung und Rechnungen ein. (B) Eine Bank mit 30 Filialen ersetzt ihr Kassensystem. (C) Ein Spital führt ein neues System für Medikamentenverordnungen ein.

Weist nach B1B2

  1. Für jede Situation eine Einführungsstrategie wählen
  2. Die Wahl mit Risiko, Aufwand und Auswirkung bei Fehlern begründen
  3. Für eine Situation die verworfene Alternative nennen und warum
Tipp anzeigen

Je grösser der Schaden bei einem Fehler, desto vorsichtiger die Strategie. Bei Patientensicherheit ist ein Big Bang kaum vertretbar.

Lösungsskizze anzeigen

A: Big Bang auf Jahresbeginn, weil klein und überschaubar, Buchhaltung startet sauber mit neuem Geschäftsjahr. B: Pilot in 2 Filialen, dann stufenweise in Wellen. C: Pilot auf einer Station mit kurzem Parallelbetrieb oder Doppelkontrolle, dann stationsweise. Verworfene Alternative bei B: Big Bang, weil 30 Filialen gleichzeitig keinen Support erhalten könnten.

Kommunikation und Key User für ein Ticketsystem

Fortgeschritten Fortgeschritten

Eine Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung in St. Gallen mit 220 Mitarbeitenden in Wohngruppen, Werkstätten und Verwaltung führt ein Ticketsystem für IT- und Hauswartsanfragen ein. Viele Mitarbeitende arbeiten Schicht und lesen selten Mails.

Weist nach C2A2

  1. Eine Stakeholder-Matrix mit mindestens 6 Gruppen erstellen
  2. Key User bestimmen und ihre Aufgaben beschreiben
  3. Einen Kommunikationsplan über 8 Wochen mit passenden Kanälen für Schichtmitarbeitende erstellen
  4. Drei typische Einwände formulieren und je eine Antwort vorbereiten
Tipp anzeigen

Für Schichtmitarbeitende eignen sich Aushänge im Pausenraum, kurze Infos an Teamsitzungen und Key User vor Ort besser als Mails.

Lösungsskizze anzeigen

Gruppen: Geschäftsleitung, Bereichsleitungen, Wohngruppen, Werkstätten, Verwaltung, IT und Hauswartung. Ein Key User pro Bereich, der testet, informiert und Rückmeldungen sammelt. Plan: Woche 1 Info der Bereichsleitungen, Woche 3 Aushang mit QR-Code, Woche 5 Kurzdemo an Teamsitzungen, Woche 7 Start, Woche 8 Rückmeldeumfrage. Einwand 'Anrufen geht schneller' wird mit Statusmeldungen und Notfallnummer beantwortet.

Abnahme und Go-Live einer Lohnsoftware

Anspruchsvoll Anspruchsvoll

Eine Reinigungsfirma in Lausanne mit 380 Mitarbeitenden, viele im Stundenlohn und mit Quellensteuer, stellt per 1. Januar auf eine neue Swissdec-zertifizierte Lohnsoftware um. Die Testmigration ist erfolgt, die Abnahme steht an, der Dezemberlohn wird noch im alten System gerechnet.

Weist nach D3E3F2

  1. Eine Prüfcheckliste für die Testmigration mit mindestens 6 Prüfpunkten erstellen
  2. 15 fachliche Testfälle für die Abnahme definieren, inklusive Sonderfälle
  3. Eine Go/No-Go-Vorlage für den Fall erstellen, dass 1 kritischer und 4 geringe Fehler offen sind
  4. Einen Cutover-Plan für den Jahreswechsel mit Rückfallplan schreiben
  5. Ein Hypercare-Konzept für die ersten zwei Lohnläufe erstellen
Tipp anzeigen

Ein Parallellauf für den Januarlohn, also derselbe Lohn in beiden Systemen gerechnet und verglichen, ist bei Löhnen eine bewährte Absicherung.

Lösungsskizze anzeigen

Prüfpunkte: Anzahl Personen, Summe Stundenlöhne, Quellensteuertarife, Bankverbindungen, Kinderzulagen, Ferienguthaben. Testfälle: Stundenlohn mit Ferienzuschlag, Austritt Mitte Monat, Grenzgängerin, Kurzarbeit, Mutterschaft. Empfehlung: bedingtes Go mit Frist für den kritischen Fehler und Parallellauf Januar. Cutover: Stammdatenstopp 20.12., Schlussmigration 28.12., Prüfung 29.12., Rückfallentscheid 30.12. Hypercare: Lieferant und Key Userin am Lohnlauftag verfügbar, Vergleich mit Parallellauf vor der Auszahlung.

Selbstcheck

Kannst du das beantworten?

Wann ist ein Big Bang sinnvoll?

Bei kleinen, überschaubaren Einführungen oder wenn zwei Systeme nicht nebeneinander laufen können, z.B. Buchhaltung zum Jahreswechsel. Voraussetzung sind gründliche Tests vorher.

Was ist die Aufgabe eines Key Users?

Er oder sie vertritt die Fachabteilung im Projekt, testet die Lösung, gibt Wissen ans Team weiter und ist nach dem Go-Live erste Ansprechperson für Fragen.

Wie prüfst du eine Datenmigration fachlich?

Anzahl Datensätze vergleichen, Summen wichtiger Werte abgleichen und Stichproben Feld für Feld zwischen altem und neuem System prüfen.

Was gehört in einen Cutover-Plan?

Alle Schritte rund um die Umstellung mit Zeitpunkt, verantwortlicher Person, Prüfschritt und einem festen Zeitpunkt für den Rückfallentscheid.

Was ist Hypercare?

Eine Phase direkt nach dem Go-Live mit verstärkter Unterstützung, schneller Fehlerbehebung und engem Austausch, bevor der normale Support übernimmt.

Wann ist ein Fehler im Abnahmetest kritisch?

Wenn ein wichtiger Geschäftsfall nicht ausgeführt werden kann oder falsche Ergebnisse liefert, ohne dass es eine zumutbare Umgehung gibt, z.B. falsche Lohnauszahlung.

Warum plant man Puffer vor einem fixen Stichtag?

Weil Tests, Migration und Korrekturen fast immer länger dauern. Ohne Puffer muss man unter Druck mit bekannten Fehlern live gehen.

Prüfung

Stolpersteine & Prüfungstipps

Typische Stolpersteine

  • Die Einführung als reines IT-Thema behandeln und die Fachabteilung erst zur Schulung einbeziehen.
  • Schulungen zu früh durchführen, sodass das Gelernte bis zum Go-Live vergessen ist, oder zu spät, wenn schon gearbeitet werden muss.
  • Altdaten ungeprüft übernehmen, weil 'der Lieferant das schon macht'.
  • Den Go-Live-Termin halten, obwohl kritische Fehler offen sind, ohne bewussten Entscheid und Umgehungslösung.
  • Keinen Rückfallplan haben und am Stichtag improvisieren müssen.
  • Nach dem Go-Live die Projektgruppe sofort auflösen, bevor der Betrieb stabil läuft.

Tipps für den Kompetenznachweis

  • Begründe jede Entscheidung mit dem Risiko für den Betrieb, nicht mit persönlichen Vorlieben.
  • Arbeite mit konkreten Daten und Uhrzeiten im Plan. 'Im Dezember testen' ist zu ungenau.
  • Zeige im Testplan immer auch Sonderfälle. Die Prüfenden achten darauf, ob du über den Normalfall hinausdenkst.
  • Schliesse mit Lessons Learned ab und formuliere sie so, dass ein nächstes Projekt sie direkt anwenden kann.

Glossar

Begriffe kurz erklärt

Rollout
Verteilung und Inbetriebnahme einer Lösung bei allen vorgesehenen Nutzenden.
Big Bang
Einführungsstrategie, bei der alle Bereiche zum selben Zeitpunkt umstellen.
Pilotbetrieb
Einsatz der neuen Lösung zuerst in einem kleinen Bereich, um Erfahrungen zu sammeln.
Parallelbetrieb
Altes und neues System laufen eine Zeit lang gleichzeitig, um Ergebnisse zu vergleichen.
Key User
Fachperson, die im Projekt mitarbeitet und danach Ansprechperson in ihrem Team ist.
Datenmigration
Übernahme von Daten aus einem alten in ein neues System.
Abnahmetest (UAT)
Test durch die Fachabteilung, ob die Lösung ihre Geschäftsfälle korrekt unterstützt.
Cutover
Der eigentliche Umstellungsvorgang vom alten auf das neue System.
Hypercare
Phase intensiver Betreuung unmittelbar nach dem Go-Live.
Go/No-Go
Formeller Entscheid, ob die Lösung wie geplant produktiv geht.

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Mein JOIN liefert plötzlich doppelte Zeilen. Was mache ich falsch?
Gute Frage! Schau dir die Spalte an, über die du verbindest: Ist sie in beiden Tabellen eindeutig? Was passiert mit einer Kundin, die zwei Bestellungen hat?
Ah, dann kommt sie zweimal vor …
Genau. Willst du die Bestellungen zählen oder nur die Kundinnen sehen? Je nachdem hilft dir GROUP BY oder DISTINCT.

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So helfen wir dir bei Modul 218

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